Eisbären Berlin : Florian Kettemer: Von der Aushilfe zum Anführer

Auf Florian Kettemer ist bei den schwächelnden Eisbären fast immer Verlass – dabei hatte der Allgäuer seine Karriere im Sommer schon beendet.

Rackert und trifft. In München schoss Florian Kettemer in drei Jahren nur vier Tore, in Berlin sind es nach acht Spielen schon drei.
Rackert und trifft. In München schoss Florian Kettemer in drei Jahren nur vier Tore, in Berlin sind es nach acht Spielen schon...Foto: Jan Huebner/Imago

An Florian Kettemer lässt sich die momentane Misere der Eisbären Berlin auf den ersten Blick nicht festmachen. Der aus München gekommene Verteidiger ist in den ersten acht Spieltagen der neuen Saison in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) eine zuverlässig starke Konstante in der Verteidigung. Einer, der anführt, der vorangeht. Trainer Clement Jodoin setzt ihn auch im Powerplay ein und schickt ihn bei einer Entscheidungsfindung im Penaltyschießen aufs Eis. So, wie am Freitag beim Auswärtsspiel in Schwenningen. Es lohnte sich für die Eisbären. Nachdem lange und lahme 65 Minuten kein einziges Tor gefallen war, schoss Florian Kettemer dann den Puck doch einmal ins Netz. Es war der Siegtreffer für die Eisbären beim Tabellenletzten. Ein schmales 1:0, das den Berlinern zwei Punkte bescherte. Zehn von 24 möglichen Punkten haben die Eisbären geholt, liegen auf Platz neun – an Florian Kettemer liegt es nicht.

Und doch lässt sich die Misere des einstigen Serienmeisters auch an der Verpflichtung Kettemers festmachen. Denn so, wie sie die Fertigkeiten einiger ihrer Zugänge aus Übersee überschätzt zu haben scheinen, so hatten sie Kettemer unterschätzt. Nun gut, beim Meister RB München hatte der gebürtige Allgäuer bei den drei deutschen Meisterschaften eine eher unauffällige Rolle gespielt. Aber das eben in einer ganz starken Mannschaft. Kettemer hatte seine Karriere im Sommer schon beendet. Dann aber kam ein Angebot aus Berlin, weil es dort in der Verteidigung zu viele Ausfälle gab. Er unterschrieb für vier Monate, in der DEL eher ungewöhnlich. Die Eisbären wollten ihn schließlich nur als Aushilfe. Nun ist er einer der Anführer im Team, der 32 Jahre alte Verteidiger hat bisher am zweitmeisten Einsatzzeit von allen Spielern bekommen.

In Berlin hat Kettemer mehr Verantwortung als in München

Trainer Clement Jodoin sagt, es sei ganz natürlich, dass Kettemer so gut sei. „In München war er siebter Verteidiger, hier kann er eine ganz andere Rolle ausfüllen, die ihm vom Typ her liegt.“ Und er schießt dabei sogar Tore, das in Schwenningen war schon sein drittes für die Eisbären. In der internen Scorerwertung liegt er auf Rang drei – als Verteidiger, der in den jüngsten drei Jahren in München insgesamt vier Tore geschossen hat.

Aber große Jubelstürme sind auch trotz Florian Kettemer in Berlin nicht angesagt. 52 Spiele gibt es in der Hauptrunde der Deutschen Eishockey-Liga und es sind gerade mal acht Spieltage davon vorbei. Es verbietet sich meist, zu diesem frühen Zeitpunkt der Saison schon tiefergehende Prognosen zu wagen aufgrund der ersten Resultate. Was aber, wenn eine Mannschaft nicht nur schlecht in der Tabelle steht, sondern auch noch schlecht spielt? Wie im Falle der Eisbären. Das Spiel bei den hilflosen und seit dem ersten Spieltag sieglosen Schwenningern war solide, aber mehr nicht.

Dass sich die Verteidiger Jonas Müller (Schulter) und Kai Wissmann (Fingerbruch) binnen zwei Tagen verletzten und länger ausfallen, ist Pech. Angesichts eh schon knappen Personals in der Defensive – Frank Hördler fehlt ja auch – kommt nun eine höhere Belastung auf den Rest der Defensive zu, was zum jetzigen Saisonzeitpunkt zu früh ist, auch wenn Kettemer das mitmacht. Auch war es nicht eben glücklich, dass sich der neue kanadische Torwart Kevin Poulin gleich mit einer Bindehautentzündung abmeldete. Zuvor hatte sich ja schon der als Nummer eins eingeplante Marvin Cüpper verletzt. An Ersatzmann Maximilian Franzreb lag es nicht allein, dass es nicht lief, aber mit dem genesenen Kevin Poulin läuft es gleich wieder viel besser. In Schwenningen gelang ihm immerhin ein Shut-out, also ein Spiel ohne Gegentor.

Gegen Mannheim sind die Eisbären Außenseiter

Die aktuelle Mannschaft der Eisbären ist kein Selbstläufer. Uwe Krupp hat fast vier Jahre gebraucht, um sie nach vorn zu bringen – unter anderem mit dem Co-Trainer Jodoin, dem die neue Aufgabe als Chef wohl noch nicht so liegt. Das ist zu spüren. Und nicht nur das ist momentan nicht gut für die Eisbären. Sie sind am Sonntag im Heimspiel gegen Mannheim (Beginn 16.30 Uhr) in der Arena am Ostbahnhof Außenseiter. Die Adler liegen immerhin auf Platz zwei.

Kettemer sagte nach seinem Siegtor gegen Schwenningen: „Wir haben in dem Spiel defensiv gut gestanden und verdient gewonnen. Jetzt sind wir heiß auf Mannheim.“ Vielleicht hilft das ja. Bisher lag Florian Kettemer mit seinen Einschätzungen in dieser Saison oft richtig.

Mehr zum Thema

Alles zu den Eisbären lesen Sie in unserem Saisonblog.

Jetzt neu: Wir schenken Ihnen 4 Wochen Tagesspiegel Plus!