Deutschland in der EM-Auslosung : Warum die „Todesgruppe“ ein Geschenk ist

Deutschlands Fußballer haben schwere Gegner bei der Europameisterschaft erwischt. Sie sollten sich darüber freuen. Ein Kommentar.

Wird nicht einfach. Bundestrainer Joachim Löw (l.) und seine Mannschaft haben schwere Gruppengegner für die EM zugelost bekommen.
Wird nicht einfach. Bundestrainer Joachim Löw (l.) und seine Mannschaft haben schwere Gruppengegner für die EM zugelost bekommen.Foto: Daniel MIHAILESCU / AFP

Vielleicht liegt es an der ermüdenden Prozedur von Auslosungen, wenn ehemalige Fußball-Größen im Dreiteiler in der Lostrommel rühren, dass im Anschluss stets von „Hammer“ - oder gar „Todesgruppen“ die Rede ist. Doch waren derlei martialische Gruppenauslosungstermini selten so angebracht wie nach der EM-Ziehung am Samstag, bei der Deutschland den aktuellen Weltmeister Frankreich und den aktuellen Europameister Portugal erwischte. Der dritte Gegner wird erst noch ausgespielt.

Ist dieses Los nun eine „besonders gute Nachricht“, wie der französische „Le Figaro“ schrieb, oder ist sie eine „Todesgruppe“, wie die meisten anderen schrieben? Und wenn sie eine „Todesgruppe“ ist, wer wird dann beerdigt? Portugal, Frankreich – oder sogar Deutschland?

Das kann im Moment natürlich keiner sagen. Sicher ist, dass die EM 2020 für die Deutschen kein Turnier wird, in das sie sich langsam reinfinden können, wie das in der Vergangenheit oft der Fall gewesen ist. Schon die ersten beiden Spiele bei der EM klingen nicht nach Vorrunde, sondern nach Finale. Manche mögen diese Verkehrung der Dramaturgie bedauern, aber im Grunde ist sie auch für Deutschland ein großes Glück. Denn die Floskel, dass der potenzielle Titelträger auch in der Lage sein muss, jeden zu schlagen, hat ewige Gültigkeit.

Außerdem ist nicht gesagt, dass eine mutmaßlich leichte Gruppe eine lange Verweildauer im Turnier garantiert. Dafür steht die deutsche Mannschaft beispielhaft. Bei der jüngsten Fußball-WM hießen die Gegner der Deutschen schließlich Mexiko, Schweden und Südkorea. Deutschland, falls es jemand verdrängt haben sollte, belegte den letzten Platz in der vermeintlichen Kuschelgruppe.

So sollte man es in der Bewertung der Auslosung am besten mit der französischen Zeitung „L'Equipe“ halten. Darin stand: „Eine Gruppe der Liebe. Die Schwergewichte, welch Geschenk!“

Gruppe A
in Rom und Baku: Türkei, Italien, Wales, Schweiz.

Gruppe B
in Kopenhagen und St. Petersburg: Dänemark, Finnland, Belgien, Russland.

Gruppe C
in Amsterdam und Bukarest: Niederlande, Ukraine, Österreich, *Play-off-Sieger D (A)

Gruppe D
in London und Glasgow: England, Kroatien, *Play- off-Sieger C, Tschechien

Gruppe E
in Bilbao und Dublin: Spanien, Schweden, Polen, *Play-off-Sieger B

Gruppe F
in München und Budapest: *Play-off-Sieger A (D), Portugal, Frankreich, Deutschland

Modus: Gruppen-Erste und -Zweite plus vier beste Dritte im Achtelfinale.

*Play-off A: Island, Rumänien, Bulgarien, Ungarn
B: Bosnien-Herz., Nordirland, Slowakei, Irland
C: Schottland, Israel, Norwegen, Serbien
D: Georgien, Weißrussland, Nordmazedonien, Kosovo

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