Die Mittelfinger der Hand Gottes : Mensch, Maradona!

Der größte Fan Argentiniens benimmt sich beim Spiel gegen Nigeria kräftig daneben und ist am Ende des Spiels gesundheitlich geschafft. Ein Kommentar zu Diego Maradona, dem traurigen Idol.

Claus Vetter
Mittelfinger gegen Nigeria. Diego Maradona nach Argentiniens Tor zum 2:1.
Mittelfinger gegen Nigeria. Diego Maradona nach Argentiniens Tor zum 2:1.Foto: Peter Kowalew/dpa

Mensch Maradona, Du kannst es nicht lassen. Du musst immer die Hauptrolle spielen. Auch wenn Du schon lange nicht mehr auf oder am Platz stehst bei den großen Spielen. Im Vorprogramm beim alles entscheidenden WM-Vorrundenspiel gegen Nigeria warst Du da ja noch unterhaltsam. Da hast Du Dich mit einem Tänzchen mit einem weiblichen Fan Nigerias zum Clown gemacht. Aber geschenkt, ist ja ernsthaft genug geworden die Fußballbranche und so ein bisschen Show schadet vielleicht gar nicht. Während des Spiels Deiner Argentinier wurdest Du dann ab und an eingeblendet.

Du hast gezittert, weggeschaut, so mitgefiebert, wie sich das gehört für einen großen Fan. Aber warum hast Du dann den Gegner Nigeria mit gestrecktem Mittelfinger verabschiedet? Stinkefinger mit der "Hand Gottes"?

1994 haben sie Dich nach zwei Spielen bei der WM in den USA vom Platz geholt, wegen einer positiven Dopingprobe. Ein trauriger Abgang für einen der Größten auf dem Platz. Du aber hast damals gesagt: Selbst wenn sie Dich rauschmeißen, Du würdest künftig als größter Fan Argentiniens im Stadion sein. Mit der größten Fahne und so weiter.

Fan mit Fahne. Maradona demonstriert, was er von sich selbst hält.
Fan mit Fahne. Maradona demonstriert, was er von sich selbst hält.Foto: AFP

Du wurdest dann sogar Nationaltrainer in Argentinien später, 2008. Unvergessen sind die Szenen, als Du als Cheftrainer den Cheftröster gespielt hast nach dem 0:4 der Argentinier gegen die Deutschen im Viertelfinale der WM 2010. Schon 2006 hast Du im Fan-Trikot die argentinische Nationalmannschaft im Stadion angefeuert. Das erdet dich.

Du hast abseits der Stadien viele seltsame Auftritte hingelegt, unvergessen sind die Besuche bei Fidel Castro. Du trägst den Castro ja auch als Tattoo am Bein – und den Che Guevara am Oberarm. Und dann sind da Deine Drogenprobleme. Ein Herzinfarkt nach einer Überdosis Kokain, Entziehungskuren. Kürzlich hast Du einen Vertrag als Vorsitzender bei einem Provinzklub in Weißrussland unterschrieben. Dinamo Brest. Da muss man Mitleid haben

Dass Du im Stadion Argentinien die Daumen drückst, ist schwer in Ordnung. Dass Du nach dem Siegtreffer durch Marcos Rojo kurz vor Schluss die Mittelfinger beider Hände Richtung des Gegners oder seiner Anhänger gestreckt hast, dass zeigt nun leider, dass Du - gut gemeint - den Sinn für Sportlichkeit verloren hast und auch an Deine Gesundheit denken solltest. Am Ende des Dramas gegen Nigeria musstet Du ärztlich versorgt werden, hoffentlich geht es Dir gut.

Böse gemeint ließ sich sagen: Du bist ein Clown, dem bald niemand mehr eine Manege bauen wird.

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