Einer wie Sergej Bubka : Wie Armand Duplantis den Stabhochsprung verändert

Stabhochspringer Armand Duplantis stellt einen neuen Weltrekord auf. Er ist erst 20 Jahre alt – wirklich gewundert hat sich über diese Leistung aber niemand.

Lennard Renz
Der Überflieger. Armand Duplantis hat einen neuen Weltrekord im Stabhochsprung aufgestellt.
Der Überflieger. Armand Duplantis hat einen neuen Weltrekord im Stabhochsprung aufgestellt.Foto: Lukasz Szelag/AFP

Die Glückwünsche an Armand Duplantis kamen von höchster Stelle. „Fantastischer Job“, schrieb er. „Toll, dass die Leichtathletik solche Sportler hat.“ Sportler, wie Sergej Bubka selbst einer mal war. Der Ukrainer stellte in den 1980er- und 1990er-Jahren sage und schreibe 35 Mal einen neuen Weltrekord im Stabhochsprung auf.

6,14 Meter waren am Ende seine Bestmarke. Das sind drei Zentimeter unter dem Weltrekord, den am vergangenen Wochenende der für Schweden auflaufende Armand Duplantis beim Leichtathletik-Meeting in der polnischen Stadt Torun aufstellte.

Armand Duplantis verbessert Weltrekord von Renaud Lavillenie

Duplantis ist gerade mal 20 Jahre alt, aber wirklich gewundert hat sich über diese Leistung niemand. Sie hatte sich mehr als angekündigt. Schon im Alter von vier Jahren machte „Mondo“, wie er genannt wird, seine ersten Sprungversuche. Damals noch mit dem Besenstiel auf das Sofa im Wohnzimmer, später dann auf einer kleinen Stabhochsprunganlage im Garten seiner Eltern. Mit dreizehn Jahren hielt er bereits sieben Altersgruppenweltrekorde, mit dem Ziel, irgendwann auch den „richtigen“ Weltrekord stellen zu dürfen.

Am Samstag war es so weit. „Ich habe von diesem Moment geträumt, seit ich drei Jahre alt war“, sagte er, nachdem er im zweiten Versuch die Bestmarke des Franzosen Renaud Lavillenie von 2014 um einen Zentimeter verbessert hatte. „Seit ich in Windeln im Garten die ersten Sprünge gemacht habe, wollte ich der Beste werden, der jemals gelebt hat.“

Spätestens seit den Leichtathletik-Europameisterschaften 2018 in Berlin zählt Duplantis zu den Stars der Szene. In einem fantastischen Wettkampf holte er damals mit 6,05 Metern den Titel. Ein Jahr später bei den Weltmeisterschaften in Doha gewann er die Silbermedaille.

Junger Schwede. Armand Duplantis posiert stolz neben seinem Werk.
Junger Schwede. Armand Duplantis posiert stolz neben seinem Werk.Foto: Aleksandra Szmigiel/dpa

Seitdem der Sprinter Usain Bolt bei den Weltmeisterschaften 2017 in London seine Karriere beendete, sucht die Leichtathletik nach neuen Gesichtern, die die olympische Kernsportart nachhaltig prägen können. Armand Duplantis soll eines dieser Gesichter sein, denselben Sponsor wie Bolt hat er schon einmal. In einer Sache hat er dem jamaikanischen Sprinter sogar schon etwas voraus: Duplantis war bei seinem ersten Weltrekord jünger als Bolt.

Duplantis wird trainiert von seinem Vater Greg. Fairerweise muss man sagen, dass die Voraussetzungen kaum besser hätten sein können für Armand Duplantis. Sein Vater war selbst professioneller Stabhochspringer, seine Mutter Helena eine erfolgreiche Siebenkämpferin für Schweden. Und dann war da eben noch die Stabhochsprunganlage im Garten. Trotzdem sind sich die Beobachter der Leichtathletik einig, dass es sich bei Armand Duplantis um einen Ausnahmesportler handelt.

„Er ist ein unglaublicher Springer. Ich glaube, dass es bei Duplantis mal über 6,20 Meter gehen kann, wenn er seine jugendliche Verrücktheit nicht verliert“, sagte der deutsche Stabhochsprung-Bundestrainer Andrei Tivontschik vor einem Jahr dem Tagesspiegel. Was Duplantis von den anderen Springern unterscheidet ist zum einen seine unglaubliche Athletik (bei einer 4x100-Meter-Staffel wurde er schon mit 10,55 Sekunden gestoppt).

Duplantis verwendet wesentlich härtere Stäbe als die Konkurrenz

Zum anderen verwendet Duplantis wesentlich härtere Stäbe als die meisten seiner Konkurrenten. Sein Vater und Trainer erzählte der „New York Times“ einmal, was der Effekt des harten Stabes ist. Es sei wie mit einer Erbse auf einem Löffel. „Man kann die Erbse umso weiter spicken, je härter der Löffel ist.“

Diese physikalische Logik setzte einst schon Sergej Bubka erfolgreich um. Bubka dominierte seine Sportart sogar so sehr, dass er häufig keine Siegergage, sondern lediglich eine Weltrekordgage von den Veranstaltern angeboten bekam. Deshalb übertraf er sämtliche seiner Weltrekorde immer nur um einen Zentimeter, um möglichst lange davon zehren zu können. Gut möglich, dass sich auch Duplantis noch einige Zentimeter aufbewahrt.

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