Sport : Dortmund sucht einen neuen Trainer

Magath oder von Heesen: Wer kommt für Röber?

Richard Leipold[Bochum]

Am Sonntagvormittag sah es nicht nur sonnig aus auf dem Übungsplatz von Borussia Dortmund, sondern auch nach Kontinuität – allerdings nur für eine Weile, wahrscheinlich nur für Stunden: Jürgen Röber leitete das Training. Wie viele Stunden hat die Nacht?, fragt ein Schlagerlied. Über dem BVB und seinem noch aktuellen Cheftrainer Jürgen Röber ist die Dämmerung hereingebrochen. Wie es scheint, ist es nur eine Frage von Stunden, im Höchstfall von Tagen, bis die westfälische Borussia abermals den Trainer wechselt.

Das 0:2 im Nachbarschaftsduell beim VfL Bochum brachte die Borussen noch mehr in Gefahr. Der Abstand zum Abgrund ist auf einen Punkt geschrumpft. Kurz nach dem Spiel in Bochum hatten die Verantwortlichen sich Treuebekenntnisse verkniffen. „Die Lage ist sehr ernst, wir müssen sie in Ruhe analysieren, aber an einer Trainerdiskussion werde ich mich nicht beteiligen“, sagte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. Stunden später waren diese Diskussion und vor allem die Suche nach einem Nachfolger für Röber intern schon in vollem Gange. Bisher sollte Thomas von Heesen die Lösung der Dortmunder Probleme sein, aber erst vom 1. Juli an. Mancher Insider vermutet sogar, der Ostwestfale habe beim hundert Kilometer westlich gelegenen Renommierklub schon einen Vertrag unterzeichnet.

Die Bereitschaft von Heesens, sofort zu helfen, scheint allerdings nicht uneingeschränkt vorhanden zu sein. Am Sonntag jedenfalls ist es Watzke noch nicht gelungen, den schon vor Monaten als „ersten Ansprechpartner“ ausgerufenen Wunschkandidaten für einen vorzeitigen Eintritt in das Dortmunder Fußball-Unternehmen zu begeistern. Watzke warnte davor, „von Heesen als einzige Option zu sehen“. Nach Informationen dieser Zeitung ist auch Felix Magath, der vor kurzem vom FC Bayern entlassen wurde, ein Kandidat für den BVB, offenbar ist er sogar der Favorit.

Ob von Heesen, wie vielfach kolportiert, schon einen Vertrag in Dortmund unterschrieben hat oder nicht – für ihn stellt sich letztlich nur eine Frage: Gehe ich sofort nach Dortmund oder gar nicht? Falls er sich als Nothelfer verweigert, steht er als Drückeberger da, zu Beginn der nächsten Saison könnte er sich in Dortmund nicht mehr sehen lassen, was immer er ausgehandelt hat; für die Zweite Liga dürfte sein Vertrag ohnehin nicht gelten.

Röber indes wirkt frustriert – und gibt auch zu, die Frage nach seinem Durchhaltewillen sei „berechtigt“. Seine versteinerte Miene auf dem Trainingsplatz sprach Bände. So schaut kein Trainer drein, der das Vertrauen seiner Vorgesetzten oder gar das seiner Mitarbeiter genießt. Wie alle anderen Angestellten durfte er am Tag nach dem Bochum-Spiel nichts sagen.

In Dortmund spricht die nackte Not für sich. Wie es scheint, hat Röber auch nichts mehr zu sagen. Eine Stunde nach der Partie in Bochum war der Trainer auf Distanz zur Mannschaft gegangen, wie es ein Mann in dieser Lage kaum tun würde, der noch ernsthaft daran glaubt, mit der Belegschaft eine Krisensituation bewältigen zu können. Die Mannschaft habe beim ersten Gegentor von Gekas, der später nochmals traf, alles falsch gemacht und gegen alle Vorgaben verstoßen, die er als Trainer die ganze Woche über und zuletzt noch in der Halbzeitpause gemacht habe, sagte Röber. Aus seinen Worten sprach Resignation. „Ich verstehe das nicht.“

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