Sport : Der verträumte Meister

Vieles spricht vor den Play-offs gegen die Eisbären – trotzdem reden die Berliner vom dritten Titel

Claus Vetter

Berlin - Ausgepfiffen – und das nach einem Sieg. Der Abschied aus der Hauptrunde der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) fiel für die Profis des EHC Eisbären am Sonntag nach dem zittrigen 3:2-Erfolg gegen Augsburg unerwartet unfreundlich aus. Die Fans wollten nicht, dass die Spieler sich mit einer Ehrenrunde bedanken und protestierten, so laut es ging: Die Ansprüche der Anhänger des Klubs sind mit den Erfolgen der Eisbären eben gestiegen. Zwei Meistertitel in Folge – das ist schon etwas. Aber wenn dann ein Meister die Hauptrunde nach 52 Spieltagen mit 28 Niederlagen als Tabellenneunter beendet – dann ist das nicht viel.

Die Berliner Fans feierten am Sonntag nur einen. Trainer Pierre Pagé, dem die Anhänger wohl völlig zurecht eben einen großen Anteil an der erfolgreichen Ära der Eisbären zugestehen. Nach der Saison verlässt der Kanadier den Klub. Zum Abschied will Pagé trotz der miserablen Hauptrunde und seiner wohl am unglücklichsten verlaufenen Saison in Berlin noch einmal Großes mit den Eisbären bewerkstelligen. „Fünf Jahre in Folge haben wir eine Chance um den Titel zu kämpfen“, sagt der Trainer, „das ist doch traumhaft.“ Pagés traumhafter Strohhalm trägt den sperrigen Namen „Pre-Play-offs“.

Im ersten Spiel der nach dem Modus „Best of three“ ausgetragenen Serie treten die Eisbären am Freitag beim Tabellenachten Frankfurt Lions an, die Hamburg Freezers spielen noch als Siebter gegen den Zehnten Krefeld Pinguine. Zwei Teams komplettieren dann das Viertelfinale, für das die ersten sechs Mannschaften schon qualifiziert sind.

In Mannheim oder auch in Düsseldorf schauen sie nun also zu, wie sich der Deutsche Meister aus Berlin abstrampelt – um dann als auf Platz acht oder Platz sieben gesetztes Team ins Viertelfinale zu kommen. Die Eisbären wollen es optimistisch sehen. Mannschaftskapitän Steve Walker, der seinen Vertag bei den Eisbären gerade für weitere zwei Jahre bis 2009 verlängert hat, spricht von „einer neuen Saison“. Trainer Pagé sagt: „An sich war ich ja ein Gegner der Neureglung mit den Pre-Play-offs, aber nun bin ich froh, dass es sie gibt.“ Pagé pocht darauf, dass „alles auf Null gestellt ist, keine Tabelle mehr zählt“. Schön und gut: Nur haben die Eisbären keine neue Mannschaft. Dass ihr Trainer davon spricht, dass „mit einer neuen Mentalität alles möglich ist“, macht die Angelegenheit nicht einfacher. All ihre spielerischen Schwächen werden die Berliner in den Play-offs wohl kaum abstellen können, auch wenn sie von ihrer Rhetorik her den Meistertitel schon längst verdient hätten.

Noch nie ist in der DEL ein Team Meister geworden, das nach der Hauptrunde schlechter als auf Rang sechs stand. Wie also wollen die Eisbären entgegen aller Wahrscheinlichkeit die Konkurrenz überraschen? Mit Fairness zum Beispiel, sagt Pagé. Schließlich war sein Team in der Hauptrunde eines mit den wenigsten Strafminuten, Frankfurt das mit den meisten – über 28 Minuten waren es pro Spiel im Schnitt. Und Torwart Youri Ziffzer verweist darauf, dass bei den Eisbären der „Großteil der Mannschaft schon mal Meister geworden ist“. „Die erfahrenen Spieler wissen, worauf es ankommt in entscheidenden Phasen.“

Allerdings haben die Eisbären in der entscheidenden Phase der Hauptrunde auch gewusst, was auf dem Spiel stand – und das Minimalziel sechster Platz verpasst. Das sei schon richtig, sagt Ziffzer, aber: „Das glaubt uns zwar keiner, es geht im Training aufwärts. Wir machen weniger Fehlpässe, die Laufwege werden besser.“ Vielleicht reicht das ja, um zumindest die Frankfurt Lions zu erschrecken. Wenn die Eisbären das Viertelfinale noch erreichen würden, dann wäre das angesichts der holprig verlaufenen Saison schon ein Erfolg – der auch ihre anspruchsvollen Anhänger versöhnen dürfte.

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