Die Fußball-Bundesliga startet wieder : Von Pappkameraden und Autokinos

Was ist während der Coronavirus-Pause eigentlich bei den 16 Bundesliga-Klubs außerhalb Berlins passiert? Ein Überblick.

Dabei sein ist alles. Wenn auch nur als Aufsteller im Stadion von Borussia Mönchengladbach.
Dabei sein ist alles. Wenn auch nur als Aufsteller im Stadion von Borussia Mönchengladbach.Foto: Moritz Müller/Imago

Auch wenn in den vergangenen zwei Monaten in der Fußball-Bundesliga nicht gespielt wurde, ist dann doch einiges geschehen – nicht nur in Berlin. Wir haben vor dem Neustart am Samstag das Wichtigste zusammengetragen.

BAYERN MÜNCHEN
Existenzängste herrschten beim FC Bayern während der Pause nicht, vielmehr haben die Münchner einigen Mitarbeitern neue Verträge gegeben. Hansi Flick darf länger Cheftrainer bleiben, Thomas Müller bleibt länger Chefwurschtler und Miroslav Klose ist gar zum Chef-Co-Trainer aufgestiegen. Ansonsten haben sich die Spieler im Quarantäne-Trainingslager auch kulturell weitergebildet: In der Hotellobby schauten sie Filme wie „Ziemlich beste Freunde“.

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BORUSSIA DORTMUND
Was die Personalplanungen angeht, ist Borussia Dortmund wie in der Tabelle bestenfalls Tabellenzweiter hinter dem FC Bayern. Beim BVB rückt der bisherige U-19-Trainer Michael Skibbe zum Chef der U 23 auf. Ansonsten freuen sich alle Dortmunder auf den 20. November. Dann feiert Supertalent Youssoufa Moukoko seinen 16. Geburtstag – und darf dank einer Senkung der bisherigen Altersgrenze von da an für den BVB in der Liga spielen.

RB LEIPZIG
Die Fans von RB Leipzig haben während der Pause wenigstens erfahren, wohin Stürmer Timo Werner nicht wechseln wird: zum FC Bayern. Verlieren werden ihn die Leipziger wohl trotzdem. Kandidat Nummer eins ist der FC Liverpool. Dafür könnten die Bayern bei Abwehrchef Dayot Upamecano zum Zug kommen. Angesichts dieser Aussichten freuen sich RB-Fans bestimmt riesig darauf, dass endlich Geisterspiele steigen.

BORUSSIA MÖNCHENGLADBACH
Ein großes Klub-Jubiläum konnte am 30. April nicht so wie geplant begangen werden, denn an diesem Tag vor 50 Jahren holte Gladbach den ersten Meistertitel. Dafür ist der Klub auf die Geisterspiele besonders vorbereitet: Nach einer Idee des Fanprojekts Mönchengladbach können sich Anhänger für 19 Euro mit einem Foto auf einer Pappfigur einen Platz auf der Stadiontribüne sichern.

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BAYER LEVERKUSEN
Eine wichtige Personalie konnte Leverkusen verkünden: Der Klub hat den am Saisonende auslaufenden Vertrag mit dem Chilenen Charles Aránguiz bis 2023 verlängert – ein Schlüsselspieler von Trainer Peter Bosz. Ein anderer Schlüsselspieler bereitet stattdessen wohl schon seinen Abschied vor. „Ich bin bereit, einen großen Schritt zu machen, und ich mag Herausforderungen. Dazu zählt für mich auch das Ausland“, sagte Kai Havertz kürzlich.

FC SCHALKE 04
Für Schalke ging es während der Pause weniger um mögliche Transfers, es ging ums Überleben. Der Vorstand hatte für den Fall eines Saisonabbruchs vor einer „existenzbedrohenden wirtschaftlichen Situation“ gewarnt. Es wurde eben zu sehr auf Pump gewirtschaftet. Doch die TV-Gelder fließen ja wieder, und so können sich die Schalker voll auf das Derby gegen Dortmund konzentrieren.

VFL WOLFSBURG
Wolfsburg startet mit Vorsprung in den Rest der Saison. Denn schon das letzte Spiel des VfL fand vor leeren Rängen statt. Am 12. März war in der Europa League gegen Schachtjor Donezk nicht nur der Rahmen trist, sondern auch das 1:2-Endergebnis. Stadionsprecher Georg Poetzsch nannte die damalige Erfahrung jüngst im NDR „surreal“ und fühlte sich eher an ein Testspiel erinnert. Mit dem Wissen von heute war es das irgendwie ja auch.

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SC FREIBURG
Christian Streich ist ein Freund klarer Worte. Die hat er zuletzt im Gespräch mit seinen Profis offenbar sorgsam gewählt. Schließlich sollten die keine Angst bekommen, „denn es gibt ja schon genügend Verschwörungstheoretiker.“ Dass am Wochenende wieder gespielt wird, macht den Trainer ansonsten „gottfroh“. Seine Vorfreude gilt insbesondere dem „Nicht-Jubeln“ nach Toren. Ganz klar: Da hat jemand einen höllisch-guten Plan.

