Weihnachtsmänner, Herzensbrecher und Aufholjagden

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Dortmund gegen Schalke : Hundebisse, Kinnhaken und Nebelkerzen
Tobias Finger

6. Kopfball vom Weihnachtsmann

Auch der ehemalige deutsche Nationaltorhüter spielte mal auf Schalke und gewann mit den „Eurofightern“ 1997 den Uefa-Cup. In der darauffolgenden Saison kam es dann zum Duell mit Champions-League-Sieger Dortmund. Als wäre das noch nicht genug Spektakel, musste Lehmann noch einen draufsetzen. 34 Bundesligasaisons waren gespielt, fast 33 000 Tore gefallen. Und dann machte Lehmann ausgerechnet im Derby Sekunden vor Schluss per Kopf das erste Torwart-Tor aus dem Spiel heraus. Das Kunststück konnten bis heute nur zwei Keeper nachmachen. BVB-Chef Gerd Niebaum war es egal: „Da kommt so ein Weihnachtsmann daher und bringt uns um den Erfolg“, wetterte er in Anspielung auf den Schiedsrichterassistenten, der fälschlicherweise auf Ecke für Schalke entschieden hatte.

7. Meister der Herzensbrecher

Nach 49 Jahren konnte Schalke 2007 endlich mal wieder Meister werden, als Tabellenführer wollte der Klub am vorletzten Spieltag beim Erzrivalen alles klar machen. Was sollte auch schiefgehen? Bei den 18. vorangegangen Derbys hatte es schließlich nur einen Dortmunder Sieg gegeben. Der BVB war angesichts dieser Konstellation aber natürlich doppelt motiviert, dreifach, vierfach. Nach Toren von Alex Frei und Ebi Smolarek versauten sie Schalke tatsächlich den Titel. In seinem letzten Spiel für den BVB und drei Jahre vor seinem Wechsel zu Schalke bereitete Christoph Metzelder beide Tore vor. Mit Sebastian Kehl und Roman Weidenfeller ließ er T-Shirts drucken: „Meister der Herzensbrecher – zweizunull“. Die Dortmunder Fans charterten ein Flugzeug, dass ein Banner über Gelsenkirchen zog: „Ein Leben lang keine Schale in der Hand“.

8. Rache und Rassismus

Schalke wollte Rache – und bekam sie schon im nächsten Derby. Am zweiten Spieltag der Folgesaison endete die Begegnung mit Schalkes 500. Bundesligasieg 4:1. Grund zur Aufregung gab es dennoch: Gerald Asamoah beklagte eine rassistische Beleidigung durch Roman Weidenfeller. Der Dortmunder Torwart wurde zu einer Geldstrafe und drei Spielen Sperre verurteilt. Sein Klub versuchte ihn mit dem Hinweis darauf zu verteidigen, Weidenfeller habe „schwules Schwein“ gesagt.

9. 0:4? Egal!

2008 führte Schalke nach 54 Minuten 3:0, war 20 Minuten später nach Platzverweisen gegen Ernst und Pander aber nur noch zu neunt. Eine Minute vor Schluss glich Alex Frei zum 3:3 aus. Heiko Westermann sprach anschließend von den „kuriosesten 90 Minuten, die ich je erlebt habe“. Es war nicht die letzte Aufholjagd im Revier. Das Derby in der Hinrunde der vergangenen Saison wird vermutlich noch länger in Erinnerung bleiben. Nach 25 Minuten führte Dortmund zu Hause 4:0. Doch Schalke kam in der zweiten Hälfte zurück, Burgstaller, Harit und Caligiuri hatten bis zur 86. Minuten den Anschluss hergestellt. In der vierten Minute der Nachspielzeit kam Naldo zum Kopfball angeflogen. Der Rest ist Geschichte.

10. Aber bitte mit Fahne

Einfach nur das kaputte Dach der Arena auf Schalke von der Schneelast befreien sollte ein Mitarbeiter im Winter 2010. Gesagt, getan: Er kletterte hinauf, machte seinen Job – und steckte eine BVB-Fahne in das verbliebene Weiß. Kann man machen, kam auf Schalke aber nicht gut an. Resultat: Kündigung. In Sachen Fahnen steht es also quasi Unentschieden, seitdem Schalker Fans über der Südtribüne zwei Schalke-Banner hissten. Auch auf dem Rasen kann Schalke am Samstag ebenfalls gleichziehen: Aktuell stehen 32 Dortmunder Bundesliga-Derbysiegen 29 Unentschieden und 31 Schalker Erfolge gegenüber.

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