DFB besucht Türkiyemspor : Fußball als Integrationsmaschine

In Berlin stellt der DFB seine neue Integrationskampagne vor. Viel Neues lässt sich darin nicht finden. Ein Ortstermin.

DFB-Präsident Fritz Keller besucht den Sportverein Türkiyemspor Berlin, um den Start einer neuen Integrationskampagne zu präsentieren.
DFB-Präsident Fritz Keller besucht den Sportverein Türkiyemspor Berlin, um den Start einer neuen Integrationskampagne zu...Foto: dpa

Der Präsident ist gekommen. Fritz Keller, auf den Tag genau seit zwei Monaten im höchsten Amt des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), besuchte am Mittwochnachmittag den Kreuzberger Verein Türkiyemspor, um über ein ernstes Thema zu sprechen: Integration, Gewalt und Rassismus im Fußball. Mitgebracht hatte er die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Annette Widmann-Mauz, und den DFB-Integrationsbeauftragten Cacau. Es galt, ein neues und überarbeitetes Konzept vorzustellen.

„Fußball“, sagte Keller also zu Beginn in dem kleinen Raum zu den Anwesenden, „ist die größte Integrationsmaschine.“ Türkiyemspor Berlin ist da das beste Beispiel, findet Keller, „Leuchtturm-Verein“ nennt er den Kreuzberger Klub. 2007 wurde der vom DFB für sein Engagement mit dem Integrationspreis ausgezeichnet, heute verfügt der Klub laut DFB über eine der größten Mädchen- und Frauenfußballabteilungen Deutschlands.

Das Ziel des überarbeiteten DFB-Konzepts, sagte Cacau, sei zu lernen von Vereinen wie Türkiyemspor. „Fußball für alle – gemeinsam für Teilhabe, Zugehörigkeit und Vielfalt in der Migrationsgesellschaft“ heißt es etwas sperrig, „vielfältig, respektvoll, fair und offen“ sollen die Menschen miteinander umgehen. Fünf Handlungsfelder wurden definiert, der DFB will fördern, weiterentwickeln, informieren, kooperieren und schützen. Wirklich Neues sucht man auf den sieben Seiten vergeblich. Die Medien sollten ruhig auch mal über positive Beispiele berichten und sich nicht nur die negativen heraussuchen, sagte Cacau dann noch.

Der Fußball müsse, er könne, er wolle

Vom DFB hörte man in den vergangenen Jahren häufig nur Phrasen, der Fußball müsse, er könne, er wolle. Umgesetzt wurden ein paar medienwirksame PR-Kampagnen. Herausgekommen ist dabei häufig zu wenig. Gerade in den vergangenen Wochen und Monaten wurde vermehrt von Gewalt und Rassismus auf deutschen Fußballplätzen berichtet, Schiedsrichter weigerten sich aus Angst, Spiele zu pfeifen, in Chemnitz steht ein ganzer Verein wegen politisch rechter Fans vor dem Zusammenbruch.

Besonders die Arbeit der Trainer und Funktionäre an der Basis sei da wichtig, findet DFB-Präsident Keller. „Fußball ist das letzte Lagerfeuer der Gesellschaft.“ Und deren Spiegelbild. Rassistische und antisemitische Vorfälle dürften in keiner Weise toleriert werden. Auf den Vorwurf, der DFB hätte nach dem Foto Mesut Özils mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan den ehemaligen deutschen Nationalspieler als Sündenbock hingestellt, sagte Keller, dass „ein Haufen Fehler gemacht“ wurden. Die Lehre sei, dass nun vermehrt darüber nachgedacht werde, „was wir diesen jungen Menschen an Verantwortung auf die Schultern legen“. Das sei häufig zu viel.

Nach dem Ende der Veranstaltung liefen die drei dann über den Trainingsplatz von Türkiyemspor. „Zu hart“ sei der, sagte Keller und trat fest mit seiner Sohle auf, der sei nicht mehr heutigen Standards entsprechend, da müsse man was machen. Über seiner Schulter baumelte ein prall gefüllter Sack mit brandneuen Bällen. Cacau machte noch einen Witz über seine Vergangenheit beim Münchner Klub Türkgücü, der kurz vor dem Aufstieg in den Profifußball steht. Minutenlang wurden Fotos geknipst, dann beantworteten sie im strömenden Berliner Regen noch Fragen der Journalisten. Alle drei schauten etwas bedröppelt drein. So einfach ist das mit der Integration eben nicht. 

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