Sport : Der Druck im Wasser steigt

Frank Bachner

Bevor dem gestrigen kollektiven Aussetzer der deutschen Schwimmer die kollektive Hysterie der deutschen Fans folgt, sei eine Bitte erlaubt: Jetzt bloß die Ruhe bewahren! Die Poolwettbewerbe bei der Weltmeisterschaft in Melbourne dauern bis Sonntag an, Britta Steffen und Annika Lurz haben noch Auftritte auf ihren Spezialstrecken vor sich, die 4-x-200-Meter-Freistilstaffel der Frauen hat weiterhin alle Titelchancen. In der Theorie ist noch vieles möglich. In der Praxis aber laufen die deutschen Schwimmer mit hängenden Schultern durch die Halle. Das ist schon eher ein Grund zur Beunruhigung.

Wer die Körpersprache der Verlierer gesehen hat, wundert sich nicht mehr über manch enttäuschendes Ergebnis. WM-Neulinge kann man durch 10 000 schreiende Fans auf der Tribüne und Weltklassegegner auf der Nebenbahn schon mal einschüchtern. Aber auch eine Weltmeisterin wie Antje Buschschulte läuft in Melbourne herum, als würde sie nach dem schlechten deutschen Auftakt nur noch weinen wollen. Gut möglich also, dass die Pleitenserie weitergeht. Denn die Startrennen einer WM sind psychologisch wichtig; mit Staffelmedaillen haben sich deutsche Schwimmer oft genug Selbstvertrauen für die späteren Einzelrennen geholt.

Örjan Madsen, der neue Cheftrainer, setzt seine Athleten immer stärker unter Leistungsdruck. Diesen Druck kennen viele Athleten so nicht, aber sie müssen ihn aushalten. Bei den Olympischen Spielen wird er noch viel größer sein.

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