Sport : Die Eisbären überschätzen sich

Gegen schwache Frankfurter verlieren die Berliner 1:2 und müssen am Dienstag auf jeden Fall gewinnen

Claus Vetter

Berlin – Es ging um viel für die Eisbären gestern im Sportforum Hohenschönhausen. Auch Pierre Pagé vermittelte diesen Eindruck, so aufgeregt, wie der Trainer an der Auswechselbank auf seine Spieler einredete. Denn aus einer bisher für sie schlechten Saison hätten die Berliner mit einem zweiten Sieg über die Frankfurt Lions zumindest schon eine ordentliche Saison machen können – doch dann verloren sie vor 4500 Zuschauern nach uninspirierter Vorstellung 1:2 (0:2, 0:0, 1:0), und ihr erboster Trainer schimpfte mit hochrotem Kopf: „So etwas Schlechtes habe ich hier seit Jahren nicht gesehen.“ Pagé meinte damit die schwache Leistung seiner Mannschaft, die kaum den Eindruck vermittelte, als wolle sie die Saison über den kommenden Dienstag ausdehnen. Nach ihrem 4:3-Sieg bei den Lions am Freitag verpassten es die Berliner, sich im Heimspiel für die Play-off-Viertelfinalserie der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) zu qualifizieren.

Nun müssen die Eisbären am Dienstag in Frankfurt zum entscheidenden dritten Spiel antreten. Im Viertelfinale wäre dann Mannheim der Gegner. Das steht fest, nachdem sich die Hamburg Freezers gestern mit dem zweiten Erfolg über Krefeld durchsetzten. Natürlich haben sich die Berliner Spieler noch nicht aufgegeben. Sven Felski sagte: „Der Heimvorteil spielt jetzt keine Rolle mehr.“ In Frankfurt sei für die Eisbären alles möglich, findet ihr Angreifer, der gestern ein sehr diskretes Spiel bot. Michael Hackert, zweifacher Torschütze der Lions, hatte erkannt, woran es bei den Berlinern lag: „Die Eisbären dachten wohl, dass das hier ein Selbstläufer für sie wird.“

So lax agierten die Berliner anfangs auch. Die Lions stürmten, die Eisbären verteidigten und verließen sich auf ihren guten Torwart Youri Ziffzer. Ein Tor fiel aber erst zu Beginn des zweiten Drittels, als Eisbären-Verteidiger Andy Roach den Puck an Hackert verlor. Der Frankfurter fuhr auf Ziffzer zu und überwand den Torwart mit einem Schuss durch die Beinschoner. Den Eisbären bot sich zwar danach gegen die undisziplinierten Frankfurter eine Powerplay-Chance nach der anderen, doch ihr Überzahlspiel war frei von Überraschungsmomenten. Das Tor, das den Eisbären allen Mut raubte, fiel 35 Sekunden vor der zweiten Pause. Wieder machte Roach einen Fehler, wieder war Hackert da und erzielte das 2:0. Auch wenn die Eisbären den Gegner unter Druck setzten und drei Minuten vor Ende noch in Überzahl zum 1:2 durch Deron Quint kamen – es reichte nicht zu mehr.

Frankfurts Trainer Rich Chernomaz fand, dass sein Team „60 Minuten lang die richtige Einstellung gezeigt habe“. Das ließ sich über die Berliner nicht sagen. So wie sich die Eisbären gestern präsentierten, wäre es erstaunlich, wenn die Saison für den Deutschen Meister der vergangenen beiden Jahre am Dienstag nicht beendet wäre. Pierre Pagé wollte daran aber nicht denken. „Wir werden am Dienstag mit Energie und Enthusiasmus spielen“, sagte der Berliner Trainer. Dann seufzte er. Was er sagte, klang mehr nach einem Wunsch als nach einer Ankündigung. Allerdings haben sich die Lions im Duell der Frustrierten – die Hessen waren nach der DEL-Hauptrunde Achter, die Berliner Neunter – bisher auch nicht als Freunde großer Eishockeykunst gezeigt. Das kann den Eisbären noch Hoffnung machen. Ansonsten wäre der nächste Wutanfall von Pierre Pagé wohl sein letzter als Trainer der Eisbären, denn er verlässt den Klub nach fünf Jahren zum Saisonende.

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