Eine WM macht noch keine Schule : Warum Handball es bei der Jugend schwer hat

Was hat die Handball-WM bewirkt und warum tritt der DHB so wenig an die Schulen heran? Drei Schüler berichten aus eigener Erfahrung.

Vincent Petzold Olympia Rumpf Oskar Wilms
Viele haben dem Nationalteam zugeschaut, doch ändert das etwas für den Handball. Jannik Kohlbacher (Mitte) bei der WM im Spiel um Platz drei gegen Frankreich.
Viele haben dem Nationalteam zugeschaut, doch ändert das etwas für den Handball. Jannik Kohlbacher (Mitte) bei der WM im Spiel um...Foto: Jonathan Nackstrand/AFP

Die Handball-Weltmeisterschaft hat in den vergangenen Tagen viele in Deutschland fasziniert. Doch was bleibt davon für die Sportart übrig? Spielt Handball bei uns für die Jugend überhaupt ein Rolle? Drei junge Praktikanten vom Tagesspiegel berichten aus eigener Erfahrung von ihren Schulen in Berlin und Köln.

Wir haben sieben Handballtore auf dem Pausenhof - aber da wird nur Fußball gespielt

Sind durch die Handball-WM irgendwelche Veränderungen beim Spielen auf dem Pausenhof zu erkennen? Oder wird der Fußball immer alles in Grund und Boden wälzen und auch demnächst überwiegen? Der Fußball ist immer schon der Nummer eins Sport auf dem Pausenhof gewesen. Ich denke, dass die Handball-WM keinen großen Umschlag bringen wird und sich daran nicht viel ändern wird. Trotzdem ist es komisch, dass bisher kaum bis gar kein Handball bei uns gespielt wurde, weil wir auf dem Pausenhof, bis auf zwei große Fußballtore, sieben Handballtore haben. Auf die wird trotzdem Fußball gespielt, weil sie einfach als Tore zum Draufspielen und nicht nur als Handballtore aufgestellt wurden.

Allgemein gibt es sehr viel mehr Jugendliche, die fußballinteressiert sind als welche, die Handball als ihren Sport Nummer eins sehen. Wir hätten auch schon begeistert werden können, weil wir auch schon in Sport am Anfang von diesem Schuljahr Handball hatten. Richtig begeistern konnten sich dafür aber nicht alle. 50 Prozent in der Klasse hatten Spaß, aber man hatte bei keinem so richtig das Gefühl, dass es jetzt jemandem die Augen geöffnet hat und ein verstecktes Talent oder ein neues Hobby hervorgebracht hat. Es war eher ein „Herumgespiele“, bei dem in 15 Minuten mit sehr viel Glück und einer ganz guten Mannschaft zwei Tore fielen. Aber ja, vor der WM konnte man doch ab und an ein paar Leute beobachten, die Handball gespielt haben.

Trotzdem wird sich der Handball an unserer Schule in Zehlendorf höchstwahrscheinlich nicht durchsetzen. Das ist einerseits schade für die, die das ganze gerne oder sogar im Verein spielen, aber der Großteil auf unserer Schule, was jetzt explizit Jungs angeht, ist einfach eher dem Fußball zugewandt.

Ich bin mal gespannt, wie lange diese Euphorie hält

Wenn sich dieser Hype jetzt durch die Handball-WM und vielleicht durch ein dadurch ausgelösten Wunsch, ein Spiel der Füchse Berlin zu sehen, ein wenig ausbreiten würde, könnte vielleicht auch mehr für die Popularität getan werden. So wird vielleicht trotz des überwiegenden Teils der Fußballanhänglichkeit eine zweite Interessenlage gebildet. Denn wenn dieser Hype so weitergeht, löst der Handball vielleicht in den nächsten Jahren den Fußball in der Pause ab und dann sind nicht mehr Cristiano Ronaldo und Lionel Messi die bewunderten Stars, sondern ein Paul Drux oder ein Fabian Wiede. Das ist vielleicht eine etwas weit hergeholte Theorie, aber ich denke nicht, dass sie unmöglich wäre, auch wenn sich Fußball hauptsächlich als Sport der Nation eingegliedert hat.

Auch bei mir in der Mannschaft geht es beim Training eigentlich nur um den Sport, den wir betreiben, also Fußball, oder um irgendwelche Videospiele. Aber plötzlich gab es dann doch ein paar Leute, die über Handball gesprochen haben. Das hat mich schon sehr verwundert, aber auch sehr gefreut, dass es nicht mal Tag ein Tag aus Videospiele sind, über die geredet werden.

Die meisten waren fasziniert von den schnellen Pässen und mit welcher Kraft die Handballer den Ball aus dem Handgelenk werfen könnten. Auch die Torhüterleistung von Andreas Wolff und anderen Keepern, die mit so manchen Reflexen fast unmöglich zu haltende Bälle hielten, wurde von ein paar Leuten angesprochen. Wenn man sich überlegt, dass bis dato Handball gar nichts in der Mannschaft verloren hatte, war es doch verwunderlich, was eine Heim-WM so alles anstellen kann.

Viele aus meinem Umfeld, die sonst wirklich nichts mit Handball zu tun haben, waren dann doch über die körperliche Härte der Spieler überrascht und meinten, dass sich die meisten Fußballer auch mal eine Scheibe davon abschneiden könnten. Da kann man dann wirklich glücklich sein, dass so manch ein Fußballer sich nicht Handballer als Beruf ausgewählt hat.

Ich bin mal gespannt, wie lange diese Euphorie hält, denn man weiß ja nie, ob das nicht in zwei Wochen wieder voll uncool ist.

Vincent Petzold, 14 Jahre alt

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