Der 20. Bundesliga-Samstag : Von Feinschmeckern und Knotenlösern

Die TSG Hoffenheim siegt ästhetisch, der FC Bayern souverän und der FC Augsburg in den letzten Minuten. Düsseldorf und Frankfurt trennen sich remis.

Typisch Müller. Die Bayern gaben sich in Mainz keine Blöße.
Typisch Müller. Die Bayern gaben sich in Mainz keine Blöße.Foto: Torsten Silz/dpa

Fortuna Düsseldorf und Eintracht Frankfurt trennen sich 1:1 am 20. Bundesliga-Spieltag. Im Duell der feinen Füße setzen sich die Hoffenheimer knapp durch; die Bayern spielen den Mainzern in den ersten 30 Minuten Knoten in die Beine, ehe sie es locker angehen lassen. Der FC Augsburg lässt die kriselnden Bremer noch mehr kriseln.


TSG Hoffenheim – Bayer Leverkusen 2:1
Für wahre Fußball-Traditionalisten klingt Hoffenheim gegen Leverkusen nicht nach einem Spiel, das man sich unbedingt anschauen müsste. Die Truppe eines Software-Unternehmers gegen die sogenannte Werkself. Für Fußball-Feinschmecker wiederum sieht das ganz anders aus. Denn beide Klubs haben sich dem Angriffsfußball verschrieben. Und genau das bekamen die Zuschauer in Sinsheim zu sehen. Von den vielen feinen Fußballern auf dem Platz war dabei der Leverkusener Moussa Diaby der feinste. Vor seinem Führungstreffer in der elften Minute stupste er den Ball minimal an, sodass dieser durch die Beine des vor ihm stehenden Gegenspielers Stefan Posch rollte.

Diaby nahm den Ball anschließend auf und schlenzte ihn sicher in die Ecke. Nur ein paar Minuten später war es wieder der Franzose, der seinen Gegenspieler austanzte und dann nur knapp die 2:0-Führung für Leverkusen verpasste. Weniger feingliedrig, aber dafür umso wuchtiger traten die Gastgeber auf. Nach einer scharf hereingetretenen Flanke von Pavel Kaderabek grätschte Andrej Kramaric den Ball zum 1:1 ins Tor. Zu diesem Zeitpunkt waren erst 23 Minuten gespielt. Und der Spaß ging danach weiter.

Die Gäste, vor allem Diaby und Karim Bellarabi, initiierten immer wieder gefährliche Angriffe. Aber entweder verhinderte der Pfosten oder Torhüter Philipp Pentke Schlimmeres aus Sicht der Hoffenheimer. Aber wie das so ist im Fußball: Vertane Chancen werden gerne mal bestraft. So auch in diesem Spiel: In der 65. Minute kombinierte Hoffenheim schnell und gekonnt. Über Andrej Kramaric und Christoph Baumgartner gelangte der Ball zu Robert Skov, der zum 2:1 einschoss. Dabei sollte es bei diesem Feinschmecker-Spiel bleiben.

1. FSV Mainz 05 – FC Bayern 1:3
Feine Füße haben auch die Spieler des FC Bayern München. Das kommt vor allem seit Beginn der Rückrunde stark zum Vorschein. Erst besiegten die Münchner Hertha BSC mit 4:0, dann Schalke 04 mit 5:0 und am Samstag schließlich Mainz 05 mit 3:1. Bayern-Trainer Hansi Flick scheint die Knoten, die sich in den Beinen und vermutlich auch in ein paar Gehirnwindungen seiner Spieler befunden hatten, entwirrt zu haben.

Es waren 26 Minuten gespielt am Samstag, da stand es schon 3:0. Robert Lewandowski schulbuchmäßig mit dem Kopf (8. Minute), Thomas Müller (14.) müllermäßig per Abstauber mit dem Fuß und der elegante Spanier Thiago (26.) hübsch nach einem Solo erzielten die Treffer. Als die Mainzer begannen, einem leidzutun, traf Jeremiah St. Juste kurz vor dem Halbzeitpfiff zum 1:3. Ein bisschen Hoffnung gab dieses Tor den Rheinhessen. Aber die Münchner brachten die Führung einigermaßen routiniert über die Runden.

FC Augsburg – Werder Bremen 2:1
Vor gar nicht so ferner Zeit galt auch der Werder-Fußball als etwas für Feinschmecker. Das ist in dieser Spielzeit nun überhaupt nicht der Fall. Die Norddeutschen stehen im Tabellenkeller. Feine Füße vermisst man in dieser Mannschaft, seit Mittelfeldspieler Max Kruse nicht mehr da ist. Daher war es vielleicht kein Zufall, dass die überraschende 1:0-Führung für die Bremer aus einem sehr kuriosen Eigentor resultierte.

Der Augsburger Jeffrey Gouweleeuw wollte klären und drosch den Ball dabei ans Knie seines Mannschaftskollegen Tin Jedvaj. Von dort sprang der Ball ins Tor. Danach passierte nicht mehr viel in dem Spiel, ehe Florian Niederlechner nach einer starken Einzelleistung den Ausgleich erzielte. Die Schwaben kamen danach erst richtig in Schwung, es roch schwer nach der Führung – und sie sollte auch bald fallen. Der Schweizer Ruben Vargas war in der 82. Minute nicht aufzuhalten und traf cool zum 2:1 für die Gastgeber. (Tsp)

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