Dirk Nowitzki zu Besuch am Ostbahnhof : Tipps von der NBA-Legende

Dirk Nowitzki ist zu Besuch am Ostbahnhof. Dort bringt er sich als Hilfe für das deutsche Team ins Spiel.

Leonard Brandbeck
Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des deutschen Basketball. Dirk Nowitzki (l-r), Dennis Schröder und Moritz Wagner im Rahmen eines Basketballfestivals.
Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des deutschen Basketball. Dirk Nowitzki (l-r), Dennis Schröder und Moritz Wagner im Rahmen...Foto: Jörg Carstensen/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Im Wriezener Karree 15, gelegen hinter dem Ostbahnhof, war zu DDR-Zeiten einmal ein Papierlager beheimatet. Inzwischen ist das längst Geschichte, jetzt hat man das alte Fabrikgelände zu einer Eventlocation umfunktioniert. Wo sich früher die Papierrollen stapelten, ist an diesem Samstag Parkett ausgerollt worden. Zwei Korbanlagen hat man aufgestellt, alles fein ausgeleuchtet. Es ist ein räumlicher Spagat zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Das passte auch zu dem, was dort am Samstag geboten wurde. Denn auf Initiative ihres Ausrüsters gab es Besuch von Dirk Nowitzki, Dennis Schröder und Moritz Wagner. Und die drei Stars aus der NBA, der größten Basketball-Liga der Welt, sind hierzulande die Gesichter ihres Sports: Die Legende Dirk Nowitzki, 41, hat den deutschen Basketball in der Vergangenheit geprägt, Dennis Schröder, 25, tut es als aktuell bester deutscher Spieler in der Gegenwart und die Berliner Nachwuchshoffnung Moritz Wagner, 22, vielleicht bald in der Zukunft.

Etwa 100 ausgewählte Nachwuchsspieler aus Berlin durften mit den drei Protagonisten auf dem Parkett stehen. Es gab Fragerunden und einen Haufen Fotos, trainiert und gespielt wurde aber auch. Wagner und Schröder gaben sich auch selbst die Ehre. Doch überstrahlt wurde das Ganze von Dirk Nowitzki.

„Dirk ist das Aushängeschild. Seine Karriere ist unglaublich gewesen“, sagte Dennis Schröder. Der Aufbauspieler zählt mit Maxi Kleber (Dallas Mavericks) und Daniel Theis (Boston Celtics) zu den etablierten deutschen Spielern in der NBA. In letzter Zeit hatte er viel Trubel. Anfang des Jahres wurde er Vater, vergangene Woche hat er geheiratet. Dazwischen wurde bekannt, dass sein Team, die Oklahoma City Thunder, vor einem großen Umbruch stehen. Doch wenn Nowitzki ruft, ist auch er mit dabei. „Er braucht das, damit er sieht, wie sehr ihn Deutschland vermissen wird“, sagte er. „Deswegen bin auch hier, um ihm das zu zeigen.“

Nowitzki erwägt, das deutsche Team zu unterstützen

Ähnlich geht es Moritz Wagner. Sein Name neben dem von Dirk Nowitzki? „Das ist ein bisschen absurd“, sagte er. Wagner zählt zu den jungen deutschen Talenten in der NBA, wurde aber wie sein deutscher Teamkollege Isaac Bonga, 19, zuletzt aus Los Angeles nach Washington getradet. Dort will er in der kommenden Saison den Durchbruch schaffen. Auch Isaiah Hartenstein, 21, hofft bei den Houston Rockets auf den nächsten Schritt. Und mit David Krämer, 22, hat gerade erst ein weiterer junger deutscher Spieler einen Vertrag bei den Phoenix Suns unterschrieben.

So breit aufgestellt war der deutsche Basketball vermutlich noch nie. Das sieht auch Nowitzki selbst so. Er glaubt, „dass wir mit den tiefsten Kader jemals haben“. Der steht jetzt vor seiner ersten größeren Aufgabe: Ende August beginnt in China die Weltmeisterschaft. Da winkt die Qualifikation für Olympia. „Ich hoffe, dass sie sich diesen Traum erfüllen können“, sagte Nowitzki am Samstag.

Für ihn ist nach zwei Jahrzehnten Basketball nun aber Pause angesagt. Perspektivisch will er wieder bei seinem früheren Team, den Dallas Mavericks, eine Rolle hinter den Kulissen einnehmen. Doch auch den Basketball in Deutschland hat er auf dem Schirm: „Da will ich die Tür ein bisschen offen lassen“, sagte Nowitzki. „Wenn es einen Weg gibt, wie ich mithelfen kann, dann können wir natürlich gerne darüber reden.“

Auch im alten Papierlager waren seine Tipps sehr gefragt. Dort standen die nächsten Generationen bereit. Und ihre Ziele sind konkret: „Dieses Jahr noch einen Dunking schaffen“, „Physischen Basketball spielen“ oder „Meinen Drei-Punkte-Wurf verbessern.“ Das hatten sie auf die Banner in der Halle schreiben lassen. Die Voraussetzungen dafür waren im deutschen Basketball schon einmal schlechter.

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