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EHF-Pokal : Füchse Berlin ziehen ins Finale ein

Die Handballer von Trainer Velimir Petkovic schlagen Ligakonkurrent Frisch Auf Göppingen mit 27:24. Ein rein deutsches Endspiel verhindert ein französischer Klub.

Am Ende obenauf. Joahn Koch im weißen Trikot und die Füchse Berlin schlagen Frisch Auf Göppingen im Halbfinale des EHF-Cups.
Am Ende obenauf. Joahn Koch im weißen Trikot und die Füchse Berlin schlagen Frisch Auf Göppingen im Halbfinale des EHF-Cups.Foto: imago/Eibner

In der Retrospektive eines Handball-Spiels ist es fast unmöglich, auf Anhieb die entscheidende Szene zu benennen, weil die Sportart so schnell, erbarmungslos und ereignisreich ist. Das Halbfinale des EHF-Cups zwischen den Füchsen Berlin und Bundesliga-Mitstreiter Frisch Auf Göppingen bildete da am Samstag die große Ausnahme, bei der Frage nach dem Schlüsselmoment herrschte jedenfalls Konsens. Er spielte sich in der 25. Minute ab: Füchse-Keeper Silvio Heinevetter hatte bis dahin einen äußerst gebrauchten Tag erwischt und machte folgerichtig Platz für Kapitän und Alterspräsident Petr Stochl. Der 42 Jahre alte Tscheche fügte sich sogleich mit einer spektakulären Parade ein und gab seinen Kollegen damit einen Impuls, an dem sie sich nach einer schwachen ersten Halbzeit berauschten. 

Gut eine Stunde später stand der dritte Einzug der Berliner ins EHF-Cup-Finale nach 2015 und 2017 endgültig fest. Beim Final Four in Magdeburg setzte sich das Team von Trainer Velimir Petkovic nach hartem Kampf mit 27:24 (13:13) gegen Göppingen durch. Im Endspiel am Sonntag treffen die Berliner nun auf St. Raphael. Der einzige Teilnehmer des Finalturniers, der nicht aus der Bundesliga kommt, hatte im ersten Halbfinale Gastgeber SC Magdeburg besiegt (28:27). „Wir haben uns lange Zeit nicht so präsentiert, wie man das vom Tabellendritten der Bundesliga erwarten darf, aber meine Mannschaft hat großen Charakter“, sprach Coach Petkovic, „jetzt müssen wir zusehen, dass wir so gut wie möglich regenerieren und dann sehen wir weiter.“ Für Petkovic ist das EHF-Cup-Finale 2018 bereits das achte Europapokal-Endspiel seiner Karriere.

Nach dem Seitenwechsel aggressivere Berliner Defensive

Auf dem Weg dorthin mussten sich die Berliner aber mächtig strecken. Keine 48 Stunden nach dem Bundesliga-Krimi gegen Hannover-Burgdorf (25:24) wurden sie in der Halle des alten Lieblingsrivalen aus Magdeburg zunächst mit einem gellenden Pfeifkonzert begrüßt; die neutralen Zuschauer unter den 7000 schlugen sich von Beginn an auf die Seite der Göppinger. Davon ließen sich die Berliner durchaus beeindrucken: Bereits nach wenigen Minuten war klar, dass die Partie niemals so deutlich enden würde wie das Punktspiel beider Abordnungen vor wenigen Wochen, das die Füchse mit 14 Toren Vorsprung für sich entschieden, im Gegenteil. 

„Gerade in der Anfangsphase haben wir viel zu wenig Emotionen gezeigt, alle saßen total brav auf der Ersatzbank“, sagte Abwehrchef Jakov Gojun. Die hohe Belastung der Berliner, die am Samstag ihr drittes Pflichtspiel binnen sechs Tagen bestritten, war ihnen deutlich anzumerken. Göppingen dagegen hatte zehn spielfreie Tage, um sich auf das Halbfinale vorzubereiten. „Und das haben sie richtig gut gemacht“, lobte Petkovic seinen alten Freund und Wegbegleiter, Göppingens Trainer Rolf Brack. Kurz vor der Pause führte das Team des Handball-Professors mit 13:10. In der Schlussphase des ersten Durchgangs nutzten die Füchse dann allerdings eine Überzahlsituation aus; kurz vor der Pause traf Fabian Wiede zum 13:13-Ausgleich. 

Nach dem Seitenwechsel wirkte die Berliner Defensive deutlich entschlossener und aggressiver. „Das war entscheidend und hat es mir auch leicht gemacht“, sagte Torhüter Stochl gewohnt selbstlos. Trotzdem dauerte es gegen widerstandsfähige Göppinger bis weit in die Schlussphase, ehe eine Entscheidung gefallen war. Den Schlusspunkt in einem nicht immer hochklassigen, aber äußerst unterhaltsamen Halbfinale setzte Hans Lindberg mit dem aus Berliner Sicht viel umjubelten Tor zum 27:24. „Am Sonntag müssen wir jetzt nicht über Schmerzen, Überbelastung oder sonstwas reden“, sagte Rückraumspieler Paul Drux abschließend, „dann geht es einzig und allein darum, wer den Titel mehr will.“

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