Das Wunder ist möglich : Nervenspiel macht Alba optimistisch fürs dritte Finale

Am Montag will Alba Berlin den Pokal in den Händen halten. „Mit Begeisterung, Intensität und Geschlossenheit können wir den Eurocup holen“, sagt Manager Baldi.

Jetzt geht die Party in Valencia weiter. Hoffen sie jedenfalls bei Alba.
Jetzt geht die Party in Valencia weiter. Hoffen sie jedenfalls bei Alba.Foto: Andreas Gora/dpa

Eine Stunde nachdem der Krimi, der wilde Ritt, die große Party oder wie auch immer man das Basketballspiel zwischen Alba Berlin und Valencia bezeichnen mochte, vorbei war, orderte Marco Baldi ein Bier. Das Getränk, so heißt es, kann die Nerven beruhigen. Der Manager von Alba Berlin nahm einen großen Schluck.

Das war nötig nach einem Spiel, das vielleicht doch am besten als irrwitzige Achterbahnfahrt in einem lauten, dunklen Tunnel beschrieben ist. Eine Fahrt, bei der nie klar ist, wohin die Reise geht. Aber am Ende war Licht, und es leuchtete schön für Alba.  Die Berliner besiegten am späten Freitagabend Valencia 95:92 im zweiten Finalspiel der Eurocups. Es steht damit 1:1 in der Serie und schon am Montag fällt die Entscheidung in Valencia (20.30 Uhr). Sollte Alba das Spiel für sich entscheiden, wäre dies der größte Erfolg nach dem Sieg 1995 im ehemaligen europäischen Pokalwettbewerb namens Korac-Cup.

“Das heute war ein Basketballfest”, sagte Baldi, “wenn wir am Montag das Beste rausholen, kann das Wunder passieren.” Dann führte er erneut das Glas zum Mund.

Baldi dürfte sich insbesondere über einen Gast gefreut haben. Jordi Bertomeu war zu dem Spiel angereist. Der Spanier ist Präsident der europäischen Klubwettbewerbe Euroleague und Eurocup und er ist so wichtig für Baldi, weil er wesentlich mitbestimmt, ob Alba Berlin in der kommenden Saison im höchsten europäischen Basketballwettbewerb - der Euroleague - mitspielen darf. “Der Klub, die Spieler, die Mannschaft - wir wollen da rein”, sagte Baldi. Und nach dem nervenaufreibenden Spektakel dürften die Chancen darauf noch einmal deutlich gestiegen sein. 

Die wilde Fahrt hatte viele Teilnehmer. 14.500 Zuschauer waren in die Arena am Ostbahnhof gekommen, mehr passen nicht rein und aus Gründen des Gehörschutzes war das auch gut so. Zum ersten Mal wurden die Ohren richtig strapaziert, als der 17 Jahre alte Berliner Franz Wagner, einen Drei-Punkte-Wurf zum 15:15 verwandelte. Die Zuschauer tobten, darunter auch Wagners Bruder Moritz, der ebenfalls einst bei Alba das Basketballspieler erlernte und nun in der NBA bei den Los Angeles Lakers spielt. Seine Gefühlslage in den Momenten nach diesem Wurf beschrieb Franz Wagner später als “das Beste, was es gibt”.

Die Spanier haben viel mehr Geld, Alba zeigt aber Einsatz

Die Macht der Zuschauer, die Euphorie und die Energie, die sie auf die eigene Mannschaft übertragen können, sie wurde bei Alba selten so offensichtlich wie bei diesem Spiel. Alba war nach der 75:89-Niederlage in Spiel eins auch in dieses Duell als klarer Außenseiter gegangen. Die Spanier haben viel mehr Geld und deswegen auch eine der abgezocktesten Mannschaften in Europa. Spieler wie Sam Van Rossom oder Fernando San Emeterio sind über 30 Jahre und haben enge Spiele hundertfach erlebt. Trotzdem scheiterten sie am Freitag an Spielern wie dem Teenager Wagner. 

