Sport : Der Hüne an der Kaffeemühle

Ex-Kugelstoßer Sven-Oliver Buder ist der Motor der deutschen Segelyacht beim America’s Cup

Hartmut Moheit[Valencia]

Viele haben sich gewundert, am meisten Oliver-Sven Buder selbst: „Dass ich nach sechs Monaten zur ersten Crew gehöre, ist eine schöne Sache.“ Während der 40 Jahre alte Sachse das sagt, wandert sein Blick von der Dachterrasse des deutschen Hauses in Valencia in Richtung Port America’s Cup. Als könne er es noch nicht so richtig glauben, dass er am 3. April zu den 17 Seglern gehören wird, die mit dem United Internet Team Germany beim 32. America’s Cup vor Valencia am Start sein werden. „Das hier ist zweifellos das schönere Stadion“, sagt Buder und spielt auf seine erste Karriere als Kugelstoßer der Weltklasse an.

Hunderttausende Tonnen hatte Buder in den Jahren zuvor gestemmt, um eine 7,25 Kilogramm schwere Eisenkugel auf Weltklasseweiten stoßen zu können. Am Ende standen 21,47 Meter als Bestleistung für den 1,99 Meter großen Hünen, zwei WM-Silbermedaillen und ein fünfter Rang als größter Erfolg bei zwei Olympia-Teilnahmen. „Eine Kugel liegt jetzt bei meinen Eltern, eine besonders wertvolle bei mir im Büro in Cuxhaven“, erzählt er. Wann er dorthin in seinen Job als selbstständiger Eventmanager zurückkehren wird, weiß er noch nicht. „Segeln ist doch eine ganz tolle Geschichte. Noch vor einem halben Jahr wusste ich darüber nichts.“

Zufällig ist er zum Segeln gekommen. Als er mit seinem Freund Jan Schoepe, der bereits zum Segelteam gehörte, in Valencia dem Skipper Jesper Bank vorgestellt wurde, lud dieser ihn prompt zum Probetraining nach Kiel ein. Dort erwies er sich als der perfekte Grinder, wie die Hochseesegler sagen. Er ist jetzt einer von denen, die während einer Wettfahrt permanent eine Kurbel vor- oder zurückdrehen. Dort sind nur die Stärksten gefragt. Jeweils zwei Muskelmänner bedienen auf der Yacht die fünf Coffee-Grinder, die so genannten Kaffeemühlen, um damit die Segel der High-Tech-Yacht zu setzen, zu trimmen und wieder einzuholen. „Wir Grinder sind der Motor“, erzählt Sven-Oliver Buder, „je schneller wir die Segel fertig haben, desto eher kann Jesper am Steuer Gas geben.“

Sven-Oliver Buder fühlt sich nach den sechs Monaten beim Team auch körperlich sehr wohl. Von den ursprünglich 144 Kilogramm hat er schon 20 abgenommen, und sein vom Kugelstoßen lädierter Rücken tut trotz des erneuten Krafttrainings nicht mehr so weh. „Ich nehme jetzt ein paar Tabletten weniger“, sagt er mit einem Lächeln, fügt dann ernsthaft hinzu: „Die Hauptlast kommt jetzt aus dem Oberkörper.“ Aber auch sonst ist im Vergleich zum Kugelstoßen das meiste anders: „Früher war ich Einzelkämpfer – beim Segeln arbeitet man gleich mit 16 Leuten im Team. Da musste ich ab und zu schon mal schlucken, wenn der Kapitän Kommandos gibt. Aber es verlangt ja niemand, dass man von der Brücke springt – nur, dass das Boot schneller vorankommt.“

Dass Buder an der Kaffeemühle so kraftvoll kurbeln kann, finden allerdings nicht alle Kollegen uneingeschränkt gut. Seitdem er da ist, fühlen sich einige gestandene Segler gegenüber dem Neueinsteiger etwas in den Hintergrund gedrückt. Buder hat sehr viele Interviewanfragen, einige gar keine. „Ich sage dann immer, No-Names sind nun mal uninteressant“, erzählt er. Eine Sonderstellung hat er im Team hingegen nicht. Neben dem Kurbeln auf See hat Buder noch eine zweite Aufgabe: „Wenn das Boot aus dem Wasser kommt, gehöre ich zum Waschteam.“

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