Sport : Der Trend geht zum Dritttrainer

Auch Arminia Bielefeld wechselt zum zweiten Mal den Coach: Ernst Middendorp löst Frank Geideck ab

Richard Leipold[Bielefeld]

Das Heuern und Feuern in der Fußball- Bundesliga geht weiter. Am Mittwoch war wieder Arminia Bielefeld an der Reihe. Der Vorletzte der Tabelle stellte Ernst Middendorp als neuen Cheftrainer vor. Er löst Frank Geideck ab und wird an diesem Samstag beim Auswärtsspiel gegen Alemannia Aachen sein Comeback feiern. Für den 48 Jahre alten Middendorp, der einen auch für die zweite Liga geltenden Vertrag bis Juni 2008 erhielt, ist es der dritte Dienstantritt bei diesem Klub. Middendorp hatte schon zwischen 1988 und 1999 mehr als sechs Jahre lang, verteilt auf zwei Perioden, als Trainer für die Arminia gearbeitet. Er zögerte nicht lange, das Angebot anzunehmen, das ihn am Montag in Südafrika erreichte. Mit wehenden Schößen erreichte er noch den letzten Platz in einem Flugzeug nach Deutschland, um rechtzeitig zu den Verhandlungen in seiner Heimat einzutreffen. Der Klassenverbleib sei „ein realistisches Ziel“, sagte Middendorp. Finanzgeschäftsführer Roland Kentsch äußerte die Hoffnung auf einen Knalleffekt: „Und genau das wird passieren.“

Middendorp fühlt sich dem Verein und der Stadt verbunden. „Wenn man zehn Jahre hier verbracht hat, fällt die Entscheidung nicht so schwer“, sagte der Trainer, der vor kurzem erst von den Kaizer Chiefs Johannesburg entlassen worden war. Zuvor hatte er in Ghana und im Iran gearbeitet. Von den Fans der Arminia wird er mit offenen Armen aufgenommen. Eine Mehrheit unter ihnen hatte Middendorp im Jubiläumsjahr 2005 zum Trainer der Bielefelder Jahrhundertelf gewählt.

Einen Tag nach den Dortmundern tauschte auch Bielefeld zum zweiten Mal in dieser Saison den Cheftrainer aus. Geideck war erst vor vier Wochen als Nachfolger Thomas von Heesens eingesetzt worden, hatte die Bielefelder Abwärtsbewegung aber nicht stoppen können. Einem Heimsieg über den 1. FC Nürnberg standen drei Niederlagen gegenüber, ausnahmslos gegen Konkurrenten im Abstiegskampf. Geideck macht eine gut dotierte Rolle rückwärts und übernimmt, mutmaßlich ohne finanzielle Einbußen, wieder die Aufgabe, die er bis zu seiner kurzfristigen Beförderung zehn Jahre treu und kompetent erfüllt hatte: Geideck wird Assistent des Cheftrainers, und zwar jenes Mannes, auf dessen Empfehlung er einst in den Trainerstab eingetreten war.

Middendorp leitete gestern zum ersten Mal wieder das Training, gemeinsam mit Geideck, mit dem er am Abend zuvor drei Stunden lang konferiert hatte. „Ich habe ein faszinierendes Gespräch mit ihm geführt“, sagte Middendorp. „Die Mannschaft hat physisch und taktisch keine Defizite.“ Sportdirektor Reinhard Saftig erwähnte der neue Trainer nicht. Saftig hatte noch im Dezember gefragt: „Was sollen wir mit Middendorp?“ Der Geschäftsführer gilt als Schwachpunkt in der aktuellen Konstellation. Insider halten es immer noch für möglich, dass er eines Tages der so genannten großen Lösung weichen muss, wonach Middendorp zum Geschäftsführer aufsteigen und Uwe Rapolder wieder Trainer werden könnte. Saftig hatte sich heftig gegen die auch aktuell in Erwägung gezogene Rückkehr Rapolders gewehrt. Doch auch die Energie des neuen Trainers könnte der Sportdirektor noch zu spüren bekommen. Middendorp gilt in Bielefeld als „Power-Ernst“. Dessen ruppiger Umgangston ist bekannt. Einem Reporter hat er einmal mit den Worten gedroht: „Ich finde Sie überall.“

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