Dritte Liga : Energie Cottbus geht den Weg der kleinen Schritte

Cottbus bestreitet zum Drittliga-Auftakt gegen Rostock das erste Profispiel seit zwei Jahren. Rund um den Klub herrscht Euphorie – doch der FC Energie kann sich keine großen Sprünge leisten.

Robert Fassbender
Abwehrstark. Marc Stein (links), der Kapitän des FC Energie Cottbus, hat wie sein Klub schon einige Jahre in der Bundesliga hinter sich – bei Hertha BSC und Hansa Rostock. Irgendwann will auch Cottbus wieder nach oben.
Abwehrstark. Marc Stein (links), der Kapitän des FC Energie Cottbus, hat wie sein Klub schon einige Jahre in der Bundesliga hinter...Foto: Christian Schroedter/Imago

Claus-Dieter Wollitz ist die Vorfreude auf Profifußball anzumerken. Nach zwei Jahren in einer manchmal schon skurril anmutenden Regionalliga, wo Wiesenhügel als Tribünen dienen, sind der FC Energie Cottbus und sein Trainer wieder zurück im Kreise der Profis. „Darauf freue ich mich“, sagt Wollitz.

Schon vor dem Saisonauftakt in der Dritten Liga an diesem Sonntag (13 Uhr) gegen Hansa Rostock ist einiges anders. So sind etwa die Vorverkaufszahlen deutlich besser als noch in Liga vier. Die Mannschaft von Claus-Dieter Wollitz aber ist noch die gleiche. Bis auf Daniel Stanese vom Drittliga-Rivalen VfR Aalen und Abdulkadir Beyazit vom Regionalligisten Babelsberg 03 ist der Kader kaum verstärkt worden. Eine Tatsache, die der sportlichen Führung nicht nur Beifall eingebracht hat. „In sozialen Netzwerken fragen manche, wie blöd man sein kann, keine neuen Spieler zu holen“, sagt Wollitz. „Wir haben aber eine Vorstellung von Fußball und davon, wie man Menschen begleitet. Und das werden wir umsetzen.“

Zu diesem Verständnis gehört in erster Linie, an die Spieler zu glauben, die dem Verein ein neues Gesicht gegeben haben. „Wenn wir denen jetzt kein Vertrauen entgegenbringen, würden wir fünf Schritte zurück machen, obwohl wir erst einen nach oben gegangen sind“, betont Wollitz. Da interessiert es ihn auch wenig, dass der Marktwert seines Teams mit derzeit 4,15 Millionen Euro der niedrigste der gesamten Liga ist, während Braunschweig mit mehr als zehn Millionen Euro den teuersten Kader unterhält. Wollitz betont: „Uns bringen Vernunft und Sachlichkeit weiter – und kein Top-Star.“

Der Marktwert des Energie-Teams mit derzeit 4,15 Millionen Euro der niedrigste der gesamten Liga

Wollitz ist seit seiner Rückkehr in die Lausitz im Frühjahr 2016 nie müde geworden, diese Strategie zu verteidigen. Es ist aber auch nicht so, dass sich ihm eine Alternative bieten würde. Der einstige Bundesligist hat seinen Vorsprung, dessen er sich mal gewiss sein konnte gegenüber anderen Vereinen, längst verspielt. Auch in finanzieller Hinsicht. „Die wirtschaftlichen Spielräume werden in der Dritten Liga nicht größer“, sagt FCE-Präsident Michael Wahlich. Die Klubs bekommen zwar mehr Fernsehgeld, „die Spieler haben aber auch nicht gesagt, dass sie nach dem Aufstieg auf Zuschläge verzichten.“ Und auch das Stadion, das dem Verein gehört, ist laut Wahlich „ein großer Ballast“.

Während sich die Mitaufsteiger aus Uerdingen und München mit Weltmeistern und Spielern aus der Zweiten Liga verstärken, begegnet Energie Cottbus dem Aufstieg also mit einem Sparkurs und einem anderen Arbeitsansatz. „Wir gehen mit offenen Augen und sauberen Ohren durchs Leben. Wir hören gut zu und können auch sehr gut umsetzen“, sagt der 53 Jahre alte Wollitz. „Wir wollen in 38 Spielen ein unbequemer Gegner sein. Laufstark, spielstark, top organisiert, mit einer top Einstellung und einem top Charakter. Und wir werden schon am Sonntag ein Statement abgeben.“

Auch beim ersten Gegner aber ist die Euphorie groß. Nach Rang sechs in der Vorsaison hat Hansa mit 3550 Dauerkarten nun so viele verkauft wie seit der Erstliga-Saison 2007/08 nicht mehr. Trotz namhafter Konkurrenz sind die Rostocker überzeugt genug, den Aufstieg als Ziel zu kommunizieren. Eine Entwicklung, die Wollitz Respekt abnötigt und als Vorbild dient: „Irgendwann wollen wir einen Tag vor dem Beginn der Saison auch wieder sagen, dass wir aufsteigen wollen in die Zweite Liga.“ Noch sei Cottbus davon aber weit entfernt. „Wir gehören meiner Meinung nach dorthin. Das geht aber nicht, indem man davon erzählt, sondern indem man bescheiden bleibt, den Weg der kleinen Schritte geht und Tag für Tag die richtigen Entscheidungen trifft.“ Damit kann Energie gleich am Sonntag anfangen.

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