Eisbären Berlin - Joachim Ziesche wird 80 : Ein Mann für Dynamo

Der Mann, der in der DDR das Eishockey hochgehalten hat, wird 80 Jahre. Eine Würdigung zum Geburtstag des ehemaligen Eisbären-Trainers.

Achim, der Lange. Ziesche in der Saison 1994/1995 als Trainer der Eisbären.
Achim, der Lange. Ziesche in der Saison 1994/1995 als Trainer der Eisbären.Foto: Imago

Es war am 8. März 1963. Bei der Eishockey-Weltmeisterschaft in Stockholm geht die DDR schon in der ersten Spielminute gegen die großen Kanadier in Führung. Der flinke Stürmer, der getroffen hat, das wäre einer für die National Hockey-League, die beste Eishockeyliga der Welt – sagen sie beim Gegner. Joachim Ziesche erinnert sich. „Es wurde mit der kanadischen Delegation verhandelt.“ Doch: „Die Reaktion unserer Leute war ja klar.“ So im Kalten Krieg ging das nicht, dass der beste Eishockeyspieler aus dem Arbeiter- und Bauernstaat zum kapitalistischen Feind wechselte. Die Kanadier siegten 11:5, Ziesche blieb, was er auch in Ordnung fand. Schon in den Fünfzigerjahren, damals, als die deutsche Grenze noch offen war, ging er nicht. „Für mich kam ein Wechsel nicht infrage, weil hier in Berlin war ja noch etwas zu machen.“

Joachim Ziesche ist eine Erscheinung, mit 1,93 Metern Körpergröße, der straffen Haltung, diesen zurückgekämmten glatten dunklen Haaren. Der Mann, in Dresden geboren, hat das Eishockey hochgehalten, als es in der DDR kaum einer hochhalten wollte. Er ist ein Grundstein im heutigen Konstrukt Eisbären Berlin: Kaum ein anderer hat als Spieler und Trainer dem Eishockeyklub so lange die Treue gehalten wie er. Von 1958 bis 1995 war Ziesche zunächst beim SC Dynamo und später bei den Eisbären aktiv. Als Spieler wurde er dreimal mit Dynamo DDR-Meister. Als Trainer gelang im das später zwölf Mal. Und natürlich wurde Ziesche, lange mit dem jüngst verstorbenen Co-Trainer Hartmut Nickel, als Cheftrainer der DDR-Auswahl wahrgenommen. „Das war ein langer Höhepunkt meiner Karriere.“ Aber es war nicht immer eine Freude. Von der Staatsführung wurde das Eishockey Ende der Sechzigerjahre als „nicht medaillenträchtig“ eingestuft. Der größte Sportfunktionär der DDR, Manfred Ewald, habe angeordnet, dass man bei der B-WM „mitspielen, aber nicht aufsteigen“ durfte. „Das war das Schlimmste, was man sich als Sportler vorstellen kann. Du betreibst den Sport, um zu gewinnen und diesen Ansporn hat man uns genommen.“ Erst 1973 durfte die Mannschaft, von Ziesche mit einer Unterbrechung von 1970 bis 1990 betreut, dann so spielen, wie sie konnte.

Heute wird Joachim Ziesche 80 Jahre alt. Der Jubilar fühlt sich „dem Alter entsprechend“ gut. Den Eisbären ist er treu geblieben. Sohn Steffen war zuletzt Co-Trainer, Sohn Jens ist Mannschaftsarzt des Profiteams. Mit seiner Frau hat er eine Dauerkarte auf Lebenszeit. Regelmäßig ist er in der Arena am Ostbahnhof, zuletzt habe ihm das „mehr Ärger als Freude“ bereitet. „Die Freunde dort sollten wachsam sein, damit das nicht im Dilemma endet.“ Trotz „miserabler Spielweise“ seien die Spiele vergangene Saison sehr gut besucht gewesen. „Die Eisbären sollten drei Kreuze machen, dass sie so ein Publikum haben“ – und dankbar sein, dass es auf der Tribüne Menschen wie Joachim Ziesche gibt, die ein gutes Stück Tradition und Identität verkörpern.

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