44 russische Leichtathleten wurden bereits wegen Dopings aus dem Verkehr gezogen

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Dopingkampf in Russland : Kontrolle ist gut
Reinhard Sogl

Der zögerlich und spät aufgenommene Kampf gegen den Sportbetrug trägt inzwischen Früchte, auch wenn Kritiker meinen, dass die ganz spezielle Ernte noch viel reicher ausfallen müsste. Dass sich die Titelverteidigerinnen Tatjana Lysenko (Hammerwerfen) und Maria Abakumowa (Speer) auch in dieser Saison wieder rarmachten, erfüllt die deutschen Konkurrentinnen Betty Heidler und Christina Obergföll mit Argwohn. Aber immerhin sind derzeit 44 russische Leichtathleten wegen Dopings aus dem Verkehr gezogen, teilweise aufgeflogen auch bei Tests durch IAAF-Kontrollen – meist Sportler aus der zweiten oder dritten Reihe, es finden sich aber auch die Namen von Diskuswerferin Daria Pischtschalnikowa, die ihre olympische Silbermedaille von London 2012 zurückgeben musste, und jener von 800-Meter-Europameisterin Jelena Arschakowa auf der schwarzen Liste.

Helmut Digel, das deutsche Mitglied im Council der IAAF, wertet die hohe Zahl positiver Fälle im WM-Gastgeberland durchaus positiv. „Es ist nicht fair, Länder an den Pranger zu stellen, bei denen viele Fälle aufgedeckt werden“, sagt Digel. „Es spricht für die Wirksamkeit der Kontrollen. Die russischen Athleten sind die vielleicht am meisten kontrollierten der Welt.“ Das stimmt fast. 14,2 Prozent der rund 4000 Tests, die die IAAF im vergangenen Jahr veranlasste, entfielen auf Russland. Nur kenianische Athleten wurden noch öfter kontrolliert (14,7 Prozent).

Kein Ruhmesblatt ist für den WM-Gastgeber, dass sich in der aktuellen Weltrekordliste noch acht Russen an der Spitze ihrer jeweiligen Sparte befinden. Die Hälfte dieser Bestmarken stammt aus der Hoch-Zeit des Anabolika-Dopings, darunter die 7,52 Meter von Weitspringerin Galina Tschistjakowa von 1988 und die noch ein Jahr ältere Kugelstoß-Weltbestleistung von Natalja Lissowskaja – utopische 22,36 Meter.

Luschniki, wie das große Sportareal am Ufer der Moskwa heißt, bedeutet übrigens „überschwemmte Wiese“. Ob diese am Samstag beginnende Weltmeisterschaft wie weiland Olympia als großer Dopingsumpf in Erinnerung bleibt, liegt aber wohl kaum nur an den russischen Athleten. Mit den Olympischen Spielen 1988 in Seoul etwa verbinden viele vor allem den Dopingfall des 100-Meter-Siegers Ben Johnson.

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