• Die großen Zweikämpfe des Sportjahres: Betrüger gegen Lichtgestalt - und andere Duelle

Die großen Zweikämpfe des Sportjahres : Betrüger gegen Lichtgestalt - und andere Duelle

Bolt gegen Gatlin, Federer gegen Nadal, Vettel gegen Hamilton - auch 2017 gab es im internationalen Sport legendäre Duelle.

Verbeugung vor dem Größten. Weltmeister Gatlin verneigt sich vor der Legende Bolt.
Verbeugung vor dem Größten. Weltmeister Gatlin verneigt sich vor der Legende Bolt.Foto: AFP

Plötzlich war es für einen Moment erschreckend still. Knapp 60 000 Menschen im Londoner Olympiastadion konnten nicht fassen, was passiert war, wer da gerade jubelnd die Arme nach oben riss: Justin Gatlin, der Bösewicht der Leichtathletik, der alte Mann des Sprints, der in diesem Jahr noch keine schnellen Zeiten gelaufen war. Als die Zuschauer den Schock verdaut hatten, taten sie das, was sie schon zuvor getan hatten: Sie pfiffen den US-Amerikaner gnadenlos aus.

Gatlin versaute der versammelten Leichtathletik-Gemeinde durch seinen Sieg über die 100-Meter-Sprintdistanz in 9,92 Sekunden einen Abend, der – wie es Leichtathletik-Präsident Sebastian Coe später formulieren sollte – ein anderes Drehbuch vorgesehen hatte, nämlich einen letzten triumphalen Sieg in einem Einzelrennen für Usain Bolt. Der Jamaikaner hatte angekündigt, nach diesen Weltmeisterschaften im August zurückzutreten.

Bolt war seit fast einem Jahrzehnt die Lichtfigur der Leichtathletik. Er war dies nicht nur wegen seiner unglaublichen Rekorde. Sondern auch wegen dieses Duells mit Gatlin. Hier Bolt, der Jahrhundertläufer, der lustige Entertainer aus Jamaika, und da Gatlin, der introvertierte Betrüger aus den USA. Hier gut, da böse. Die Leichtathletik zehrte lange davon, auch weil bei jedem wichtigen Rennen der Gute schneller war. In London sprach kaum einer mehr von dem Duell, weil es so leise geworden war um Gatlin. Wenn überhaupt, so die einhellige Meinung vor dem 100-Meter-Finale, dann würde Gatlins unbelasteter Landsmann Christian Coleman Bolt gefährlich werden.

Gatlin ist für die Leichtathletik so etwas ist wie ein Geist, den sie nicht loswird. Schon zweimal wurde er des Dopings überführt. Er saß Sperren ab, kam übergewichtig zurück und wurde schon als „Fatlin“ verspottet. Doch er nahm schnell ab und war bald wieder so schnell wie früher. Rehabilitiert war er aber nie in der Leichtathletik-Gemeinde, die schon vielen früheren Dopern verziehen hat.

Als am 5. August dann sehr spät abends in London der Startschuss fiel, lag der junge Amerikaner Coleman lange vorne. Alle warteten auf den Schlussspurt von Bolt. Der kam aber nicht. Ganz außen, auf Bahn acht, kam auf den letzten Metern der alte, böse Mann der Leichtathletik angeschossen. Kurz darauf schrie er in die gruselige Stille der Arena. Es war ein Schrei mit Nachhall, der die Leichtathletik nachdrücklich daran erinnerte, wo sie steht – an einem Punkt, wo sie die Dopingproblematik besser in den Griff bekommen muss, um dem zunehmenden Bedeutungsverlust entgegenzusteuern.

Zuletzt machte Justin Gatlin Schlagzeilen, weil er seinen Trainer Dennis Mitchell entließ. Der Grund: Mitchell soll getarnten Reportern angeboten haben, illegale Substanzen wie Testosteron zu besorgen. Justin Gatlin wird das Thema Doping offenbar nicht mehr los. Andererseits: In seiner Branche ist das keine große Besonderheit.

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