Die deutsche U 21 überzeugt bei der EM : Besser als die legendären 2009er?

Zwei Spiele, zwei Siege, 9:2 Tore - Die deutsche U-21-Nationalmannschaft überzeugt bei der EM. Aber was heißt das für den deutschen Fußball? Eine Analyse.

Der Blick geht nach oben. Die deutschen U-21-Nationalspieler Waldschmidt, Dahoud und Amiri (von links) feiern den überzeugenden Sieg gegen Serbien.
Der Blick geht nach oben. Die deutschen U-21-Nationalspieler Waldschmidt, Dahoud und Amiri (von links) feiern den überzeugenden...Foto: dpa

Für jede deutsche U-21-Nationalmannschaft, die jemals wieder an einer Europameisterschaft teilnehmen wird, existiert eine Bezugsgröße, an der alle gemessen werden: Es sind die Europameister von 2009. Das Team von Horst Hrubesch zählt längst zum Mythenschatz des deutschen Fußballs. Doch wie bei fast allen Mythen vermischen sich auch in diesem Fall Dichtung und Wahrheit. Sechs der Europameister von 2009 gewannen fünf Jahre später mit der A-Nationalmannschaft in Rio den WM-Titel. Und sie waren nicht einfach nur dabei, sie stellten in Brasilien die Achse des Weltmeisterteams: von Torhüter Manuel Neuer über die beiden Verteidiger Jerome Boateng und Mats Hummels bis zu Sami Khedira und Mesut Özil im Mittelfeld.

Von diesem Ende her betrachtet muss die Mannschaft natürlich schon bei der U-21-EM in Schweden überragend gewesen sein. Wenn man sich den Turnierverlauf allerdings noch einmal anschaut, wird man zu der Erkenntnis gelangen, dass dies keineswegs der Fall war. Das Team hatte ganz schön mit sich und seinen Gegnern zu kämpfen, ehe es sich durch einen überzeugenden 4:0-Erfolg im Finale gegen England den Titel sicherte. So berauschend wie die aktuelle U 21 bei der Europameisterschaft in Italien – zwei Spiele, zwei Siege, 9:2 Tore – sind ihre Vorfahren vor zehn Jahren jedenfalls nicht aufgetreten.

Und was heißt das jetzt für den deutschen Fußball? Erst einmal nichts. Theoretisch könnte die U 21 immer noch den Einzug ins EM-Halbfinale verpassen, was allerdings nach ihren bisherigen Auftritten nicht sehr wahrscheinlich ist. Deutlich wahrscheinlicher ist, dass die U 21 nicht Europameister wird – weil im Halbfinale noch drei andere Teams stehen werden, die auch nicht ohne sind. Und doch gibt die Mannschaft von Trainer Stefan Kuntz dem deutschen Fußball ein Jahr nach der desaströsen Weltmeisterschaft ein Stück Hoffnung zurück. „Meine Jungs zeigen jetzt, dass es im Moment mit den deutschen Talenten nicht so schlecht aussieht“, sagte er nach dem 6:1-Erfolg über Serbien.

Kuntz‘ Kader verfügt nicht nur über Talent, sondern auch über Teamgeist. Das ist ganz sicher nicht die schlechteste Kombination. Mit Teamgeist lassen sich gerade in einem Turnier viele Schwächen überspielen. Aber das hat die aktuelle U 21 gar nicht nötig. In ihrem Fall dient der Teamgeist vor allem als Verstärker ihres Talents. Der Teamgeist entscheidet möglicherweise über das Abschneiden der U 21 bei der EM, das Talent über das Fortkommen der Spieler jenseits des Nachwuchsbereichs. Ihre Aussichten sind definitiv besser als vor zwei Jahren, als die U 21 ebenfalls Europameister wurde. Und selbst 2009 scheinen die Deutschen den Teamgeist deutlich nötiger gehabt zu haben, als es aktuell der Fall ist.

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