Der Fall Bakery Jatta : Eine Geschichte, die Vorurteile bedient

Die Story, der Fußballprofi Bakery Jatta sei in Wahrheit ein anderer, bedient ein gefährliches Bild. Daher ist mehr Sensibilität angebracht. Ein Kommentar.

Leistungsträger beim HSV. Bakery Jatta traf auch am Sonntag im Spiel gegen Hannover 96 (3:0).
Leistungsträger beim HSV. Bakery Jatta traf auch am Sonntag im Spiel gegen Hannover 96 (3:0).Foto: Michael Schwarz/Imago

Die staatlichen Behörden haben die Ermittlungen gegen Bakery Jatta eingestellt. „Die aufgekommenen Zweifel an der Richtigkeit der Angaben hätten sich im Rahmen der Anhörung nicht bestätigt“, heißt es im Behördendeutsch. Und auf Deutsch bedeutet das: Jatta ist Jatta, der Fußballprofi hat nicht unter falscher Identität beim Zweitligatabellenführer gespielt und getroffen, wie schon wieder am Sonntag beim 3:0 seines Hamburger SV gegen Hannover.

Bakery Jatta, 21 Jahre, ist Bakery Jatta aus Gambia und nicht Bakary Daffeh, 23 Jahre. Genau das wurde in einer großen deutschen Zeitung behauptet. Es war wohl falsch - in mehrfacher Hinsicht.

Es bedient vielmehr das Bild vom Geflüchteten, der sich ins Land schummelt, um dann hier anderen Menschen etwas wegzunehmen. Und das sogar im Profifußball. Es werden mit so einer Geschichte genau die Menschen bedient, die mit solchen Vorurteilen hausieren. Und davon gibt es in Deutschland, die jüngsten Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg belegen dies, sehr viele.

Beim Hamburger SV hatte Kapitän Aaron Hunt von „einer Kampagne, die eines Menschen nicht würdig“ sei, gesprochen. Trotzdem hatten Teile der Ligakonkurrenz pro Forma Protest gegen die Wertung der Spiele gegen die Hamburger eingelegt. Man weiß ja anscheinend nie. Hätte ja stimmen können.

Sich mit so einer Geschichte so zu verpokern, das ist eben nicht so, als wenn man mal ein Bundesliga-Transfergerücht in die Welt rausbläst, welches sich am Ende als Quatsch entpuppt. Es ist natürlich nicht ausgeschlossen, dass so eine Geschichte wie die angebliche von Jatta auch mal hinkommt. Logisch, es passieren viele - auch unschöne - Dinge in unserer Riesenrepublik. Aber selbst dann ist mehr Sensibilität im Umgang mit diesem Thema angebracht. Sensibilität vor Sensation: Insofern ist der Fall Jatta ein lehrreicher Fall.

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