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Durch Eigentor von Niklas Stark : Hertha BSC verliert 0:1 beim VfB Stuttgart

Hertha BSC war gegen den VfB Stuttgart die bessere Mannschaft. Doch das Tor durch einen Berliner fiel auf der falschen Seite.

Mario Gomez ist zurück in Stuttgart, den Siegtreffer für den VfB erzielte jedoch Herthas Niklas Stark per Eigentor.
Mario Gomez ist zurück in Stuttgart, den Siegtreffer für den VfB erzielte jedoch Herthas Niklas Stark per Eigentor.Foto: Marijan Murat/dpa

Niklas Stark protestierte instinktiv. Sein Gegenspieler hatte ihn mit dem Fuß an der Stirn getroffen. „Ich wusste gar nicht, wo ich war“, berichtete der Verteidiger von Hertha BSC nach dem Spiel. Vor allem hatte er keine Ahnung, warum die Spieler des VfB Stuttgart um ihn herum jubelten. "Was ist denn hier los?", fragte Stark seinen Kollegen Mitchell Weiser. Die Aufklärung dürfte ihn noch einmal geschmerzt haben. Beim Versuch, gegen Mario Gomez zu retten, hatte er den Ball optimal erwischt, er streichelte ihn nur kurz und schickte ihn in einer perfekten Flugkurve über seinen Torhüter Rune Jarstein ins eigene Tor. Es war gut zehn Minuten vor dem Ende der einzige Treffer, der dem Berliner Fußball-Bundesligisten beim Abstiegskandidaten VfB Stuttgart folglich eine 0:1 (0:0)-Niederlage bescherte. „Es ist ein bisschen unglücklich gelaufen“, sagte Stark über seinen Moment der Orientierungslosigkeit.

Kann man so sehen. Als Fabian Lustenberger später mit der Ansicht konfrontiert wurde, dass es eigentlich ein typisches 0:0-Spiel gewesen sei, intervenierte der Schweizer sofort. Stimmt nicht, entgegnete er, „wir hätten gewinnen müssen“. Aber dazu fehlten in der ersten Halbzeit die Tore – und in der zweiten Halbzeit der nötige Offensivdrang. Nach 14 Spielen blieben die Berliner erstmals wieder ohne eigenen Treffer, während der VfB nach vier Niederlagen hintereinander ein wichtiges Erfolgserlebnis feierte – auch wenn der Gegner beim 1:0 ein bisschen mithelfen musste. „Ich sehe es nicht so, dass es ein unverdienter Sieg war“, sagte Mario Gomez, der am einzigen Tor zumindest mittelbar beteiligt war. Stark hatte ihn im Strafraum geklammert, „der Schiedsrichter hatte schon die Pfeife im Mund“, berichtete der Berliner später. Es hätte wohl Elfmeter gegeben, dazu vermutlich Rot für Herthas Verteidiger. Immerhin das blieb Stark erspart.

Die Stuttgarter Fans murrten schon früh im Spiel

Trotzdem war es ein unerquicklicher Nachmittag für die Berliner – weil sie den VfB nach etwas mehr als 20 Minuten eigentlich genau da hatten, wo sie ihn haben wollten. Auf den teureren Plätzen wurde schon lustvoll gebruddelt. „Des isch abgrundtief schlecht“, schimpfte jemand auf der Haupttribüne. Die Hemmschwelle, das eigene Team mit Pfiffen zu begleiten, war erstaunlich niedrig, jeder Querpass wurde mit deutlich vernehmbaren Grummeln bedacht.

Hertha ging die Angelegenheit mit der nötigen Seriosität an. Das reichte, um die erste Hälfte klar zu dominieren. Mathew Leckie hatte schon in der achten Minute die erste gute Gelegenheit, als er nach einer Flanke von Marvin Plattenhardt jedoch unter dem Ball hindurch sprang. Das war typisch für Hertha. Es fehlte nicht viel – aber es fehlte eben etwas. Valentino Lazaro traf den Pfosten, Kalou scheiterte nicht nur nach einem Konter an Torhüter Ron-Robert Zieler, er vergab auch kurz vor der Pause die beste Gelegenheit, als er, völlig freistehend, einen Kopfball über das eigentlich leere Tor setzte.

So viel Offensivgeist hätten sich die Stuttgarter unter den 57.181 Zuschauern von ihrer Mannschaft gewünscht. Ihre Hoffnungen ruhen vor allem auf Mario Gomez, der nach achteinhalb Jahren erstmals wieder das Trikot des VfB trug. Aber der Nationalspieler muss auch entsprechend eingesetzt werden. Daran haperte es noch. Die Stuttgarter taten sich schwer mit dem Spielaufbau. Gomez setzte in der Anfangsphase einen Kopfball neben das Tor, nach einer halben Stunde lenkte er den Ball an Torhüter Jarstein vorbei ins Netz – der Treffer zählte wegen einer Abseitsposition zurecht nicht.

Die zweite Halbzeit begannen Herthas Spieler so, als hätte Pal Dardai ihnen in der Pause noch einmal nachdrücklich erklärt, dass der VfB nun wirklich kein Gegner ist, vor dem man übermäßig viel Angst haben muss. Sie rückten weiter auf und versuchten verlorene Bälle gleich wieder zurückzuerobern. Aber das blieb nur eine Episode. Nach einer guten Stunde brachte Stuttgarts Trainer Hannes Wolf Daniel Ginczek, der nicht nur die alte Rückennummer von Mario Gomez trägt, sondern auch ein ähnlich veranlagter Stürmertyp ist. Zwei Mal Wuchtbrumme ergibt nicht zwingend doppelte Wucht – aber die Stuttgarter wirkten nun entschlossener, auch wenn ihnen längst nicht alles gelang. Selbst für das einzige Tor benötigten sie fremde Hilfe. Trotzdem war es offensiv deutlich mehr als das, was Hertha nach der Pause zu Wege brachte. Nämlich gar nichts.

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