Sport : Die Ruhe nach dem Tor

Real Madrid redet sich Selbstvertrauen ein

Klaus Raab

München - Es klang wie eine Drohung in der fast leeren Allianz-Arena, als Roberto Carlos einen Ball aus 20 Metern an die Bande donnerte: Wir kommen, hieß das, und es wird knallen! Im Moment darauf aber fingen in einer Kurve hinter dem Tor, in dem Torwart Iker Casillas trainierte, ein paar Fans von Real Madrid an zu singen. Jede Liedzeile hallte laut durch das Stadion, und Robinho sah sich auf der Suche nach der Lärmquelle verwundert um. Es war der FC Bayern München, der da in Gestalt von Real-Madrid-Fans antwortete: Kommt nur her, hieß das, Euch erwartet hier die Hölle! Vor dem Achtelfinalrückspiel in der Champions-League heute zwischen dem FC Bayern München und Real Madrid (ab 20.15 Uhr, live in Sat.1 und Premiere, Anpfiff 20.45 Uhr) warnte Raúl, der Kapitän der Madrilenen, seine Mitstreiter: „Die Allianz-Arena wird ein Hexenkessel. Hoffentlich werden unsere Tore Ruhe im Stadion schaffen.“

Sollte das Team von Trainer Fabio Capello aber so etwas wie Angst vor dem FC Bayern haben, dann hat es gelernt, sie zu vertuschen. Abwehrspieler Iván Helguera sagte: „Nachdem wir ein gut eingespieltes Team sind, würde ich sagen, dass wir mit Sicherheit nicht die Hosen voll haben.“ Ein wenig Unsicherheit, sagte Capello, habe das Team vielleicht gespürt, als die Bayern in Madrid aus einem vorentscheidenden 1:3 noch ein 2:3 gemacht hatten. „Doch morgen“, sagte er, und das ist heute, „wird das Ganze eher durch Selbstsicherheit gekennzeichnet sein.“

Es gibt spanische Fußballbeobachter, die das nur für eine Floskel halten in diesen Tagen, in denen Real Madrid nur Vierter in der Liga ist, die Champions-League fast als die beste Chance erachtet wird, in dieser Saison doch noch einen Titel zu holen, und Capello den Medien zufolge schon halb entlassen ist. Und so hob in der Pressekonferenz ein kurioses Geräusch an, als Capello sich zurücklehnte und den Zeigefinger um den Mund legte: ein Klickkonzert. Die Fotografen hatten alle gleichzeitig den Auslöser betätigt, denn die Geste zeigte den Trainer so, wie er derzeit gesehen wird: als Zweifler, der nicht weiß, was er tun soll, um den bekanntesten Fußballverein der Welt zu einem Titel zu führen.

Dabei bewies Capello im Presseraum der Allianz-Arena, dass er ein echter Künstler ist – im Ausweichen bei Fragen. Ob weitere Spieler neben José Antonio Reyes, David Beckham und Cicinho verletzt seien? „Ein paar sind angeschlagen, aber wir haben ja noch 24 Stunden Zeit“, sagte er. Wie schlimm Beckhams Fehlen sei? „Er ist ein guter Spieler, aber dass er verletzt ist, heißt nicht, dass unser Spiel schlechter wird.“ Aussagen, die wenig ergiebig sind. Vielleicht aber war genau das Capellos Aussage: dass sich Real den fußballerischen Inhalt für heute aufgehoben hat. Und „wenn Real in München weiterkommt und am Samstag das Derby beim FC Barcelona gewinnt, wird in Madrid niemand mehr von einer Krise reden“, ahnt zumindest die spanische Zeitung „El Mundo“.

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