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„Einer der größten Spieler, die Deutschland hatte“ : Leiden und siegen - Bastian Schweinsteiger hört auf

Mit 35 Jahren erklärt der Weltmeister von 2014 seine Karriere als Fußballer offiziell für beendet – eine Würdigung.

Weltmeister! Bastian Schweinsteiger nach dem Finale 2014.
Weltmeister! Bastian Schweinsteiger nach dem Finale 2014.Foto: picture alliance / Marcelo Sayao

Das Gespür für den richtigen Moment hat Bastian Schweinsteiger am Ende seiner Karriere möglicherweise ein bisschen im Stich gelassen. Vielleicht hat er etwas zu lange gespielt, vor allem in der Nationalmannschaft. In diesem speziellen Fall aber hätte sein Timing kaum besser sein können.

Einen Tag, bevor die deutsche Nationalmannschaft in Dortmund gegen Argentinien antritt, hat Schweinsteiger mit 35 Jahren, nach 121 Länderspielen und Stationen bei Bayern München, Manchester United und Chicago Fire seine Zeit als aktiver Fußballer offiziell für beendet erklärt. So viele Spiele, doch mit keinem wird sein Name in Zukunft vermutlich stärker verbunden bleiben als mit dem siegreichen WM-Finale 2014 in Rio de Janeiro gegen Argentinien.

„Jeder hat ein Bild von ihm im Kopf“, hat Bundestrainer Joachim Löw über Schweinsteiger gesagt. Es ist ein Bild aus dem WM-Finale: „Das Gesicht blutüberströmt. Er steht immer wieder auf, kämpft bis zum Umfallen.“ Bastian Schweinsteiger war 2014 nicht der Kapitän der Nationalmannschaft, aber er war auch ohne Binde ihr emotionaler Anführer.

Nach schwerer Verletzung hatte er es erst auf den letzten Drücker überhaupt in den Kader geschafft; sich im Endspiel auswechseln zu lassen, war für ihn wohl auch deshalb keine Option. Es ist bezeichnend, dass der Schiedsrichter das WM-Finale abpfiff, unmittelbar nachdem Schweinsteiger nach einem Foul der Argentinier zum wiederholten Mal am Boden lag. Deutschland war Weltmeister – und Bastian Schweinsteiger, der Schmerzensmann des deutschen Fußballs, endgültig ein Held.

Bastian Schweinsteiger hat immer gezeigt, dass Siege ohne Leiden nicht möglich sind. Der Triumph des FC Bayern in der Champions League 2013 ist ohne die Niederlage im Jahr davor kaum denkbar, als ausgerechnet Schweinsteiger, der Ur-Bayer, im Finale dahoam gegen Chelsea den entscheidenden Elfmeter verschoss. Und auch dem WM-Titel 2014 mussten erst viele Erfahrungen des Scheiterns vorausgehen.

Posterboy – das war einmal

Schweinsteiger war der Posterboy dieser einst silbernen Generation, die das Ziel immer knapp verpasst hat. Genauso aber steht er jetzt für ihren Widerstandsgeist und Behauptungswillen. Nie trat er stärker zu Tage als im Endspiel von Rio, als Schweinsteiger gemeinsam mit Philipp Lahm, Per Mertesacker und Miroslav Klose seine womöglich letzte Chance auf den größten aller Titel entschlossen nutzte.

Wie viel wohl wären seine acht deutschen Meisterschaften mit den Bayern ohne den Erfolg in der Champions League und den WM-Titel wert? So aber hat Bastian Schweinsteiger seinen Platz in der Fußballgeschichte sicher.

Für Bundestrainer Löw war Schweinsteiger „einer der größten Spieler, die Deutschland hatte“. Jenseits seiner fußballerischen Fähigkeiten war es vor allem sein Charakter, der ihn aus der Masse herausgehoben hat. So wie aus dem zu Schnörkel neigenden Außenbahnspieler ein strategisch denkender Mittelfeldlenker wurde, so wurde aus Basti, der Hälfte des Komikerduos Basti & Poldi, im Laufe der Jahre eine respektable Persönlichkeit, der schon fast etwas Staatsmännisches anhaftete.

Dass Bastian Schweinsteiger mit zunehmendem Alter auch auf dem Platz ein wenig zu staatsmännisch auftrat, wird in der Gesamtbetrachtung seiner Karriere irgendwann nur noch eine untergeordnete Rolle spielen. Zu Recht.

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