Die entscheidende Kategorie im Spiel von Alba dürfte dabei eine gewesen sein, in der sie Valencia unterlegen waren. Die Berliner holten insgesamt 33 Rebounds und damit zwei weniger als die Spanier. Doch Valencia ist bekannt für seine Stärke unter den Körben und im Hinspiel war das deutlich geworden mit einem Reboundverhältnis von 42 zu 26 zugunsten der Spanier. Mit großem Einsatz nahmen die Berliner am Freitag den Kampf unter den Körben gegen einen körperlich vermeintlich übermächtigen Gegner an und zwangen Valencia in den Schlusssekunden in die Verlängerung, in der sie mit der Macht des Publikums die Achterbahnfahrt zu einem guten Ende brachten.

Viel mehr Argumente in einem Spiel konnte Baldi mit seiner Mannschaft nicht sammeln, um Ansprüche auf eine Teilnahme an der Euroleague zu stellen. Schon unmittelbar vor dem Spiel hatte man nicht zwischen den Zeilen lesen müssen, dass auch Euroleague-Chef Bertomeu dies wünscht.

“Alba ist wichtig für uns und die Infrastruktur des Klubs ist hervorragend”, sagte er. “Berlin ist ein Markt, wo wir sein wollen.” Doch noch könne er Alba nichts versprechen. Die endgültige Entscheidung - sollte sich Alba nicht ohnehin sportlich durch einen Sieg am Montag oder durch eine mögliche Teilnahme im Endspiel um die deutsche Meisterschaft für die Euroleague qualifizieren - fällt laut Bertomeu im Juli. Schließlich, so der 60-Jährige, wolle man Alba etwa mit einem vorzeitigen Teilnahme-Versprechen durch eine Wildcard nicht die Motivation für die entscheidenden restlichen Saisonspiele nehmen.

Was wäre der Mehrwert einer Euroleague-Teilnahme?

In der Euphorie des Augenblicks stellte sich am Freitag vielmehr die Frage, wo der Mehrwert an einer Euroleague-Teilnahme für Alba Berlin liegen könnte.

Schließlich müsste der Klub dann den Abzweig in einen Wettbewerb nehmen, in dem das Budget vieler Teams weit über dem von Alba Berlin liegt. Basketball wird in der Euroleague auf einem Niveau gespielt, in dem jugendlicher Eifer, Euphorie oder mannschaftliche Geschlossenheit nicht mehr reichen. Selbst Bayern München, seit ein paar Jahren das mit Abstand vermögendste und auch erfolgreichste deutsche Basketballteam, konnte in dieser Saison in der Euroleague nicht mithalten und schied als Elfter von 16 Teams nach der Hauptrunde aus.

Geld schießt Tore, heißt es im Fußball. Im Basketball wirft Geld Körbe. Und inwieweit würde die Alba-Idee, die die Jugendarbeit in den Fokus rückt, noch korrespondieren mit dem Wettbewerb der millionenschweren Klubs? Marco Baldi aber sagte am Freitag, dass der Klub Ideen und Wege suchen werde, das Budget von Alba zu erhöhen. Außerdem sei die Euroleague der innige Wunsch der Mannschaft. “Die Spieler haben eine übersichtliche Zeit, in der sie Geld verdienen und in der sie performen können”, sagte Baldi. Er verstehe jeden, der das nutzen wolle. “Das ist ein Riesenmotiv.”

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Doch in diesen Tagen haben die Spieler von Alba ohnehin noch ein dringlicheres Motiv: den Eurocup. Am Montag wollen sie den Pokal in den Händen halten. “Mit jugendlicher Begeisterung, Intensität und Geschlossenheit können wir den Eurocup holen”, sagt Baldi. Er ist bereit für eine letzte Achterbahnfahrt in dem Wettbewerb, bevor er sich in Europa zu etwas Größerem aufmachen will.

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