Eine Frau als DFB-Präsidentin? : Logisch, denn Fußball ist keine Männersache

Inka Grings hat Recht mit ihren Aussagen zu fehlender Gleichberechtigung im Fußball. Schlimm genug, dass dies 2019 noch ein Thema ist. Ein Kommentar.

Inka Grings, Trainerin des SV Straelen, ist die erste Frau, die einen Trainerposten in der viertklassigen Regionalliga der Männer übernommen hat.
Inka Grings, Trainerin des SV Straelen, ist die erste Frau, die einen Trainerposten in der viertklassigen Regionalliga der Männer...Foto: Bernd Thissen/dpa

Es ist das Jahr 2019. Ein Jahr, in dem in Deutschland ernsthaft darüber diskutiert wird, ob eine Frau befähigt ist, die höchste Führungsposition in einem gesellschaftlich relevanten Konstrukt einzunehmen. Nein, es geht hier nicht um die katholische Kirche, die bis heute keine Frauen im Spitzenamt erlaubt.

Es geht um den größten deutschen Sportverband, den Deutschen Fußball-Bund (DFB). Ein Verband mit sieben Millionen Mitgliedern, rund eine Million davon sind Frauen. Tendenz steigend. Zwölf männliche DFB-Präsidenten gab es seit 1900, der Verband ist also im Verzug, wenn es um eine Chefin geht, findet die frühere Fußball-Nationalspielerin Inka Grings. „Die Zeit ist natürlich reif. Es hatten ja jetzt eine ganze Reihe von Männern die Gelegenheit zu zeigen, was sie können“, sagt die Trainerin eines Männer-Viertligisten.

Bis heute hin werden Sport treibende Frauen von vielen Männern belächelt. Mal weniger, wenn es etwa um Tennis geht, mal mehr, wenn es um Männerbastionen wie den Fußball gibt. Fußball-Bundesliga der Frauen? Zu wenig Niveau, zu wenig Zuschauer und so weiter, das Bild ist rund für viele Betrachter. Selbst coole Fußballnerds gönnen sich bei ihrem Kneipenabend nicht zu viele Frauen im Publikum. Die Weiber haben abzutauchen, wenn es ernst wird für die elf Freunde auf dem Platz.

Dass nun jedes Mal, wenn eine Frau eine Männermannschaft trainiert, ein Riesentheater veranstaltet wird, wie bei Imke Wübbenhorst (BV Cloppenburg) oder jetzt bei Grings vom Regionalligisten SV Straelen, ist in dieser Gemengelage nur so logisch wie diese männliche Skepsis unsinnig ist. Grings sagte im Interview mit der „Rheinischen Post“: „Wahnsinn, was sich vor allem Männer für Gedanken darüber machen, was ich für berufliche Qualifikationen habe.“ 

Andersrum ist es von jeher kein Problem, wenn ein Mann eine Frauenmannschaft trainiert. Warum ist das eigentlich normal? Fußball ist doch keine Blase außerhalb der Gesellschaft. Fußball muss und sollte in einer Demokratie nicht so wie die katholische Kirche spielen, nur mit Männern an der Spitze. Inka Grings hat Recht. Wichtiger: Sie muss Recht bekommen. Aus ihrer Sicht ist es absurd, dass sich Frauen im Jahr 2019 immer noch rechtfertigen müssten und es noch sehr viele Bereiche gebe, in denen sie noch nicht gleichgestellt sind.

Bis alle Menschen begriffen haben, dass es kein männliches Geschlechtsteil dafür aber einen klugen Kopf braucht, um eine Fußball-Mannschaft zu betreuen, wird es wohl noch eine Weile dauern. Es gab ja auch Zeiten, als auf Bundeskanzler ein Bundeskanzler folgte und nicht – wie jetzt wahrscheinlich – Bundeskanzlerin auf Bundeskanzlerin.

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