Sport : Ein Liebling macht sich unbeliebt

Werders Fans feiern den kranken Klasnic – sein Klub ist weniger sentimental

Frank Hellmann[Bremen]

Seine Popularität ist ungebrochen. Ivan Klasnic, obwohl seit Wochen wegen einer schweren Nierenerkrankung zum Zuschauen verdammt, spielt bei Werder Bremen weiter einer Hauptrolle. Bevor die Bremer gegen ihren Lieblingsgegner VfL Bochum mit einem mühelosen 3:0 (1:0) deutliche Signale einer Formverbesserung aussandten und die Fans mit Emphase den dreifachen Torschützen Aaron Hunt feierten, setzte Werders Anhängerschaft am Samstagnachmittag im Weserstadion ein einmaliges Zeichen. Tausendfach hielten die Besucher grüne und weiße Pappschilder mit der 17, der Rückennummer des Kroaten, in die Höhe, dazu hallte minutenlanger Applaus durch das Stadion, den Klasnic auf der Ehrentribüne gerührt empfing.

Die gesamte Ostkurve überspannte überdies ein Transparent mit der Aufschrift: „Ivane, ti si dio od nas!“ – was auf kroatisch so viel heißt, wie: „Ivan, du bist ein Teil von uns“. Dazu stand auf einem anderen Plakat zu lesen: „Fans, Frau und Mannschaft sind bei dir.“

Das alles mag stimmen. Umso verwunderlicher war anschließend die Verstimmung bei Klaus Allofs, als der Sportchef auf die Personalie Klasnic angesprochen wurde. „Das Vertrauensverhältnis zu Ivan ist gestört“, erklärte Allofs, der schlecht gelaunt und ausgesprochen schmallippig von einem kurzen Gespräch mit dem Spieler berichtete. Die erste Unterredung seit Monaten verlief offenbar wenig zielführend. „Ivan wird von uns kein schriftliches Angebot bekommen“, sagte Allofs, der lapidar darauf verwies, dass dessen Anwalt Klaus-Peter Horndasch eines vorliegen habe, „da gehen wir mal davon aus, dass er es dem Spieler weitergibt“. Und weiter: „Er ist ein freier Mensch, er kann machen, was er will.“

Damit ist klar: Die Zeichen stehen auf Trennung, das Verhältnis Management und Spieler ist gestört, die Atmosphäre schwer belastet. Klasnic ist beleidigt und gekränkt und voraussichtlich im Sommer ohne Vertrag. Er selbst wollte sich zu seiner Situation am vergangenen Wochenende nicht äußern. Doch Hintergrund des Disputs dürfte folgender sein: Klaus Allofs ist es ein Gräuel, dass er wochenlang nur über den Anwalt von Klasnic kommunizieren durfte, der Geschäftsführung von Werder gar jüngst der Besuch im Krankenhaus untersagt wurde. Klasnic wiederum, der für Ehefrau Patricica und die erst elf Wochen alte Tochter gerade ein neues Haus in Bremen-Habenhausen hat bauen lassen, fühlt sich nicht ausreichend unterstützt. Der eigenwillige wie clevere 27-Jährige, der zu seinen letzten Vertragsverhandlungen 2004 ohne Berater aber mit Taschenrechner erschien, hatte schon in der Hinrunde seinem Unmut über seine Nichtberücksichtigung Luft gemacht. Zwölfmal kam Klasnic da in der Bundesliga zum Einsatz – als Aus- oder Einwechselspieler. Unter Freunden brüstete er sich damit, nächste Saison weg zu sein. Nicht nur der HSV hatte im Sommer um ihn gebuhlt.

Doch nun ist die Gemengelage eine andere. Ivan Klasnic ist schwer krank. Und nachdem sein Körper die Spenderniere seiner Mutter nach der Operation am 24. Januar wieder abgestoßen hatte, ist seine Genesung ungewisser denn je. Experten haben Zweifel – vorausgesetzt die zweite Transplantation glückt –, ob der Angreifer überhaupt je wieder Leistungssport betreiben kann. Würde Werder Bremen den Vertrag, der Klasnic pro Jahr rund 1,5 Millionen Euro einbrachte, verlängern, müsste ohnehin erst einmal weiter die Berufsgenossenschaft zahlen, so lange, bis der Spieler wieder am Trainingsbetrieb teilnimmt. Aus dem derzeitigen Zwist kann niemand als Sieger hervorgehen: Der Verein, der sich gerade vor den schweren Spielen am Donnerstag im Uefa-Cup bei Celta Vigo und am kommenden Sonntag beim FC Bayern eine gewisse Ruhe erhofft hatte, verliert an Ansehen und einen Publikumsliebling, der Profi zumindest ein weiteres Jahr finanzielle Absicherung.

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