Davis Cup im Tennis : Ein Mythos vergangener Tage

Die deutschen Männer spielen im Davis Cup gegen Weißrussland. Der Wettbewerb wirkt inzwischen fast beliebig, einzig das Preisgeld ist noch spitze.

Der Ball bleibt rund, der Davis Cup ist es nicht mehr.
Der Ball bleibt rund, der Davis Cup ist es nicht mehr.Foto: dpa

Düsseldorf und Tennis – da war doch mal was. Richtig, im Rochus-Club fand bis 2012 jährlich der World Team Cup statt. Ein Mannschaftswettbewerb der Männer, draußen auf Sand und immer in der Woche vor den French Open. Der Veranstaltung hatte sportlich keinen wirklich hohen Stellenwert, aber die Spieler kamen trotzdem gern und letztlich macht Gewinnen noch mehr Spaß, wenn das Verlieren nicht weiter schlimm ist.

Am Freitag und Samstag kehrt Tennis nach Düsseldorf zurück, der Davis Cup macht Station im Castello, einer kleinen Mehrzweckhalle im Stadtteil Reisholz für etwas mehr als 3200 Zuschauer. Die deutschen Männer spielen gegen Weißrussland um die Qualifikation für die Endrunde im November in Madrid (live bei Sportdeutschland.tv). Trotz der Abwesenheit von Alexander Zverev, der andere Prioritäten setzt, ist ein deutscher Sieg Pflicht. „Wir sind in der Rangliste besser platziert, haben ein Heimspiel – insofern sehe ich uns schon in der Favoritenrolle“, sagte Teamkapitän Michael Kohlmann.

Alexander Zverev spielt nicht in Düsseldorf

Sollte seine Mannschaft das Ticket für das Finale mit insgesamt 18 Teams buchen, hätte es allerdings nur Titelchancen, wenn Zverev seinen Boykott für den Davis Cup überdenkt. Bekannt ist, dass der Halbfinalist der Australian Open kein großer Freund des Novembertermins ist, im vergangenen Jahr tourte er stattdessen lieber mit Roger Federer durch Süd- und Mittelamerika. Zverev ist nicht der einzige, der mit dem neuen Format im Traditionswettbewerb fremdelt. Und angesichts der überschaubaren Resonanz in Madrid im Vorjahr, wo abgesehen von den Spielen des Siegers Spanien wenig Begeisterung herrschte, ist das durchaus nachvollziehbar.

Ohnehin lebt der Davis Cup beinahe nur noch vom Mythos vergangener Tage. Er kommt trotz des neuen Formats behäbig und altbacken daher. Anders als der ATP-Cup im Januar in Australien, wo zumindest die Zuschauer für einen stimmungsvollen Rahmen sorgten. Dieser neue Wettbewerb ist indirekt die Fortsetzung des World Team Cups aus alten Düsseldorfer Tagen und eine Konkurrenzveranstaltung der Tennistour ATP zum Davis Cup, der vom Weltverband ITF veranstaltet wird.

Mit Düsseldorf verbinden deutsche Fans nicht nur wegen der Turniertage im Rochus-Club nostalgische Erinnerungen, hier gelang 1993 auch der letzte Sieg einer Männer-Mannschaft im Davis Cup. Damals wurde in der Messehalle 14 gespielt, mit großem Aufwand ein Sandplatz verlegt und mit Anführer Michael Stich Australien letztlich 4:1 geschlagen.

Die Mannschaftswettbewerbe im Tennis sind mittlerweile fast beliebig

Das war einmal. Heute wirken Davis Cup und ATP-Cup eher beliebig, auch wenn Spitzenspieler wie Novak Djokovic und Rafael Nadal beiden Wettbewerben zuletzt einen Hauch von Spektakel verliehen haben. Immerhin gibt es den Laver Cup, der ein anderes Konzept fährt, das bisher auch aufgrund des Show-Charakters gut funktioniert. Insgesamt aber ist es dem Tennissport nicht gelungen, Turniere für Nationalmannschaften zu einem weltweiten Großereignis zu machen. Zu viele Interessen und zu viel Geld sind im Spiel.

Dabei wäre es so einfach und könnte auch so attraktiv sein. Barbara Rittner hatte dazu vor einigen Wochen einen interessanten Vorschlag gemacht: „Warum spielt man nicht einfach eine gemeinsame Mannschafts-WM? Vielleicht als fünften Grand Slam über 14 Tage?“

Die Idee ist genauso reizvoll wie utopisch. Erst wenn die aktuellen Formate immer austauschbarer und damit langweiliger werden, wäre das irgendwann womöglich mal eine Option. So lange dümpelt der Davis Cup weiter vor sich. Die Aussicht auf hohe Preisgelder ist das, was den Wettbewerb im Moment am Leben hält. Als Fundament für die Zukunft wird das allerdings kaum reichen.

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