Der FC Augsburg in der Bundesliga-Vorschau : Hinten nicht ganz dicht

Nach einer turbulenten Saison soll beim FC Augsburg endlich wieder Stabilität einziehen. Doch die fehlt vor allem zwischen den Pfosten.

Kristina Smirnov
Nummer eins gesucht. Torwart Andreas Luthe patzte in der vergangenen Saison manches Mal.
Nummer eins gesucht. Torwart Andreas Luthe patzte in der vergangenen Saison manches Mal.Foto: picture alliance/dpa

Am 16. August startet die Fußball-Bundesliga in die neue Saison. In unserer Serie testen wir die Vereine. Heute Teil 4: FC Augsburg.
Bisher erschienen: 1. FC Union Berlin, SC Paderborn und 1. FC Köln.

Was hat sich verbessert?
Seit April dieses Jahres ist wieder mal einiges anders in Augsburg. Da löste der Schweizer Martin Schmidt im Abstiegskampf Trainer Manuel Baum ab – und steht beim FC Augsburg nun sinnbildlich für den Neuanfang. Unter Schmidt soll es in allen Bereichen vorangehen, auf dem Rasen und abseits davon. Der Mannschaft will er ein schnelles Umschaltspiel verpassen. Dennoch starten die Augsburger als Underdog in die neue Saison. Immerhin das ist geblieben.

Wer sind die Neuen?
Auf dem Transfermarkt hat der FCA mächtig zugeschlagen, der Kader ist durch die Neuzugänge breit aufgestellt. Auffällig ist, dass Augsburg vor allem auf junge Spieler setzt. So soll der 20-jährige Ruben Vargas vom FC Luzern Tempo bringen, in der Außenverteidigung stehen der 22-jährige Brasilianer Iago und der ebenso alte Däne Mads Pedersen bereit. Im Sturm kommt mit Florian Niederlechner vom SC Freiburg ein mehr oder weniger bekanntes Gesicht aus der Bundesliga zum FCA, die Namen der neuen Mittelfeldmänner Carlos Gruezo (Stuttgart) und Noah Joel Sarenren Bazee (Hannover) sind dagegen eher etwas für Kenner. Den Verlust von Innenverteidiger Martin Hinteregger, der endgültig nach Frankfurt wechselte, soll der tschechische Nationalspieler Marek Suchy auffangen. Mit Philipp Max und Michael Gregoritsch könnten sich noch zwei Leistungsträger verabschieden, dann wird auf jeden Fall noch mehr Ersatz gebraucht.

Wer hat das Sagen?
Vor allem einer: Daniel Baier. Der 35-jährige Kapitän ist mit 251 Spielen nicht nur die Augsburger Vereinslegende, sondern auch einer, der den richtigen Umgang mit Erfolg und Misserfolg pflegt. Das ist eine Qualität, von der die Augsburger auch in ihrem neunten Bundesligajahr profitieren dürften.

Was erwarten die Fans?
Eine ruhige Saison würde der rot-weiß-grünen Fanseele einmal ganz guttun. Die vergangene war mehr als turbulent und fand am letzten Spieltag ein unrühmliches Ende: Der Abstiegskampf war längst vorbei, gegen den VfL Wolfsburg gab es eigentlich nicht mehr viel zu verlieren und dennoch schlitterten die Augsburger in ein regelrechtes Debakel – sie verloren 1:8. Es war die höchste Niederlage der Vereinsgeschichte, die Anhänger waren frustriert. Nun herrscht wieder Zuversicht. Den jungen Neuzugängen traut man viel zu, ein Platz im Mittelfeld ist der fromme Wunsch. Gegen die größeren Vereine aus der oberen Tabellenhälfte halten die Augsburger meist gut mit, ihre Probleme mit den kleineren Klubs müssen sie aber in den Griff bekommen. Die oberste Priorität hat der Klassenerhalt.

Was ist in dieser Saison möglich?
Eine einfache Saison wird es für Augsburg definitiv nicht werden. Damit der FCA wie in den Spielzeiten 2013/14 und 2014/15 unter den besten acht Vereinen landet, müsste schon viel zusammenlaufen. Ein Blick in die fußballerische Realität spricht eher für einen zweistelligen Tabellenplatz. Wichtig ist, dass nicht nur die Schlüsselspieler wie Baier oder Stürmer Alfred Finnbogason möglichst verletzungsfrei durch die Saison kommen und konstant in Form bleiben, sondern das gesamte Team. In Sachen Konstanz sah es in den Vorbereitungsspielen jedoch noch nicht so rosig aus: Gegen Galatasaray Istanbul überzeugte der FCA mit einem 4:1-Sieg, ehe es im Test gegen den FC Villarreal eine deutliche 2:6-Niederlage setzte.

Und sonst?
Da wäre noch das Torwartproblem. Zwar stehen mit Andreas Luthe, Fabian Giefer und Benjamin Leneis aktuell drei Keeper im Kader. Doch seit dem Weggang von Stammtorhüter Marwin Hitz vor der vergangenen Saison fehlt den Augsburgern eine klare Nummer eins im Tor. Zu oft haben Luthe und Giefer danach gepatzt. Das kostete den Klub wichtige Punkte. Die Suche nach einem neuen Souverän im Kasten fühlt sich inzwischen endlos an – bisher blieb sie erfolglos. Damit die Augsburger in dieser Saison nicht erneut um den Klassenerhalt zittern müssen, wird sich der Klub auf dem Transfermarkt noch einmal genauer umsehen müssen. Ist die Sache einmal geklärt, dann könnte auch wieder die ersehnte Ruhe am Lech einkehren.

Nächste Folge: FC Schalke 04

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