• Ein russischer Mäzen soll's richten: Wie der KFC Uerdingen zurück in die Bundesliga will

Ein russischer Mäzen soll's richten : Wie der KFC Uerdingen zurück in die Bundesliga will

Einst spielte Uerdingen in der Bundesliga, dann folgte der Absturz in die Bedeutungslosigkeit. Jetzt will der Traditionsklub wieder groß rauskommen.

Hand drauf. Mäzen Michail Ponomarew (links) mit Geschäftsführer Nikolas Weinhart und Spieler Selim Gündüz.
Hand drauf. Mäzen Michail Ponomarew (links) mit Geschäftsführer Nikolas Weinhart und Spieler Selim Gündüz.Foto: imago images / Revierfoto

Das Grotenburg-Stadion in Krefeld ist zum Sinnbild für den heimischen KFC Uerdingen geworden. Für das, was der Fußballverein einmal war und wieder sein möchte. Bis 1996 spielte der Klub in der Bundesliga und war DFB-Pokalsieger sowie Halbfinalist des Europapokals der Pokalsieger. Es folgte der Sturz in die Bedeutungslosigkeit – ehe ein russischer Mäzen in der fünften Liga auf Uerdingen aufmerksam wurde und dem KFC in den vergangenen zwei Jahren zu einem rasanten Aufstieg bis in die Dritte Liga verhalf. Das nächste Ziel: die Rückkehr in den Profifußball.

Gelingen kann das nur mit einem Mann: Michail Ponomarew. Das Schicksal des KFC ist komplett an den Mäzen geknüpft – genau wie der Fortbestand der Grotenburg. Beim Trainingsauftakt Anfang dieser Woche brüllt Fan Kalle unaufhörlich einen Schlachtruf mit dem Satz „Der KFC gewinnt“. Aber gewinnt er wirklich? Nimmt man allein den Kader als Maßstab, klingt es realistisch, dass es noch weiter nach vorne geht – auch wenn Geschäftsführer Nikolas Weinhart sagt: „Wir wollen uns stabilisieren.“ Die großen Namen sind schon da: Besonders großes Interesse hat dem Klub die Verpflichtung des ehemaligen Bundesliga- und Nationalspielers Kevin Großkreutz eingebracht.

Dazu kamen Dominic Maroh vom 1. FC Köln und Stefan Aigner von Eintracht Frankfurt – um nur die bekanntesten zu nennen. Jetzt verpflichtete Uerdingen auch noch Jan Kirchhoff, der schon für Bayern München, Schalke und Mainz in der Bundesliga randurfte. Dank Spielern wie Kirchhoff wird der KFC wie in der vergangenen Saison den zweitteuersten Kader der Dritten Liga stellen – mindestens.

Die Spieler bekommen schnell mit, wer hier das Sagen hat. Beim Trainingsauftakt müssen sie alle bei Mäzen Ponomarew vorstellig werden, der neben Geschäftsführer Weinhart demonstrativ abseits der Trainerbänke steht. Fast demütig machen alle Spieler die paar Meter zu Ponomarew, um ihn per Handschlag zu begrüßen. Es ist ein schräges Bild, wie sie alle zu dem stämmigen Mann mit dem weißen Hemd, der blauen Jeans und den braunen Lederschuhen gehen.

In der ersten Pokalrunde gegen den BVB

An ihm liegt es auch, dass der KFC in den kommenden Spielzeiten nach Düsseldorf ausweicht. Seit dem Sommer 2018 sind die Heimspiele in Duisburg ausgetragen worden, jetzt ziehen die Uerdinger dorthin, wo der russische Mäzen auch den europäischen Sitz seiner Moskauer Consultingfirma hat. In der Stadt unterstützt er zudem die Eishockey- und Fußballerstligisten Düsseldorfer EG und Fortuna Düsseldorf.

Noch ist das Stadion, in dem seine Krefelder trainieren, passenderweise nicht mehr als eine Baustelle. Vereinzelte Schilder und Zäune zieren die Kurven, durch die Betonplatten hat sich längst Unkraut seinen Weg gebahnt.

Doch das Ziel ist, möglichst schnell nach Krefeld umziehen zu können, sobald die Sanierung der 91 Jahre alten Grotenburg abgeschlossen ist. Eigentlich sollte schon längst eine GmbH gegründet worden sein, um den Ausbau der Grotenburg auch für die Zweite und Erste Liga optimal managen zu können. Doch der angepeilte Eröffnungstermin wird sich noch einmal deutlich verschieben – jetzt gilt der Sommer 2021 als realistisch.

Zum ersten Drittliga-Heimspiel der neuen Saison Ende Juli werden nur rund 5000 Besucher in der 54 600 Zuschauer fassenden Düsseldorfer Arena erwartet, der KFC darf üblicherweise nur den Unterrang nutzen. Eine Ausnahme wird es sicherlich Anfang August geben, wenn Vizemeister Borussia Dortmund in der ersten DFB-Pokalrunde zu Gast ist. Dort trifft dann vor allem Kevin Großkreutz alte Bekannte wieder.

Großkreutz, der in Uerdingen nur „Fischi“ genannt wird – in Analogie zu seinem Instagram-Namen „fischkreutz“ – trainiert derzeit zwar nur individuell, wird aber rechtzeitig fit werden. Für Großkreutz ist das natürlich ein sehr attraktives Los. Jedenfalls können er und seine Uerdinger dann erstmals beweisen, wie stark sie wirklich sind.

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