Sport : Der Feind meiner Karriere

Warum sich die Eishockeytrainer Pagé und Chernomaz nicht gerne treffen

Claus Vetter

Berlin - Pierre Pagé erzählt gerne von der großen Welt des Eishockeys. Besonders von der National Hockey-League (NHL), wo sich die Welt des Eishockeys trifft. Wenn der 58 Jahre alte Kanadier von seinem zwei Jahrzehnte langen Engagement in der nordamerikanischen Liga spricht, dann fallen Namen wie der von Trainergröße Scotty Bowman oder von Torhüterlegende Patrick Roy. Rich Chernomaz, den er als Spieler bei den Calgary Flames trainierte, spielt in der persönlichen NHL-Geschichte des Trainers Pagé dagegen eine Nebenrolle. In seiner fünfjährigen Zeit in der Deutschen Eishockey- Liga (DEL) aber spielt Chernomaz eine Hauptrolle, eine unerfreuliche: Denn das erste große Trainer-Duell zwischen den beiden Kanadiern entschied der Jüngere für sich: 2004 siegte Chernomaz mit den Frankfurt Lions in der Finalserie der DEL gegen die Eisbären. Es war eine bittere Niederlage für Pagé und die Berliner, die aber nach zwei folgenden Titelgewinnen in Vergessenheit geriet.

Ab heute stehen die Kanadier in einer kleineren Serie hinter den Trainerbänken: Die Lions empfangen die Eisbären im ersten Spiel der nach dem Modus „Best of three“ ausgespielten Play-off-Qualifikation. Für Chernomaz ist es die zweite Chance, seinen ehemaligen Chef zu ärgern. Pagé spielte in seiner NHL-Zeit eine für Chernomaz unglückliche Rolle: In der Saison 1987/88 kam der Stürmer in Calgary nur in zwei NHL-Spielen zum Zuge – weil ihn der damalige Assistenztrainer Pagé nicht für stark genug hielt. Rich sei fleißig gewesen, habe aber nicht genug Talent gehabt und deshalb im Farmteam spielen müssen, sagt Pagé. „Aber Rich war ein Junge mit Charakter. Er war ein harter Arbeiter.“ Immerhin, später nominierte Pagé ihn als Coach vom Team Canada, das dann bei der WM in Schweden 1995 Bronze gewann.

Als Profi war Chernomaz ein harter Zeitgenosse, die Narben in seinem Gesicht zeugen davon. Auch als Coach lässt er sein inzwischen sehr reifes Frankfurter Team eher hart als zurückhaltend agieren. Daher erwartet Pagé ab heute heftige körperliche Attacken der Hessen, die mit Abstand das unfairste Team der DEL-Hauptrunde waren. „Die haben 110 Zwei-Minuten-Strafen mehr als wir kassiert“, sagt Pagé. „Das muss man sich mal vorstellen.“ Er glaubt, dass Chernomaz versuchen wird, die Berliner zu provozieren, damit die sich Spieldauerstrafen einhandeln. „So haben das die Frankfurter damals im Finale mit Micki Dupont gemacht“, sagt Pagé. „Für Freitag erwarte ich, dass sie Andy Roach und Deron Quint angreifen.“ Die beiden US-Amerikaner sind die besten Verteidiger der Berliner.

Dass Pagé zurzeit viel über unfaire Frankfurter räsoniert, hat der 43 Jahre alte Chernomaz längst mitbekommen. Gestern erklärte der Trainer, er habe einen Spruch von Pagé in der Mannschaftskabine aufgehängt. „Frankfurt ist ein aggressives Team, das viele Strafzeiten nimmt“, laute der. Was er damit erreichen wolle? „Darüber können sich andere Gedanken machen“, sagt Chernomaz. Pierre Pagé hat sich schon so seine Gedanken gemacht. „Ich freue mich, wenn die Frankfurter fairer spielen als sonst“, sagt er. „Denn wenn die Lions nicht hart spielen, dann spielen sie schlechter.“

Das Zitat zeugt von einem doch eher gestörten Verhältnis zwischen dem Berliner Trainer und seinem ehemaligen Spieler – ein verbaler, psychologischer Kleinkrieg sozusagen aus der kleinen Welt des Eishockeys. Denn die spielt heute in Frankfurt, wo der Tabellenachte und der Neunte der Hauptrunde um die Chance ringen, aus einer verkorksten Saison mit dem Erreichen des Viertelfinales noch eine gelungene Saison zu machen.

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