Die Familie ruft : Mülders wird Hockey-Vorsitzender beim TuS Lichterfelde

Überraschung im Berliner Hockey: Ex-Nationaltrainer Jamilon Mülders übernimmt beim TuS Lichterfelde den Vorsitz der Hockeyabteilung.

Ein Herz für Berlin: Ex-Nationaltrainer Jamilon Mülders ist nun wieder in der Heimat im Einsatz.
Ein Herz für Berlin: Ex-Nationaltrainer Jamilon Mülders ist nun wieder in der Heimat im Einsatz.Foto: Axel Heimken/dpa

Jamilon Mülders hat in den vergangenen Tagen einige strategische Entscheidungen gefällt. Sie betreffen in erster Linie seine eigene Zukunft. Die Monate seit seinem Rücktritt als Nationaltrainer der chinesischen Hockey-Nationalmannschaft der Frauen im Herbst hat er zu einer Art persönlicher Weiterbildung genutzt. Dazu hat er Vorträge gehalten, als Berater unter anderem für den englischen Verband gearbeitet und beim Europapokalfinale als Co-Trainer bei Rot-Weiß Köln ausgeholfen. Inzwischen aber zeichnet sich immer deutlicher ab, wie es für ihn beruflich weitergehen wird. Im Herbst wird Mülders ein Fernstudium der Psychologie beginnen. Und bis es so weit ist, springt er als Vorsitzender der Hockeyabteilung beim TuS Lichterfelde ein. „Ich hab ja jetzt Zeit“, scherzt Mülders.

In der kleinen Hockey-Welt ist sein Engagement eine mindestens mittelschwere Sensation. TuSLi kommt im Berliner Hockey erst an dritter oder vierter Stelle. Mülders kennt vor allem die Spitze. Als Spieler ist er 2002 Weltmeister geworden. Nach seiner aktiven Karriere hat er insgesamt zehn Jahre für den Deutschen Hockey-Bund gearbeitet, erst die männliche U 21 trainiert, dann die Frauen, mit denen er 2013 Europameister wurde und 2016 Olympia-Bronze holte. Und jetzt also TuSLi. Dem Klub fühlt er sich vor allem aus familiären Gründen verbunden. Seine Frau Anja hat schon in der Jugend bei den Lichterfeldern gespielt, später war sie Trainerin der ersten Frauen-Mannschaft, aktuell betreut sie ein Juniorenteam. Und auch die beiden Kinder spielen bei TuSLi Hockey.

„Es gibt viele Bereiche, die bei entsprechender Klarheit und Ansprache, ihr Potenzial entfalten beziehungsweise entwickeln könnten“, sagt Mülders, der das Amt des Vorsitzenden interimsmäßig bis zur Mitgliederversammlung im November übernehmen wird. Wer glaubt, dass der frühere Bundestrainer in dieser Zeit lediglich die bestehenden Zustände unfallfrei verwalten will, der kennt ihn schlecht: Strukturen schaffen, an der Organisation arbeiten, Führung anstoßen – das sind die Themen, die ihm schon immer wichtig waren. „Der Verein braucht ein Gesicht und eine Idee“, erklärt der 42-Jährige, der von sich sagt, dass er kein Freund traditioneller hierarchischer Rollenverteilungen ist.

Die Frauen und Männer spielen in der Halle in der Bundesliga, im Feld sind sie zweitklassig

Unabhängig davon, wie kurz seine Amtszeit ausfallen wird: Bei TuSLi stehen in den nächsten Wochen einige wichtige Entscheidungen an. Zum einen die Frage, ob das Klubhaus um- oder ganz neu gebaut wird. Zudem sucht der Verein zum ersten Mal in seiner Geschichte einen hauptamtlichen Trainer. Ob für die Frauen, für die Männer oder die Jugendabteilung, das muss erst noch entschieden werden. Mit Mülders in leitender Position verfügt der Klub bei dieser Suche zumindest über ausreichende Expertise.

Sowohl die ersten Frauen als auch die Männer des Vereins spielen in der Halle in der Bundesliga, im Feld sind sie zweitklassig. Für Mülders geht es nicht um sportlichen Erfolg, viel wichtiger ist ihm, „dass man ein Umfeld schafft, das Leistung für Kinder und Jugendliche möglich macht, aber auch soziale Verantwortung fördert“. Im Idealfall sei der Bundesligastatus dann quasi ein Nebenprodukt, sagt der neue Vorsitzende. Aktuell ist er dabei, sich einen Überblick über die Zustände bei TuSLi zu verschaffen und die Rollen der Vorstandsmitglieder zu schärfen. Im Anschluss werde es dann darum gehen, „Impulse zu setzen und zu sehen, wie sie wirken“.

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