Sport : Der Uefa-Cup spielt Unentschieden

Die Fans akzeptieren den Wettbewerb, doch die Vermarktung ist umstritten

Frank Hellmann[Vigo]

Werder Bremen hat rasch reagiert und Mediendirektor Tino Polster mit einer Zusatzaufgabe bedacht. Wenn das Team heute sein Uefa-Cup-Achtelfinale bei Celta Vigo bestreitet, wird der frühere DSF-Kommentator jede erwähnenswerte Szene an seinem Laptop schildern. Kurzerhand haben die Hanseaten beschlossen, die Berichterstattung auf ihrer Homepage mit einem Live-Ticker anzureichern. Radio Bremen richtet zudem im Internet einen Live-Stream ein. Denn Live-Bilder von diesem Spiel gibt es nicht. Celta Vigo hat rund eine Million Euro für die Übertragungsrechte gefordert. Zu viel für die deutschen Sender. Immerhin zeigt die ARD in den Tagesthemen die wichtigsten Ausschnitte in exakt 59 Sekunden – 1800 Euro ist diese Schmalspurberichterstattung billig.

Der gemeine Fan kann sich damit trösten, dass die Partie RC Lens gegen Bayer Leverkusen (19 Uhr) bei Eurosport zu sehen ist. Überdies werden am Mittwoch nächster Woche beide Rückspiele im ZDF in voller Länge übertragen. Bremen kassiert dafür dem Vernehmen nach 850 000 Euro, Leverkusen rund 600 000 Euro vom ZDF. Mit Spielen wie Ajax Amsterdam – Werder Bremen (6,1 Millionen Zuschauer) und Bayer Leverkusen – Blackburn Rovers (4,4 Millionen) erreichte das ZDF rechte gute Quoten. Der von Franz Beckenbauer einst verhöhnte Uefa-Cup in seiner derzeitigen Ausprägung wird zunehmend akzeptiert. „Modus und Wettbewerb sind beim Zuschauer angekommen“, glaubt auch Wolfgang Holzhäuser. Doch gerade deshalb sind der Leverkusener Geschäftsführer und auch das ZDF nicht gut darauf zu sprechen, dass erstmals ab dem Viertelfinale die zentrale Vermarktung seitens der Uefa greift. Können jetzt im Achtelfinale die Klubs über ihre Vermarkter - Leverkusen ist mit Sportfive verbandelt, Bremen mit der Sportrechteagentur SportA – noch das beste Angebot ausloten, bleibt diese Möglichkeit in der nächsten Runde verwehrt. Die Uefa bündelt – ähnlich wie in der Champions League – alle Einnahmen aus TV- und Werberechten und schüttet diese an die beteiligten Vereine aus. Das Problem: Die Garantiesummen sind für Bundesliga-Verhältnisse äußerst gering. 300 000 Euro im Viertel-, 600 000 Euro im Halbfinale. „Es ist ein Zeichen von Solidarität, aber große Verbände haben damit ein Problem“, sagt Holzhäuser, „aus einer Einzelvermarktung hätten wir sicherlich mehr erlösen können.“ Werders Vorstandsboss Jürgen L. Born fordert: „Darüber muss man neu nachdenken.“ Doch die Verträge gelten bis 2009. Für den deutschen Markt hat sich ProSiebenSat.1 sechs Partien ab dem Viertelfinale inklusive des Endspiels gesichert.

Während in der Champions League 530 Millionen Euro für 32 Klubs ausgeschüttet werden, sind es im Uefa-Cup 33 Millionen Euro für 40 Vereine. Geht Leverkusen den Weg über Qualifikation, Gruppenphase, Zwischenrunde bis ins Viertelfinale, blieben nach Abzug der Kosten keine zwei Millionen Euro übrig, hat Holzhäuser ausgerechnet. „Uefa-Cup ist halt die zweite Liga – wer jammert, muss wieder in die Champions League kommen.“ Er plädiert für mehr Durchlässigkeit zwischen beiden Wettbewerben. „Beispielsweise könnten die Halbfinalisten des Uefa-Cups ein Startrecht in der Champions League bekommen.“

Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben