Den ausländischen Besuchern geht es besser als den eigenen Bürgern

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Eishockey : Blut und Spiele bei der Weltmeisterschaft in Weißrussland

Die Eishockey-WM ist für ein kleines Land wie Weißrussland mit seinen knapp zehn Millionen Einwohnern ein teures Ereignis. In Minsk wurden seit 2009 zwei moderne Arenen errichtet. Die Kosten dafür liegen insgesamt im dreistelligen Millionenbereich. Dazu kommen Aufwendungen für die Durchführung (rund 25 Millionen Euro) und wirtschaftliche Risiken, wie der Verkauf der Eintrittskarten, der bei einer Eishockey-WM insgesamt etwa eine halbe Million Tickets betragen muss, damit sich die Veranstaltung für den Ausrichter lohnt.

In Deutschland sind Projekte dieser Größenordnung nicht mehr ohne Weiteres mit öffentlichen Mitteln möglich. Münchens Plan einer zweiten Olympiabewerbung scheiterte an einem Volksentscheid. Harnos glaubt, dass Minsk Symptom einer Entwicklung sei. „Bei nachhaltigen negativen Bürgerentscheidungen zu Sportgroßveranstaltungen stellt sich doch die Frage, ob in der Konsequenz künftig vermehrt Sportgroßveranstaltungen dort stattfinden, wo Bürger nicht gefragt werden, sondern die Politik handelt“, sagt er.

Der stolze Zar von Sotschi
Wladimir Putin (r.) versäumt niemals die Gelegenheit, sich gut ins Bild setzen zu lassen. Dabei versteht sich Russlands Präsident offensichtlich sehr gut mit Fifa-Präsident Sepp Blatter (m.). Der deutsche IOC-Chef Thomas Bach wartet schon freudig auf seine eigene Umarmung.Weitere Bilder anzeigen
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06.02.2014 11:19Wladimir Putin (r.) versäumt niemals die Gelegenheit, sich gut ins Bild setzen zu lassen. Dabei versteht sich Russlands Präsident...

Die Politik in Weißrussland hat im Vorfeld des Turniers den Weg dafür bereitet, dass es den ausländischen Besuchern besser als den eigenen Bürgern geht. Touristen mit WM-Ticket brauchen kein Visum, das im Normalfall für Weißrussland nicht einfach zu bekommen ist. Am Flughafen von Minsk sollen die Gäste an speziellen Gates bevorzugt behandelt werden, ohne die sonst übliche Schikane bei der Abfertigung. Seit Wochen predigen die staatlichen Medien, wie viel der Staat für die Ausrichtung der WM getan hat und wie sehr sich die Menschen im Land auf die Spiele freuen. „Es wird keine freien Plätze in den Stadien geben“, hat Lukaschenko versprochen. Und wenn, so wird gemunkelt, werden eben Studenten in die Arenen beordert, um auch ein für Weißrussen unattraktives Spiel zu einem Spiel vor voller Kulisse werden zu lassen.

Von der Eishockey-WM profitieren nicht alle Menschen im Staat

Minsk will sich weltoffen präsentieren: 500 Polizisten haben Englischkurse belegen müssen, 1000 mehr oder weniger freiwillige Helfer sollen für die Besucher da sein. „Die Weltmeisterschaft bringt Handel und Service auf einer neuen Ebene“, hat Lukaschenko gesagt. Für das Turnier wurden Hotels gebaut, 2000 Arbeitsplätze geschaffen und Supermärkte errichtet. Doch vom infrastrukturellen Fortschritt profitieren nicht alle Menschen im Staat. 600 Studenten der vier Universitäten von Minsk haben ihre Wohnungen räumen müssen, sie wurden für WM-Gäste umgebaut. Oppositionelle sind schon seit langem gegen die Ausrichtung der WM. Die Eishockey-Föderation lasse dem Diktator alles durchgehen, ist der Tenor. „Sie können nicht das Jahr der Gastfreundschaft ausrufen, wenn so viele Menschen unschuldig im Gefängnis sitzen“, sagt Anatoli Lebedko, Leiter der Vereinigten Bürgerpartei. „Das ist kein Fair Play, wenn es so viele politische Gefangene gibt.“ Rund 20 Menschenrechtsorganisationen unterstützen die „Fair Play Beyond Sports“- Kampagne anlässlich der WM. Susan Corke von „Freedom House“ sagt im offiziellen Statement der Kampagne: „Die Führer von Weißrussland sollten demonstrieren, dass Fair Play nicht nur ein Motto für den Sport ist, sondern eine Lebensart – vor, während und nach der Weltmeisterschaft.“ Menschen, die „Fair Play“ unterstützen, wollen während der WM T-Shirts mit Fotos politischer Gefangener tragen, um Aufsehen bei internationalen Gästen zu erregen.

70 000 Menschen aus dem Ausland werden in Minsk erwartet, vor allem aus Ost- und Westeuropa. In Nordamerika werden die Medien großflächig berichten. Lukaschenko hat angeordnet, dass ausländische Journalisten keine Restriktionen befürchten sollen. Aber eine Amnestie politischer Gefangener, wie die von Russlands Staatschef Putin vor den Spielen von Sotschi, wird es wohl vor der WM nicht geben, sagt Jovanka Worner von Amnesty International. „Es gab mal die Hoffnung, dass Ales Bjaljazki freikommt“, sagt sie. Doch der Menschenrechtler sitzt wie der ehemalige Präsidentschaftskandidat Mikalaj Statkewitsch und Aktivist Eduard Lobau weiter im Gefängnis. Worner sagt, Amnesty sei enttäuscht, dass der Sport vor der WM kein tiefergehendes Interesse an Aufklärung über Weißrussland gezeigt hätte: „Wir haben den Eishockey-Bund angeschrieben und angeboten zu schildern, wie wir die Menschenrechtslage in Weißrussland sehen, aber nie eine Antwort bekommen.“

Mitarbeit: Daria Meschtscheriakowa

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