• Düsseldorfs Trainer im Interview: Friedhelm Funkel: "Wir sind dabei, eine Sensation zu schaffen"

Düsseldorfs Trainer im Interview : Friedhelm Funkel: "Wir sind dabei, eine Sensation zu schaffen"

Friedhelm Funkel über seine Aufbauarbeit bei einem vor der Saison belächelten Aufsteiger, kontrollierte Aggressivität und das Spiel gegen Leverkusen.

Louis Richter
Friedhelm Funkel, 65, steht kurz vor dem Treppchen. Gegen Leverkusen hat er seinen insgesamt 801. Bundesliga-Einsatz als Spieler und Trainer. Damit zieht er mit Felix Magath gleich. Nur Otto Rehagel (1037) und Jupp Heynckes (1038) kommen auf noch mehr Spiele. Seit 1991 ist der NiederrheinerTrainer im Profifußball, zuvor spielte er 320 Mal in der Bundesliga.
Friedhelm Funkel, 65, steht kurz vor dem Treppchen. Gegen Leverkusen hat er seinen insgesamt 801. Bundesliga-Einsatz als Spieler...Foto: imago/Jan Huebner

Herr Funkel, am 11. Januar saßen Sie unter Tränen in Marbella und gingen davon aus, dass sie nach der Saison ein Rentner seien. Die Trennung vom Verein im Sommer stand bevor. Es kam anders, Sie einigten sich mit dem Klub und spielen nun eine starke Rückrunde. Hat der Vertragspoker gar keine Spuren bei Ihnen hinterlassen?

Nein.

Würden Sie diese Tage Mitte Januar als einige der aufregendsten Ihrer Karriere beschreiben?

Damit beschäftige ich mich nicht mehr. Wir schauen jetzt nach vorne.

Sie haben während dieser Zeit immer betont, wie wichtig es Ihnen ist, mit dem Trainer- und Funktionsteam arbeiten zu können, das Sie gerade beisammen haben.

Nicht nur damit, sondern auch mit der Mannschaft. Wir arbeiten seit drei Jahren als Mannschaft, Trainer- und Funktionsteam gut zusammen. Das ist das, was zählt.

Wie wichtig ist es bezüglich der Anforderungen des modernen Fußballs denn, ein Trainerteam beisammen zu haben, dem Sie uneingeschränkt vertrauen können?

Das war früher schon wichtig und ist es heute auch. Heute besteht das Trainerteam aber aus mehr Leuten. Als ich 1991 bei Bayer Uerdingen meine erste Stelle als Cheftrainer angenommen habe, waren wir zu zweit. Heute sind wir in Düsseldorf zu zehnt. Da ist das Vertrauensverhältnis natürlich umso wichtiger. Aber das ist bei der Fortuna einfach gegeben. Der ganze Stab kommt auch menschlich sehr, sehr gut miteinander aus.

Früher zu zweit, heute zu zehnt: Haben Sie also weniger zu tun?

Ich habe nicht weniger, aber dafür mit anderen Dingen deutlich mehr zu tun. Ich kümmere mich mehr um die Öffentlichkeitsarbeit oder treffe mich mit Sponsoren – neben der Trainerarbeit. Ich bespreche aber die ganze Woche mit dem Trainerteam. Das bereitet dann die Woche komplett vor, das muss ich nicht mehr machen. Da sind wir alle auf einer Linie.

Ihre Mannschaft gehört zu den älteren der Bundesliga. Gegen Hoffenheim boten Sie in der Rückrunde die drittälteste Startelf aller Teams der laufenden Saison auf. Ist Erfahrung im Abstiegskampf also Trumpf?

In Hoffenheim saßen mit Dodi Lukebakio und Aymen Barkok aber auch zwei junge Spieler vorerst auf der Bank. Hinzu kommt ein Marcel Sobottka, der lange verletzt war. Wir haben also eher eine sehr gute Mischung. Wenn man viele erfahrene Spieler hat, hilft das aber vor allem in schwierigen Situationen. Und die hatten wir in der Hinrunde, als wir zum Beispiel sechs Partien in Serie verloren haben. Aber seit dem zehnten Spieltag gehören wir zu den drei erfolgreichsten Mannschaften der Bundesliga. Das zeigt, dass das Team gemeinsam mit dem Trainerstab die Kurve bekommen und viele Dinge richtig gemacht hat. Daher haben wir jetzt auch schon 25 Punkte.

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Nach eben jenem zehnten Spieltag standen Sie mit fünf Punkten auf dem vorletzten Platz. Nun haben Sie zehn Punkte Vorsprung auf Platz 16. Was haben Sie seitdem anders gemacht?

Wir haben die Ruhe behalten und immer Vertrauen in unsere Mannschaft gehabt. Dass wir vor der Saison eine realistische Einschätzung bezüglich unserer Möglichkeiten getroffen haben, hat uns ebenfalls geholfen. Da haben wir darüber gesprochen, dass wir fünf oder sechs Spiele in Folge verlieren könnten und dass das keine Überraschung wäre. Dass wir aber auch Spiele gegen Favoriten gewinnen können, wussten wir auch. Das habe ich alles vor der Saison gesagt, weil ich all das als Trainer bereits erlebt habe und es meinen Spielern somit glaubhaft vermitteln kann. Als wir dann wirklich in ein Tief gefallen sind, haben wir uns wieder rausgekämpft, indem wir viel trainiert und nie den Glauben an uns verloren haben. Mit dem Spiel gegen Hertha BSC, das wir 4:1 gewonnen haben, ist der Glaube auch endgültig zurückgekehrt.

Am achten Spieltag setzte es eine 1:7-Niederlage bei Eintracht Frankfurt. Wie kann man sich den Zustand einer Mannschaft nach so einem Erlebnis vorstellen?

Sie war natürlich enttäuscht und niedergeschlagen. Man kann die Mannschaft aber nicht öffentlich kritisieren. Intern haben wir sehr ernst über dieses Spiel gesprochen und den ein oder anderen Entschluss für das nächste Spiel herbeigeführt. Dafür haben wir ein anderes System gewählt. Auch das Spiel haben wir verloren (0:3 gegen Wolfsburg, Anm. d. Red.), aber da konnte man schon ein ganz anderes Auftreten beobachten. Ich kann sehr, sehr gut einschätzen, ob sie alles gibt. Dass sie das tut, ist immer erst mal das Wichtigste. Deswegen stehen auch die Fans so hinter uns. Man hat in der laufenden Saison noch nicht ein Mal unzufriedene Fortuna-Fans gesehen. Weil sie unseren Weg mitgehen und wissen, dass wir den kleinsten Etat der gesamten Bundesliga haben. Weil sie wissen, dass wir wieder in die Zweite Liga absteigen können. All das hat dazu geführt, dass Fans und Mannschaft unglaublich eng zusammengerückt sind. Deswegen sind wir jetzt auch auf dem Weg, eine Sensation zu schaffen.

Mit der „Sensation“ meinen Sie den Klassenerhalt?

Ja, natürlich. Es wäre eine große Sensation, wenn wir in der Liga bleiben würden. Das haben wir vor der Saison gesagt und sagen das jetzt auch.

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