Sport : Der alte Mann und die Frauen

Helen Ruwald

Es ranken sich Anekdoten um Bernd Schröder. Etwa die, dass er 1971 beim ersten Training von Turbine Potsdam in Röckchen gekleidete Fußballerinnen ertragen musste. 36 Jahre später trägt Frau Hosen und hat unter Schröders Leitung zwischen 2004 und 2006 zwei Meistertitel, drei DFB-Pokal-Siege und einen Uefa-Cup-Triumph gefeiert. Kein ostdeutsches Team ist erfolgreicher, wie der Klub nicht müde wird zu betonen. Bernd Schröder ist Turbine Potsdam, das macht ihn unangreifbar.

Doch nun verlassen mit Conny Pohlers und Ariane Hingst zwei Identifikationsfiguren den Klub, drei Nationalspielerinnen haben zuvor schon die Flucht ergriffen. Nicht nur, aber auch wegen Schröder, dessen Führungsstil den jungen, erfolgreichen Frauen antiquiert erscheint. Schröders Verdienste sind unbestritten, Abnutzungserscheinungen nach dreieinhalb Jahrzehnten normal, Spielerwechsel auch. Doch dass ein Trainer für alte Meriten quasi mit einem Vertrag auf Lebenszeit ausgestattet ist, obwohl ihm Spielerinnen in Scharen weglaufen, beschädigt das Image, das sich Turbine mit begeisterndem Fußball aufgebaut hat.

Bernd Schröder zerstört sein Lebenswerk. Das kann der Mann, der aus der Zeit gefallen scheint, nur durch eine Entscheidung verhindern: seinen Rücktritt.

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