Ein Erfahrungsbericht : Mit dem Tagesspiegel in Pyeongchang

Noch läuft die Bewerbungsphase für alle Nachwuchsjournalisten auf einen Platz im Redaktionsteam für Tokio 2020. Hier ein Erfahrungsbericht aus Pyeongchang.

Jana Rudolph
Schöne Erinnerung. Hier sieht man Jana (rechts) mit Lena Schröder. Die Norwegerin spielte als einzigste Frau im Para-Eishockeyteam der Männer mit.
Schöne Erinnerung. Hier sieht man Jana (rechts) mit Lena Schröder. Die Norwegerin spielte als einzigste Frau im Para-Eishockeyteam...Foto: promo

Jeder hat diese eine Erfahrung in seinem Leben gemacht, an die man sich immer wieder gerne zurückerinnert. Bei mir waren das 2018 die paralympischen Winterspiele in Südkorea. Rückblickend kann ich die Zeit in Pyeongchang als die wohl intensivste und prägendste Phase meines Lebens beschreiben – in der ich in vielen Aspekten über mich hinausgewachsen bin.

Damals war ich Teil des internationalen Redaktionsteams der „Paralympics Zeitung“, die seit 2004 vom Tagesspiegel und der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) herausgeben wird. Ich hatte mich dort um einen Platz beworben – und wurde ausgesucht! So richtig los ging es dann im November 2017 mit einem einwöchigen Vorbereitungsworkshop beim Tagesspiegel in Berlin. Dort lernte ich die anderen Nachwuchstalente aus verschiedenen Nationen kennen und wurde gemeinsam mit ihnen vom PZ-Team gecoacht: Wir bekamen Besuch vom Team der leidmedien.de, die uns über eine respektvolle Berichterstattung über Menschen mit Behinderung aufgeklärten. Wir besuchten das Unfallkrankenhaus in Berlin, wo wir mit Menschen gesprochen haben, die sich nach einem schweren Unfall in der Rehabilitation befanden. Und wir trafen Kirsten Bruhn, eine der erfolgreichsten Para-Schwimmerinnen aus Deutschland. Zum Abschluss des Workshops durften wir selbst in Rollstühlen Berlin erkunden – für mich eine spannende Erfahrung, da mir dadurch erst bewusst geworden ist, wie viele Barrieren es für Menschen mit Behinderung innerhalb der Stadt eigentlich gibt.

Gut vorbereitet ging es im März 2018 dann endlich nach Südkorea. Nach elf Stunden Flug machte sich Erschöpfung breit – doch gedämpft wurde die Vorfreude dadurch keineswegs. Gleich am nächsten Tag wurden die Paralympics feierlich mit einer großen Zeremonie eröffnet. Allein das Gefühl, in diesem Moment mit all den Athletinnen und Athleten vor Ort zu sein, war unbeschreiblich! Ebenso die Tatsache, dass man live bei all den Wettkämpfen dabei sein konnte, die man sonst nur im Fernsehen sieht. Wenn man nach einem Wettkampf in der Mixed Zone neben berufserfahrenen Journalistinnen und Journalisten auf ein Interview mit dem Athleten wartete, war das schon ein ganz besonderer Moment, der bei mir noch immer für Gänsehaut sorgt. Besonders gerne erinnere ich mich an das Deutsche Haus, das wir Redaktionsmitglieder abends abwechselnd besuchen durften. Dort traf man die sportlichen Größen in ihrem privaten Umfeld, aß und trank gemeinsam und hatte die Möglichkeit für längere und spannende Gespräche mit ihnen.

In meiner Zeit in Südkorea habe ich nicht nur viel journalistisches Handwerk gelernt, sondern vor allem auch realisiert, welchen enormen Stellenwert Sport für Inklusion einnimmt. Da die „Paralympics Zeitung“ sowohl in englischer, als auch in deutscher Sprache sowie der Sprache des Gastgeberlandes erscheint und auch unser Redaktionsteam international aufgestellt war, konnte ich meine Englischkenntnisse zudem deutlich verbessern. Außerdem habe ich gelernt, unter Zeitdruck zu arbeiten und mich auf mein Team zu verlassen – eine wertvolle Erfahrung, die mir noch heute zu Gute kommt. Wir waren eine tolle Gruppe und zu einigen halte ich bis heute Kontakt.

18 NachwuchsreporterInnen reisen für die „Paralympics Zeitung“ , herausgegeben vom Verlag Der Tagesspiegel und der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV), zu den Sommerspielen in Tokio 2020, um von dort über die Paralympics und die Geschichten hinter den AthletInnen zu berichten. Nähere Informationen zur Bewerbung finden Sie hier >>>>

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