Die Eisbären und der Fehlstart : Keine Punkte und zu wenig Ideen

Die Eisbären stolpern in die Saison. Die Berliner haben ihren guten Abgänge noch nicht ersetzen können.

Und der ist drin. Maximilian Franzreb (links) ist geschlagen, Chris Brown (Mitte) triftt für Nürnberg.
Und der ist drin. Maximilian Franzreb (links) ist geschlagen, Chris Brown (Mitte) triftt für Nürnberg.Foto: Imago/Zink

Letzter in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) nach zwei Spieltagen? Das ist ein gutes Omen. Zuletzt waren Nürnberg (15/16), Mannheim (16/17) und Wolfsburg (17/18) nach dem ersten Liga-Wochenende ohne Punkte am Tabellenende, am Ende der Saison qualifizierten sich alle drei Klubs für die Play-offs, Nürnberg kam sogar bis in Halbfinale. Daran gemessen können sich die Eisbären aktuell also auf eine gute Saison freuen. So wie die Berliner aktuell spielen, leuchtet die Zukunft aber noch nicht. Alle vier Spiele in der Champions League verloren, nun der Start in der Liga mit Niederlagen gegen München (2:4) und in Nürnberg (3:4). Woran liegt es, dass die Eisbären in die Saison gestolpert sind? Sicher daran, dass ihnen Qualität aus der vergangenen Saison – noch – fehlt.
Mit Torwart Petri Vehanen, den Angreifern Nick Petersen und Marcel Noebels haben die Berliner drei starke Spieler verloren. Mit Maximilian Franzreb und Marvin Cüpper haben sie nun ein gutes, junges Torwartgespann – doch hat sich Cüpper verletzt und der Druck lastet allein auf Franzreb. Es ist für den jungen Mann eine harte Situation, die ihm – so wirkte es am Sonntag in Nürnberg bei einigen seiner Aktionen – auch etwas zu schaffen macht. Im Angriff haben die Eisbären ihren Kader um zwei Kanadier erweitert, die in ihrer Karriere in der American Hockey-League (AHL) nie Torjäger waren: Brandon Ranford hat vergangene Saison vier, Colin Smith neun Treffer erzielt. Petersen hat in der Vorsaison 26 Tore für die Eisbären geschossen, Noebels 17. Auch wenn so eine Statistik aufgrund des Unterschiedes der Ligen hinkt: In ihren ersten Spielen für die Eisbären wirkte es so, als würden beide mit ihrer neuen Rolle noch nicht klar kommen – auch wenn Ranford in Nürnberg ein schönes Tor gelang, nach Vorarbeit von Smith. Von Erfolgserlebnissen dieser Art waren der neue Verteidiger Marc Cundari, eher gemächlich auf den Schlittschuhen unterwegs, und Zugang Jason Jaspers im Sturm, mit 37 Jahren nicht mehr der Schnellste, weit entfernt.

Clement Jodoin muss sich an seine neue Rolle als Cheftrainer noch gewöhnen

Und dann ist da der Trainer, der unter Vorgänger Uwe Krupp als einer der besten Co-Trainer der Liga galt. In seine neue Position muss Clement Jodoin nun hineinfinden. Ein Cheftrainer hat eben einen anderen Aufgabenbereich, von der Öffentlichkeitsarbeit bis hin zu dem Umstand, auch unpopuläre Maßnahmen zu fällen. So hat Jodoin im Angriff zum DEL-Auftakt eine Schneise zwischen nordamerikanischen und deutschen Profis gezogen. Kanadier und US-Amerikaner stürmten in den ersten drei Reihen. In Reihe drei darf der – noch nicht ganz gesunde – André Rankel mitlaufen, die anderen drei Deutschen dagegen sind nur in der vierten Reihe. Das könnte Unzufriedenheiten schaffen beim Personal. Könnte man so denken, sagt Angreifer Martin Buchwieser. „Aber das ist nicht so, die Stimmung in der Kabine ist gut.“
Es gibt schließlich auch positive Entwicklungen bei den Eisbären: In der Verteidigung sind es Jonas Müller, Jens Baxmann, Kai Wissmann und Zugang Florian Kettemer. Wissmann schlüpft – wie Müller vor einem Jahr – immer mehr in die Rolle des Gestalters. Solche Spieler brauchen die Eisbären in dieser Saison, vielleicht kann auch Torwart Maximilian Franzreb am Druck wachsen.
Wenn sie sich schon nicht mit Spielern von außen gut verstärkt haben, dann muss die neue Stärke eben von innen kommen bei den Berlinern. Es sind ja noch 50 Spieltage übrig, um den Fehlstart zu korrigieren.

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