Davis-Cup-Endrunde in Madrid : Eine Chance für die Show

Das neue Format im Davis Cup spaltet das Tennis. Am Mittwoch startet die deutsche Mannschaft in die Finalwoche von Madrid.

Der Davis Cup geht in Madrid in eine neue Ära. Glücklich ist damit längst nicht jeder.
Der Davis Cup geht in Madrid in eine neue Ära. Glücklich ist damit längst nicht jeder.Foto: AFP

Wenigstens Shakira hatte Spaß. Nach dem Sieg ihrer Landsleute Juan-Sebastian Cabal und Robert Farah im Doppel des Davis-Cup-Matches gegen die Belgier Sander Gille und Joran Vliegen fiel die kolumbianische Sängerin ihrem Mann Gerard Pique um den Hals. Und weil sie die Welt an ihrer Begeisterung teilhaben lassen wollte, postete Shakira ihren Freudenausbruch auch gleich via Twitter.

Abgesehen von Shakira und Pique hatten am Montagabend allerdings nicht so viele Menschen Spaß am Davis Cup. Im Estadio 3 des Sportkomplexes La Caja Magica in Madrid blieben die Tribünen weitgehend leer, dabei passen in die kleinste der drei Tennis-Arenen ohnehin nur 2730 Zuschauer. Und selbst der Jubel der Wimbledon-Sieger Cabal/Farah über ihren Erfolg im Doppel fiel eher gedämpft aus, schließlich hatte Kolumbien zuvor schon beide Einzel verloren, so dass die Niederlage der Südamerikaner in ihrem Auftaktmatch bereits feststand.

Das Finale im Davis Cup kommt 2019 in einem völlig neuen Gewand daher. Anders als bislang, spielen nicht die beiden besten Nationen an einem Wochenende um den Sieg, sondern in Madrid sind gleich 18 Mannschaften am Start. Bis Sonntag kämpfen sie um den Titel und jede Menge Geld. Der Tennisweltverband hat die Rechte am Davis Cup bis 2044 für rund drei Milliarden US-Dollar an die Investmentfirma „Kosmos“ verkauft. Deren Gesicht ist der spanische Fußballprofi Gerard Pique. Die 32-Jährige vom FC Barcelona will aus dem angestaubten Mannschaftswettbewerb im Männertennis ein Glitzerevent machen.

Pique hat dafür schon viel Kritik einstecken müssen. Alexander Zverev hält die Reformidee für „verrückt“ und nimmt deshalb in Madrid nicht teil. Deutschlands bester Profi hofft sogar „ein bisschen, dass es schiefgeht“. Auch Roger Federer kann mit dem Davis Cup in der neuen Form nicht viel anfangen, er hatte sich mit der Schweiz allerdings gar nicht erst für das Endturnier qualifiziert. Zverev und Federer sind stattdessen für ein paar Showmatches in Südamerika unterwegs. Boris Becker ist da deutlich diplomatischer. Der Chef des deutschen Männertennis weilt selbst in Madrid und erklärte: „Ich gebe jeder Idee eine Chance. Ich kann das erst danach hochjubeln oder kritisieren.“

Immerhin ist ja auch eine deutsche Mannschaft am Start, am Mittwoch spielt das Team um ihren Chef Michael Kohlmann gegen Argentinien (11 Uhr, live auf Dazn), einen Tag später dann gegen Chile. Ziel sei das Viertelfinale, sagte Kohlmann. Dafür müssen Jan-Lennard Struff, Philipp Kohlschreiber, Dominik Köpfer und die Doppelspieler Kevin Krawietz und Andreas Mies ihre Dreiergruppe gewinnen oder wenigstens zu den zwei besten Zweiten gehören. „Wenn wir hier sind, wollen wir natürlich auch so erfolgreich wie möglich sein“, sagte Kohlmann. „Es geht immerhin noch um den Davis Cup.“

Alexander Zverev nennt die Idee "verrückt" und ist in Madrid nicht dabei

Das denken offenbar auch andere, die in Madrid dabei sind. Tatsächlich hat abgesehen von Zverev nur ein mit seinem Team qualifizierter Topstar für die Woche abgesagt. Der Russe Daniil Medwedew nannte als Grund allerdings „Erschöpfung“ und entschied sich auch erst sehr kurzfristig, nicht zu spielen. Rafael Nadal, Novak Djokovic und auch Andy Murray treten hingegen an. Der Brite Murray hat sogar eine komplett andere Meinung als beispielsweise Alexander Zverev: „Ich hoffe, dass ein großer Erfolg wird“, sagte er vor dem Turnier.

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Meinungen wie diese gefallen sicherlich auch Gerard Pique. Zumal es an Problemen rund um den Davis Cup zuletzt nicht gemangelt hat. Das fehlende Zuschauerinteresse, dazu die Kritik im Vorfeld am komplett anderen Spielformat mit nur noch zwei Einzeln und einem Doppel über zwei Gewinnsätze dürften Piques Selbstverständnis zumindest ein bisschen angeknackst haben. Zumal auch die Sponsoren für den Wettbewerb offenbar nicht gerade Schlange stehen. So wurde am Montag und Dienstag auf der Bande hinter den Grundlinien für einen Film geworben. Titel: „Shakira In Concert: El Dorado World Tour.“ Immerhin die Hauptdarstellerin dürfte das mindestens genauso gut finden wie einen Sieg des kolumbianischen Tennisteams.

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