Eisbären Berlin & Krefeld Pinguine : Ungeduld schlägt Zukunft

Immer weniger DEL-Teams vertrauen deutschen Torhütern: Die Eisbären Berlin und Krefeld, die am Freitag gegeneinander spielen, sind Beispiele dafür.

Erfahrung im Tor. Kevin Poulin verdrängte in Berlin Maximilian Franzreb.
Erfahrung im Tor. Kevin Poulin verdrängte in Berlin Maximilian Franzreb.Foto: Jaspersen/dpa

Der Wechsel ging schnell über die Bühne und bei den Krefeld Pinguinen waren sie sehr froh darüber. In der Spielpause der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) verpflichtete der Klub vom Niederrhein einen neuen Torwart, den Russen Ilja Proskujakow: 31 Jahre alt, Erfahrung von mehr als 300 Spielen in der russischen KHL und früher Juniorenländerspiele für Russland. Krefelds Trainer Brandon Reid, der am Donnerstag seinen Vertrag dort um ein Jahr verlängert hat, sprach davon, dass man nun das letzte wichtige Puzzleteil habe, um erfolgreich zu sein.

Nun klang die Verpflichtung des Torwarts aus sportlicher Sicht etwas überraschend, die Krefelder liegen nach 17 Spieltagen auf Platz acht – das ist sehr stark für ihre Verhältnisse. Bislang 56 Gegentore sind ein bisschen viel, aber es ist nicht so, dass nun ein paar Novizen im Krefelder Tor zu oft daneben gegriffen haben: Dimitri Pätzold, 35 Jahre, ist ehemaliger Nationaltorwart und Ersatzmann Patrick Klein, 24 Jahre, an sich in einem Alter, in dem er die Chance nutzen muss, zum Nachfolger des ersten Mannes im Kasten aufgebaut zu werden. Aber dazu kommt es nun wegen Proskujakow kaum noch. Sportdirektor Matthias Roos sagte zur Zukunft des zur Zeit verletzten Klein der „Rheinischen Post“: „Wir müssen sehen, ob er hier den Konkurrenzkampf annehmen oder wechseln will.“ Ein typisches Spiel in der DEL: Die Saison beginnen Klubs oft mit Lippenbekenntnissen zu deutschen Torhütern, wenn der Puck dann aber läuft, wird zugeschlagen, sobald der erste starke ausländische Torhüter zu haben ist.

Im Jahr der olympischen Silbermedaille der deutschen Nationalmannschaft überrascht es dann schon ein wenig, dass viele Klubverantwortliche deutschen Torhütern kein Vertrauen schenken. Von 14 Mannschaften in der DEL haben nach den Wechseln in Berlin und Krefeld nur noch sechs einen in Deutschland ausgebildeten Torhüter als Nummer eins, vier Teams setzen dabei nur auf deutsche Torhüter. In Ingolstadt, München, Nürnberg und Schwenningen ist auch jeweils der zweite Mann ein deutscher Torhüter.

Bei den Eisbären ersetzte Poulin Franzreb

Bei den Eisbären, die am Freitag Krefeld zum ersten Spiel nach der Deutschland-Cup-Pause empfangen (19.30 Uhr, Arena am Ostbahnhof) war die Entwicklung ähnlich der am Niederrhein. In Berlin warfen sie schon nach vier Spieltagen und einer Verletzung von Marvin Cüpper ihr Konzept über Bord, mit zwei jungen Goalies durch die Saison zu spielen. Sie holten den ehemaligen kanadischen Auswahltorwart Kevin Poulin und setzten Maximilian Franzreb auf die Bank. Dabei hatte Eisbären-Sportdirektor Stéphane Richer noch gesagt, Poulin sei gekommen, „um die jungen Torhüter zu unterstützen“.

Der ehemalige Eisbären-Torhüter René Bielke, heute U-20-Trainer im Klub, hat durchaus Verständnis für den Torwartwechsel in Berlin. Franzreb sei dem Druck nicht immer gewachsen gewesen: „Die mussten handeln.“ Für die Entwicklung des jungen Torwarts sei es allerdings ein Problem. „Da kann man davon ausgehen, dass der Zug abgefahren ist für einige Zeit.“ Die Ungeduld der Verantwortlichen in der DEL sei oft ein Problem für junge Torhüter, sagt Bielke. In der zweiten Liga könnten sie eben nicht auf dem nötigen Niveau spielen und in der DEL sei es „zu wenig, wenn ein Torwart da „nur jedes vierte Spiel zum Einsatz“ komme.

Der Druck ist groß

Im Eisbärennachwuchs ist die Situation besonders prekär. Seit Bielke, der schon 1992 den Klub wechselte, hat es nicht ein einziger Torwart aus dem eigenen Nachwuchs geschafft, sich dauerhaft zur Nummer eins bei den Berliner Profis durchzusetzen. „Dabei hatten wir zuletzt einige Torhüter, denen wir das zugetraut haben“, sagt Bielke. „Aber der Druck ist eben groß. Trainer und Torhüter sind die ersten, die weichen müssen, wenn es nicht läuft.“ Allerdings ist die Situation in der DEL für deutsche Torhüter besser als noch in ihren Anfangsjahren. 2001 bei der Heim-WM musste der damalige Bundestrainer Hans Zach mit Christian Künast und Robert Müller zwei Torhüter nominieren, die nur Ersatz im Klub waren. In allen Mannschaften der DEL waren ausländische Torhüter die Nummer eins. Heute undenkbar.

Bei den Eisbären ist übrigens der Respekt vor dem Gegner wegen das Debüts von Torwart Proskujakow am Freitag beim Spiel in Berlin groß. Trainer Clement Jodoin sagt: „Dass die Krefelder einen neuen Goalie geholt haben, deutet darauf hin, dass sie auf der Position eine Schwäche gefunden hatten und diese korrigieren wollten.“ Sportdirektor Richer behauptet gar: „Wenn mehr Russen in die DEL kommen, ist das ein gutes Zeichen für uns.“ Im Umkehrschluss ist es aber nicht so, dass nun mehr Deutsche nach Russland wechseln. Diese gehen vielmehr dann in die Zweite Liga. So, wie das der Krefelder Torwart Klein demnächst machen dürfte. Angeblich ist Kassel an ihm interessiert.

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