Die Nationalmannschaft macht ernst : DFB-Elf siegt 6:1 und wird Gruppenerster

Im letzten EM-Qualifikationsspiel besiegt die deutsche Nationalmannschaft Nordirland mit 6:1 - überragender Mann ist Serge Gnabry, der drei Mal trifft.

Es ist angerührt. Serge Gnabry erzielte drei Tore zum Sieg gegen die Nordiren.
Es ist angerührt. Serge Gnabry erzielte drei Tore zum Sieg gegen die Nordiren.Foto: dpa

Serge Gnabry nahm die Vorlage von der linken Flanke mit dem linken Fuß an, er drehte sich gegen den Uhrzeigersinn und jagte den Ball mit rechts in den Winkel. Das Tor zum zwischenzeitlichen 1:1 für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft hatte schon fast etwas Gerdmüllerhaftes, und es war in seiner Ausführung hübsch anzusehen. Wie vieles, was Gnabry im finalen Spiel der EM-Qualifikation gegen Nordirland zeigte. Die ganze Mannschaft legte sich vor 43.000 Zuschauer in Frankfurt noch einmal ordentlich ins Zeug und sicherte sich durch einen 6:1 (2:1)-Sieg Platz eins in der Qualifikationsgruppe C.

Am Tag vor dem Spiel hatte sich Bundestrainer Joachim Löw noch so angehört, als wollte er eher dosiert rotieren. Am Ende aber tauschte er fast die halbe Mannschaft aus. Vier neue Feldspieler (Emre Can, Jonathan Tah, Jonas Hector, Julian Brandt) und ein neuer Torhüter (Marc-André ter Stegen) standen neu in der Startelf.

Abstimmungsschwierigkeiten waren nicht zu übersehen, vor allem nicht in der Defensive. Abgesehen von Rechtsverteidiger Lukas Klostermann hatte Löw die komplette Viererkette ausgetauscht. Die frühe Führung der Gäste nach etwas mehr als fünf Minuten resultierte jedoch aus einem Einwurf und wurde durch die Nachlässigkeit der deutschen Spieler entscheidend begünstigt: Toni Kroos köpfte den Ball in die Mitte, wo Michael Smith aus gut 22 Metern unbedrängt zum Abschluss kam. Der Ball flog hart neben dem Pfosten zum 1:0 für die Nordiren ins Tor, ter Stegen hatte keine Abwehrchance.

Die Deutschen ließen sich von diesem Rückschlag allerdings nicht lange beirren. Serge Gnabry hatte fast postwendend die große Chance zum Ausgleich, als er einen fantastischen Pass von Toni Kroos aus der Luft annahm, aus kurzer Distanz allerdings an Torhüter Bailey Peacock-Farrell scheiterte. Nur eine Minute später initiierte Kroos mit einem Zuspiel auf Hector die nächste gute Gelegenheit: Nach dessen Flanke köpfte Gnabry den Ball an den Pfosten.

Jonas Hector ersetzte auf der linken Seite den Dortmunder Nico Schulz, der am vergangenen Wochenende beim 4:0 gegen Weißrussland einen eher fahrigen Eindruck hinterlassen hatte. Ganz anders Hector, der erstmals seit einem Jahr wieder für die Nationalmannschaft zum Einsatz kam. Zwar brachte er Jonathan Tah als letzten Mann mit einem verunglückten Rückpass einmal in arge Not, nach vorne aber machte der Kölner vieles richtig. Hector ist zwar nicht so flink wie Schulz, verfügt aber über eine ganz andere Ruhe am Ball als sein interner Konkurrent.

Hector bereitete das 1:1 durch Gnabry vor, er leistete auch die Vorarbeit zum 2:1. Kurz vor der Pause war es Goretzka, der den Ball aus kurzer Distanz gegen den Innenpfosten grätschte. Von dort trudelte er über die Linie. Zwischen den beiden Toren hatte es die deutsche Mannschaft etwas ruhiger angehen lassen. Nach der Pause aber wollte sie erst gar keine Zweifel an ihrem Erfolg aufkommen lassen. Wie schon gegen die Weißrussen legten sie gleich nach Wiederanpfiff einen weiteren Treffer nach. Initiiert wurde der Angriff erneut vom guten Kroos, der Lukas Klostermann auf der rechten Seite spielte. Seinen Pass verwertete Gnabry zum 3:1.

Niklas Stark von Hertha BSC feiert sein Debüt

Die Nationalmannschaft fand nun immer mehr Freude an diesem Spiel. "Es hat sehr viel Spaß gemacht", sagte Bundestrainer Löw. "Wir haben es konsequent durchgezogen." In den ersten zehn Minuten der zweiten Halbzeit hatte sie 90 Prozent Ballbesitz, die Nordiren liefen nur hinterher. Und Serge Gnabry hatte von allen Beteiligten den größten Spaß. Nach einer Stunde erhöhte der Münchner mit seinem dritten Treffer auf 4:1. Nach einem starken Pass des sonst etwas unglücklichen Brandt behauptete sich Gnabry gegen seinen kantigen Gegenspieler und überwand schließlich auch noch Torhüter Peacock-Farrell. Im 13. Spiel für die Nationalmannschaft war es Gnabrys 13. Tor. Eine bessere Quote hatte zuletzt vor 50 Jahren ein gewisser Gerd Müller.

"Heute hat man Spielfreude gesehen", sagte Leon Goretzka. Angesichts des komfortablen Vorsprungs gab es sogar noch einen ganz besonderen Moment: In der 65. Minute wurde endlich auch Niklas Stark Nationalspieler. Der Innenverteidiger von Hertha BSC, der neun Länderspiele seit seiner ersten Nominierung im März hatte zuschauen müssen, kam für Lukas Klostermann. Besonders gefordert wurde er bis zum Ende nicht. Das Geschehen spielte sich auch weiterhin vor allem auf der anderen Seite ab. Goretzka und Brandt legten zwei Tore zum 6:1-Endstand nach. Und das war für die Nordiren sogar noch ein ziemlich gutes Resultat.

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