Eisschnelllauf : Claudia Pechstein startet in ihre 27. Saison

Claudia Pechstein beklagt die Probleme im Eisschnelllauf. Trotz Probleme in der Vorbereitung will sie alleinige Rekordmeisterin werden.

Waren es ihre letzten Olympischen Spiele? Claudia Pechstein in Pyeongchang in Aktion.
Waren es ihre letzten Olympischen Spiele? Claudia Pechstein in Pyeongchang in Aktion.Foto: Peter Kneffel/dpa

Claudia Pechstein musste in der Vorbereitung auf ihre 27. Eisschnelllauf-Saison einige Probleme überwinden. „Die Vorbereitung auf die neue Saison war die schwierigste meiner Karriere. In der DESG sind nach meinem Empfinden sämtliche Strukturen weggebrochen“, sagte die 46 Jahre alte Berlinerin vor den deutschen Meisterschaften, die am Freitag im bayerischen Inzell beginnen. „Ich musste den ganzen Sommer über improvisieren. Ohne verlässliche, professionelle Rahmenbedingungen war es unmöglich, ein eigenes Team zu installieren. Wenn du nicht mal weißt, wann du wo trainieren kannst, wer mit dabei sein darf und wo man welche Leistungen nutzen kann, dann wird es extrem schwierig, sich ein eigenes Trainingsumfeld zu schaffen.“

Pechstein ist die mit fünf Olympiasiegen erfolgreichste Winterolympionikin Deutschlands. Nach der zweiten Nullnummer bei Olympischen Winterspielen hatten sich Sportdirektor Robert Bartko und Cheftrainer Jan van Veen im März vom Verband DESG verabschiedet, bis heute sind die Posten nicht besetzt. „Ich kann nichts zum Verband sagen. Denn es gibt über diesen Verband nichts mehr zu sagen“, sagte Pechstein. Eine Ausschreibung für den Sportdirektor erfolgte zwar, doch da sie lediglich bis zum Jahresende befristet war, konnte trotz einiger Bewerber noch kein Nachfolger für Bartko gefunden werden.

Derzeit ist völlig ungewiss, wie viel Geld der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft ab Januar 2019 zur Verfügung steht. Die ehrenamtliche Präsidentin Stefanie Teeuwen möchte sich in der Öffentlichkeit nicht äußern, der Vertrag des Presse-Verantwortlichen ist Ende Juni ausgelaufen, das traditionelle Medienseminar wurde abgesagt. Niemand will sich derzeit über die Misere im einst Jahrzehnte lang so erfolgreichen Verband äußern.

Die Athleten haben sich mit Hilfe ihrer Heimtrainer auf den Winter vorbereitet und stellen sich nun in Inzell dem ersten Leistungstest. „Ich habe für Inzell auf fünf Strecken gemeldet. 1000, 1500, 3000, 5000 Meter und für den Massenstart. Ich werde aber erst kurzfristig entscheiden, welche Strecken ich tatsächlich laufen werde. Das hängt ganz stark von meinem Gesundheitszustand ab“, sagte Pechstein, die seit zwei Wochen eine Rückenverletzung beklagt. „Ich habe mich in München einer Spezialbehandlung unterzogen und hoffe, dass ich am Wochenende schmerzfrei laufen kann.“

Auch die anderen Leistungsträger Nico Ihle (Chemnitz) und Patrick Beckert (Erfurt) setzen ihre Laufbahn fort und gelten in Inzell als Favoriten. Claudia Pechstein, die im Vorjahr mit vier Siegen und damit insgesamt 34 Titeln zu Gunda Niemann-Stirnemann aufschloss, möchte alleinige Rekordhalterin werden. „Es bleibt mein Anspruch, trotz meines hohen Alters dafür zu sorgen, dass die Namen der deutschen Frauen auf meinen Strecken nicht ganz aus den Top Ten der internationalen Ergebnislisten verschwinden“, sagte Pechstein.

Konkurrenz droht ihr möglicherweise von der Berlinerin Bente Pflug (früher Kraus), die nach verletzungsbedingter Pause wieder angreift. Die Inzeller Moritz Geisreiter und Hubert Hirschbichler, die Erfurter Sprinterin Judith Dannhauer und Isabell Ost aus Berlin haben ihre Karrieren beendet. In Inzell wird sich zeigen, ob der Nachwuchs einen kleinen Schritt nach vorn rücken kann. (dpa)

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