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DFB-Pokal : Plattenhardt und Ibisevic schießen Hertha in die zweite Runde

Lange sieht es nach einem schmucklosen 1:0-Sieg für Hertha BSC in Braunschweig aus. Doch dann entwickelt sich doch noch ein richtiges Pokalduell.

Hertha jubelt. Und Marvin Plattenhardt (4. v. r.) ist nach seinem Traumtor mittendrin.
Hertha jubelt. Und Marvin Plattenhardt (4. v. r.) ist nach seinem Traumtor mittendrin.Foto: Reuters

Pal Dardais Reaktion zeugte von einer gewissen Routine. Als am Montagabend um 20.21 Uhr der Abpfiff im Eintracht-Stadion zu Braunschweig ertönte, ließ sich der Trainer von Hertha BSC nur zu einer minimalen Geste hinreißen: er ballte die Faust, schaute Richtung Bank und nickte kurz. Großer Jubel? Erleichterung? Mitnichten. Unter der Verantwortung des Ungarn hat sich Hertha BSC im DFB-Pokal regelrecht verwandelt: Vom dankbaren Gegner hin zum Souverän, der zumindest in der ersten Runde seit drei Jahren nicht mehr gestolpert ist. Am Montag setzte sich die Miniserie fort: Dank eines Traumtors von Marvin Plattenhardt und eines Treffers von Kapitän Vedad Ibisevic gewann der favorisierte Bundesligist mit 2:1 (1:0) bei Eintracht Braunschweig und zog damit in die nächste Runde ein.

„Es war zu spüren, dass wir in dieser Saison noch nicht unter Druck gespielt hatten. Nach dem späten Ausgleich haben wir gute Mentalität gezeigt", sagte Dardai. Mittelfeldspieler Valentino Lazaro ergänzte: „Wir sind froh, dass wir die erste Hürde genommen haben – sie war alles andere als einfach.“

Dardai schickte zunächst exakt dieselbe Elf aufs Feld, für die er sich bereits im letzten Test vor dem Pflichtspielstart gegen Halle entschieden hatte: Die Dreier-Abwehrkette bildeten Karim Rekik, Jordan Torunarigha und Niklas Stark, das Mittelfeld setzte sich aus Marvin Plattenhardt, Ondrej Duda, Arne Maier und Valentino Lazaro zusammen – und ganz vorn durften sich Maximilian Mittelstädt und Salomon Kalou auf den Flügeln sowie Vedad Ibisevic im Sturmzentrum präsentieren. Faktisch bedeutete das auch, dass alle Berliner Sommerzugänge das Spiel von der Bank aus verfolgten.

Herthas Fans fielen am Anfang durch das Abbrennen von Pyro negativ auf

16.710 Zuschauer sorgten von Beginn an für prächtige Pokalatmosphäre, daran hatten ganz grundsätzlich auch die geschätzt 2500 mitgereisten Hertha-Anhänger ihren Anteil – obwohl es keine Minute dauerte, ehe sie erstmals an diesem Spätsommerabend negativ durch das Abbrennen von Pyrofackeln auffielen. Das weckte schlimme Erinnerungen an das Erstrundenspiel in Rostock vor einem Jahr. Zum Glück blieben die Befürchtungen unbegründet.

Gegen den Zweitliga-Absteiger aus Niedersachsen, der nach vier Spieltagen noch auf seinen ersten Sieg in Liga drei wartet, taten sich die Berliner allerdings deutlich schwerer als noch im Vorjahr beim FC Hansa; nach einer Viertelstunde verließ Trainer Dardai zum ersten Mal angefressen und schimpfend seine Coaching-Zone. Bis dahin hatten sich nur die Gastgeber dem gegnerischen Tor in Form von Distanzschüssen angenähert. Hertha besaß im ersten Durchgang lediglich eine herausgespielte Torchance: Nach einer halben Stunde zirkelte Valentino Lazaro eine Flanke auf den Kopf Ibisevics, der Berliner Kapitän setzte den Ball aber über die Latte.

Sieben Minuten später versetzte Marvin Plattenhardt die Menschen im Braunschweiger Stadion in andächtiges Staunen – egal, welchem Lager sie angehörten. Nach einem vermeintlich geklärten Eckstoß flog der Ball genau vor die Füße des Berliner Nationalspielers – und Plattenhardt entschied sich für die denkbar anspruchsvollste Lösung: eine Direktabnahme aus knapp 30 Metern Torentfernung. Tatsächlich schlug der Ball zum 0:1 im Winkel des Braunschweiger Kastens ein; Plattenhardt dürfte eine Nominierung für das Tor des Monats sicher haben.

Die Führung verlieh dem Berliner Spiel jedoch keine Sicherheit, im Gegenteil. Nach der Pause brannte es gleich zwei Mal lichterloh in Herthas Strafraum: Zunächst versäumte es Jonas Thorson, den Ball nach einem Freistoß per Kopf im Berliner Tor unterzubringen, kurz darauf klärte Jordan Torunarigha in höchster Not vorm einschussbereiten Malte Amundsen. Braunschweig spielte mit dem Mut der Verzweiflung nach vorn und kam zehn Minuten vor dem Ende der regulären Spielzeit zum Ausgleich. Der kurz zuvor eingewechselte Mergim Fejzullahu traf von der Strafraumgrenze zum 1:1 und brachte die Stadionwände zum Wackeln.

Der Jubel war aber nur von kurzer Dauer: mit dem nächsten Angriff ging Hertha wieder in Führung – und auch auf Berliner Seite war ein Joker beteiligt. Dennis Jastrzembski, gerade für Kalou aufs Feld gekommen, legte für Vedad Ibisevic auf, der den Ball nur noch über die Linie drücken musste und seinem Team damit die Verlängerung des Arbeitstages ersparte.

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