Sport : Doha rechnet mit Berlin vor Paris

Die von Katar bezahlten German Open finden direkt vor den French Open statt

Frank Bachner[Doha]

Justine Henin presst die Lippen zusammen und hebt kurz die rechte Hand. Sie hat diesen hochkonzentrierten Blick, sie fixiert drüben, auf der anderen Seite des Netzes, Swetlana Kusnezowa, ihre Gegnerin. Henin hat Matchball, sie steht unmittelbar vor dem Finalsieg, aber sie hat auch einige Anhänger hier im Khalifa International Tennis Complex in Doha, Katar. Die stoßen ein paar Anfeuerungrufe aus, es ist nett gemeint, aber Henin fühlt sich gestört. Deshalb hebt sie die Hand. Nun ist es still im Stadion; Kusnezowa, die Russin, verschlägt einen Ball, dann ist Henin, die Belgierin, die Weltranglisten-Zweite, am Samstagabend um 222 000 Dollar reicher. So viel bekommt die Siegerin des WTA-Tennisturniers in Katar. Kusnezowa kassiert immerhin noch 117 000 Dollar.

Im kommenden Jahr werden die Schecks noch üppiger ausfallen. Scheich Mohammed Bin Faleh Al-Thani, der Präsident des Tennisverbands von Katar, will sein Turnier aufwerten, er wird deshalb das Preisgeld für die „Qatar Total Open“ fast verdoppeln. 2008 werden rund 2,5 Millionen Dollar augeschüttet. Zugleich werden die „Qatar Total Open 2008“ zum so genannten Tier-1-Turnier. Das ist die zweithöchste Kategorie, direkt unter den Grand-Slams. Vor allem aber ist es dieselbe Kategorie, die die German Open in Berlin jetzt schon haben. Und Besitzer dieses Turniers, das von 7. bis 13. Mai an der Hundekehle im Grunewald ausgetragen wird, ist ebenfalls der Verband von Katar.

Für Berlin ändert sich nichts, jedenfalls bis 2008. Auch das Preisgeld von 1,34 Millionen Dollar bleibt gleich. „Dann wird es zwei Tier-1-Turniere geben, in Doha und in Berlin“, sagt Scheich Mohammed Bin Faleh Al-Thani. Er sitzt auf dem weichen Polster eines riesigen Sofas, das beherrschende Möbelstück in seinem Empfangsraum im Stadion, gleich neben der Vip-Loge. Aber entscheidend ist: Was passiert nach 2008? Ab 2009 wird der Turnierplan der WTA völlig neu geschrieben. Und da ändert sich für Berlin wohl einiges. „So wie man uns bisher von der WTA gesagt hat, wird das Turnier in Berlin eine Woche vor den French Open stattfinden“, sagt der Scheich. Sowohl in Berlin als auch in Paris wird auf Sand gespielt. Bis jetzt lagen allerdings immer zwei oder drei Wochen zwischen diesen Terminen. „Man hat uns gesagt, dass es in Berlin keine Abstufung geben wird. Wir wollen die gleichen Teilnehmerfelder wie bisher“, sagt der Scheich.

Allerdings möchte der Männer-Tennisverband ATP vor den French Open ab 2009 ein kombiniertes Frauen- und Männerturnier. „Eine gute Idee“, findet der Scheich. „Aber nicht realisierbar für Berlin. Man brauchte dafür ein größeres Stadion.“ Damit ist aber nicht geklärt, ob Berlin als reines Frauenturnier trotzdem den Termin vor den French Open erhält. Schon als reines Frauenturnier macht Berlin Verlust. Auch 2006 gab’s rote Zahlen, und deshalb fordert Scheich Al-Thani: „In Berlin müssen Firmen mehr Engagement zeigen.“ Immerhin, sagt er, „hat der RBB versprochen, 2007 die Halbfinals und das Finale live zu übertragen“. Regional zwar nur, aber das ist erheblich mehr als 2006.

Auf jeden Fall, versichert der Scheich, „werden wir Berlin nicht ohne internationales Turnier lassen. Das haben wir versprochen.“ Weniger Klarheit hat er für seine eigenen Turniere nach 2008. Gut möglich, dass das ATP- und das WTA- Turnier in Doha nicht mehr im Januar und Februar stattfinden, sondern dass plötzlich im Herbst gespielt wird. Nur eines ist ausgeschlossen. „Im Sommer findet hier nichts statt. Da ist es zu heiß.“

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