Eisbären-Gegner Kölner Haie : Verspielt und vercoacht

Cory Clouston zeigt als Coach wenig Fingerspitzengefühl, die Kölner Haie suchen ihre Identität – Gegner Eisbären Berlin wird da zur Herausforderung.

Läuft meistens. Die Kölner Hospelt (l.), Jones (M.) und Lalonde.
Läuft meistens. Die Kölner Hospelt (l.), Jones (M.) und Lalonde.Foto: Marius Becker/dpa

Am Sonntag dröhnte wieder einmal Karnevalsmusik durch die Kölner Arena. Die Haie-Profis drehten dazu Ehrenrunden auf dem Eis, einige von ihnen hatten ihre kleinen Kinder auf den Arm. Oder anders ausgedrückt: Die Welt des KEC war in Ordnung – nach einem überzeugenden 5:1-Sieg gegen Wolfsburg. Keine 48 Stunden zuvor hatten sie noch alle mit sich und der Welt in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) gehadert – wegen eines 2:6 im Heimspiel gegen Ingolstadt. „Die Liga ist so eng“, sagte Kapitän Christian Ehrhoff. „Man muss immer Bestform bringen, wenn man die Punkte holen will.“ Ehrhoff hatte zwei Treffer zum Erfolg gegen Wolfsburg beigesteuert.

Nächster Gegner des KEC sind am Dienstagabend (19.30 Uhr) die Eisbären Berlin, die am Sonntag 5:4 nach Penaltyschießen gegen Meister München gewannen und anders als die wankelmütigen Haie bislang eine recht stabile Saison spielen. Während Uwe Krupps Mannschaft ihre Identität schon gefunden zu haben scheint, sind die Kölner noch auf Suche nach sich selbst. „Wir dürfen nicht zu tief fallen nach Niederlagen und nicht zu hoch steigen nach Siegen. Wir wollen die goldene Mitte finden“, meint Ehrhoff. „Das Spiel gegen Berlin wird eine riesige Herausforderung für uns, wir müssen von Anfang an so da sein wie gegen Wolfsburg.“ Ehrhoff weiß, wovon er spricht.

Die Haie der DEL-Saison 2017/18, verstärkt mit fünf neuen Stürmern, sind eine lockere, verspielte Mannschaft, die es nicht immer schafft, sich ausreichend zu konzentrieren. Erschwerend kommt hinzu: Ihr Trainer, der Kanadier Cory Clouston, ist kein Coach, der mit Fingerspitzengefühl arbeitet, er spricht wenig und stellt die Profis gern vor vollendete Tatsachen. In der vergangenen Spielzeit frustrierte er so die langjährigen Kölner Torsten Ankert und Marcel Ohmann, die er auf der Tribüne versauern ließ. Beide flohen nach Wolfsburg.

Neuer Torwart: der KEC verpflichtete in vergangene Woche den 31 Jahre alten Kanadier Justin Peters

Bei der Besetzung der Torhüter-Position ging Clouston gerade ebenfalls wenig empathisch vor. Anfang Oktober verletzte sich Kölns Stammkeeper Gustaf Wesslau, der beste DEL-Torwart der vorigen Saison, wegen einer Knieblessur muss er länger pausieren. Ersatzmann Daniar Dshunussow, der einst bei den Eisbären groß wurde, machte drei starke Spiele für die Haie. Der gebürtige Berliner hatte zwei Jahre, während derer er in Köln kaum zum Einsatz kam, auf seine Chance gewartet; seine Belohnung: Der KEC verpflichtete in vergangene Woche den 31 Jahre alten Kanadier Justin Peters mit Erfahrung in der nordamerikanischen Profiliga NHL. Im Zweifelsfall vertraut Clouston wohl lieber einem Landsmann als einem deutschen Profi.

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Peters debütierte, als die Kölner am Freitag im zweiten Drittel gegen Ingolstadt 0:4 zurücklagen. Clouston nahm Dshunussow vom Eis, der wenig Schuld an dem Rückstand hatte. Die Kölner Fans quittierten den Wechsel mit Pfiffen, was Clouston überraschte, wie er nachher zugab. Dshunussow ist trotzdem wieder zum Bankdrücken verdammt. Am Sonntag stand Peters, ein ruhiger Goalie mit gutem Stellungsspiel, in der Startformation. Und das wird auch am Dienstag in der Partie gegen Berlin so sein, nach der die Haie am liebsten wieder Karnevalsmusik spielen würden.

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