Sport : „Die waren nett zu mir“

Erfahrungen eines Zweitliga-Spielers im DFB-Team

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Herr Keller, was halten Sie von Patrick Helmes?

Wer soll das sein?

Patrick Helmes, der Stürmer vom Zweitligisten 1. FC Köln?

Sagt mir nichts. Ich lebe seit elf Jahren in Kapstadt, wir betreiben hier ein Hotel, da bekomme ich von der Zweiten Liga nur die Ergebnisse mit. Leider. Ich bin ja noch ein bissl ein Löwen-Anhänger.

Helmes ist gerade für die Nationalmannschaft nominiert worden. Wie schafft man das: aus der Zweiten Liga in die Nationalmannschaft?

Ich kann Ihnen sagen, wie ich es geschafft habe: dadurch dass ich im Verein sehr gute Leistungen gebracht habe und sehr viele Tore geschossen habe.

Erinnern Sie sich an Ihre Nominierung?

Natürlich. Tags zuvor hatten wir mit der B-Nationalmannschaft in Augsburg ein Spiel gegen Österreich. Da habe ich ein Superspiel gemacht und ein Tor beim 2:0 geköpft. In der Halbzeit kam der Bundestrainer Helmut Schön in die Kabine und hat mir gesagt, ich solle mit zur A-Nationalmannschaft nach Wien fahren.

Das kam also überraschend für Sie.

Na ja, im Winter hatten wir mit 1860 München bei einem Hallenturnier in Wien gespielt, wir sind Dritter geworden, und als wir später noch beim Heurigen zusammen saßen, hat unser Trainer Max Merkel zu mir gesagt: Ferdinand, wenn du mit dem Rauchen aufhörst, kannst du schon im Frühjahr Nationalspieler sein. Da hab ich halt aufgehört. Ich hab sowieso nicht so viel geraucht.

Sie haben 1975 debütiert, in der goldenen Zeit des deutschen Fußballs. Waren die Verletzungssorgen so groß, dass Schön einen Stürmer aus der Zweiten Liga brauchte?

Eigentlich nicht. Der Gerd Müller hatte nach der WM 74 aufgehört, da wollte der Bundestrainer einige Kandidaten für seine Position ausprobieren.

Haben die gestandenen Nationalspieler ein bisschen abschätzig auf Sie herabgeblickt?

Überhaupt nicht. Die waren richtig nett zu mir. Ich kannte ja auch einige Spieler aus München, Sepp Maier und Franz Beckenbauer von den Bayern zum Beispiel. Gegen den Franz habe ich mit der TSG Pasing in der Jugend gespielt. Ich war eigentlich Mittelstürmer, aber gegen ihn musste ich immer als linker Verteidiger ran, weil sich kein anderer getraut hat.

Ihr erstes war auch Ihr letztes Länderspiel. Wieso sind es nicht mehr geworden?

Das hat sich eigentlich von selbst erledigt. Wir waren mit Sechzig Zweiter und sind dann immer weiter abgefallen. Wie hätte der Bundestrainer denn das erklären sollen? In der Bundesliga gibt es 18 Mittelstürmer, und er nimmt einen, der bei einem mittelmäßigen Zweitligisten spielt.

Was raten Sie Patrick Helmes, damit ihm eine längere Karriere in der Nationalmannschaft beschieden ist als Ihnen?

Dass er sich normal verhält. Offensichtlich hat er das ja gut gemacht, sonst wäre er nicht nominiert worden. Wenn er seinen Weg weitergeht und mit Köln aufsteigt, wird das schon werden.

Und wenn Köln nicht aufsteigt: Sollte er dann zu einem Bundesligisten wechseln?

Ich glaube schon. Das wäre bei mir vielleicht auch angebracht gewesen.

Die Fragen stellte Stefan Hermanns.

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