TSG HOFFENHEIM
Wer es bisher noch nicht wusste: Auch die TSG Hoffenheim hat Ultra-Fans. Und zwar richtige, wie die Gruppierung „Crescendo Hohenlohe“ zuletzt klar machte: „Wir sind, auch wenn die DFL das partout nicht begreift, keine Marionetten.“ Eine Fortsetzung des Spielbetriebs ist aus Sicht der Anhänger nicht „verständlich“. Damit stehen sie nicht alleine da, trotzdem kommt nun Hertha am Samstag vorbei.

1. FC KÖLN
„Is euch wat aufjefallen? Dat janze Ding mit dem Virus is entstanden, nachdem der 1. FC Köln ne Siegesserie hatte,“ klagte ein Effzeh-Fan vor einige Wochen in den sozialen Medien. Tatsächlich hatten die Kölner vor der Spielpause acht von elf Partien gewonnen. In der Rückrundentabelle steht die Mannschaft auf Platz vier. Für den Anhänger war daher klar: „Die wollen nicht dat der FC Köln deutscher Meister wird“. Nach drei positiven Corona-Tests sind nun aber viele in Köln einfach nur froh, dass ihr Team überhaupt wieder in der Bundesliga mitmischen darf – und nicht aus der Quarantäne mitansehen muss, wie die Konkurrenz wieder am Effzeh vorbeizieht.

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EINTRACHT FRANKFURT
Heimspiele sind für Eintracht Frankfurt ab sofort ein großer Nachteil. Das zumindest glaubt Stefan Effenberg. „Ich glaube, dass die Geisterspiele … für die Frankfurter ein Nachteil sind, weil sie zu Hause durch ihre Fans eine Macht sind“, schrieb der ehemalige Nationalspieler bei Sport1. Tatsächlich hat die Eintracht 21 ihrer 28 Punkte zuhause geholt. Und von den restlichen neun Spielen stehen auch fünf im eigenen Stadion an. Droht deshalb womöglich noch Abstiegskampf am Main? Womöglich hängt das auch von den Fans ab, deswegen appellierte Sportvorstand Fredi Bobic schon einmal an die Anhänger, sich vom Stadion fernzuhalten, denn: „Wenn ihr dort auftaucht, verlieren wir dieses Spiel, weil die Regeln sehr streng sind.“

FC AUGSBURG
Am 10. März teilte Augsburg mit, dass Heiko Herrlich neuer Trainer wird. „Ich freue mich auf diese neue Herausforderung beim FCA“, sagte er damals. Eine Herausforderung ganz anderer Art folgte drei Tage später und dauerte über zwei Monate: die Unterbrechung der Bundesliga. Dass Herrlich mit den aktuellen Quarantäneregeln der DFL noch so seine Schwierigkeiten hat, offenbarte er am Donnerstag als er auf einer Pressekonferenz beschwingt erzählte: „Ich habe keine Zahnpasta, die ist am Ausgehen, und keine Hautcreme mehr gehabt, und dann bin ich mit meinem Trainingsanzug in der Nähe zu einem Supermarkt gegangen.“ Die Folge: Auf sein Trainerdebüt beim FC Augsburg muss er weiter warten, im Spiel am Samstag gegen den VfL Wolfsburg wird er seinen Job nicht ausüben dürfen. Zumindest Salomon Kalou dürfte sich aber köstlich amüsieren.

FSV MAINZ 05
Bundesligaspiele müssen für den Rest der Saison bekanntlich ohne Zuschauer stattfinden. Aber zumindest der Parkplatz des Stadions in Mainz wird jetzt genutzt. Dort ist ein Autokino mit einer 100 Quadratmeter großen Leinwand aufgebaut worden, etwa 200 Fahrzeuge finden Platz. Tickets kosten pro Auto 22 Euro, als erster Film wird am Freitag um 14.30 Uhr „Die Eiskönigin 2“ gezeigt.

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FORTUNA DÜSSELDORF
In fünf verschiedenen Trikots ist Fortuna in dieser Saison bereits aufgelaufen: Heim-, Auswärts- und Ausweichtrikot sowie in Leverkusen zur besseren Unterscheidung in blau. Außerdem gab es ein Tote-Hosen-Sondertrikot. Zum 125. Vereinsjubiläum Anfang Mai wurde ein weiteres Sondertrikot angefertigt, das in dieser Saison noch getragen wird. Sechs Outfits in einer Spielzeit gab es in der Bundesliga noch nie.

WERDER BREMEN
Werder sieht sich vor dem Neustart stark benachteiligt. Die politisch Verantwortlichen in Bremen erlaubten ein Training in größeren Gruppen erst nach anderen Bundesländern. Daher machten sich Verein und Politiker für eine spätere Wiederaufnahme der Bundesliga stark. Vergeblich. Kleiner Trost: Werder spielt erst am Montag gegen Bayer Leverkusen.

SC PADERBORN
Der Tabellenletzte sah in der Pause auch eine Chance. Sie sei „eine gute Gelegenheit, den ohnehin angestrebten Wechsel in der sportlichen Leitung jetzt herbeizuführen“, sagte Elmar Volkmann, Vorsitzender des Wirtschaftsrates. Der Klub ernannte Fabian Wohlgemuth zum Nachfolger von Martin Przondziono als Geschäftsführer Sport. Der bisherige Amtsinhaber zeigte sich davon sehr überrascht.

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