• Ehrhart Körting im Interview: „Menschen mit Behinderung gehören in unsere Mitte“

Ehrhart Körting über die Zusammenarbeit des Berliner Behindertensportverbands mit dem Landessportbund

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Ehrhart Körting im Interview : „Menschen mit Behinderung gehören in unsere Mitte“
Friedhard Teuffel

In der Politik wird viel gestritten. Erleben Sie im Behindertensport nun große Einigkeit und eine Solidarisierung gegen Ungerechtigkeiten von außen?
Es gibt nach meinen ersten Eindrücken schon einen starken Mainstream von Gemeinsamkeiten bei uns im Verband. Aber „Wir gegen die anderen Sportverbände“, so ist es nicht. Unser Vizepräsident Isko Steffan ist auch Vizepräsident des Landessportbunds. Wir gehören also dazu.

Sehen Sie aus der neuen Perspektive als Verbandspräsident jetzt etwas anders?
Ja, mir ist deutlich geworden, welche große Bedeutung der Rehasport hat. Unser Verband hat in den vergangenen Jahren von 10.000 auf 24.000 Mitgliedern zugenommen. Diese Entwicklung ist auch auf den Rehasport zurückzuführen. Rehasport wird häufig für eine begrenzte Zeit betrieben. Man hat einen Unfall, macht Sport und hört häufig wieder auf, wenn es einem besser geht. Aber es ist sehr schön, zu sehen, dass viele Leute auch nach dieser Zeit noch im Sport bleiben.

Profitiert denn der Rehasport auch von den Paralympics?
Das glaube ich schon. Wir haben ja viele paralympische Sportler, die durch Unfälle Menschen mit Behinderung geworden sind und es dann mit einer eisernen Disziplin überwunden haben und zum Beispiel Rennrohlstuhlfahrer werden. Das sind authentische Aushängeschilder für den Rehasport: Schau mal, das Leben ist nach einem Unfall nicht zu Ende.

Was haben Sie sich für Ihre Amtszeit als Präsident des Behindertensportverbands vorgenommen?
Wir haben einen leistungsfähigen Verband, das möchte ich erst einmal bewahren. Es gibt aber etwas, wofür ich mich zusätzlich einsetzen möchte. Bei Menschen mit Migrationshintergrund haben wir einen Nachholbedarf. Was den Sport betrifft, was den Behindertensport betrifft oder was andere ehrenamtliche Tätigkeiten wie das Engagement in Freiwilligen Feuerwehren betrifft. Da will ich mich in vielfältigen Gesprächen mit Migrantencommunitys einbringen.

Es ist oft schwer genug, Menschen mit Migrationshintergrund, zum Beispiel arabische Mädchen, überhaupt zum Sport zu bringen. Mit Behinderung erscheint das noch schwerer.
Da stoßen Sie teilweise auf Mentalitäten, die sich über Jahrhunderte herausgebildet haben. Da darf man auch nicht mit dem Zeigefinger hingehen, man kann es nicht oktroyieren. Ich brauche zweierlei: das Angebot und den Willen der Betroffenen. Deshalb will ich dafür werben, dass denen, die wollen, auch Mut von den Communitys zugesprochen wird.

Das Interview führte Friedhard Teuffel

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