Eisschnelllauf : Wolf siegt in Weltrekordzeit

Jenny Wolf hat zum Abschluss des Weltcup-Finals der Eisschnellläufer in Calgary die nichtolympischen 100 Meter gewonnen. Die Berlinerin siegte in der neuen Weltrekordzeit von 10,28 Sekunden.

Calgary/Salt Lake City - Jenny Wolf mit Sprint-Weltrekord, Daniela Anschütz-Thoms in der Form ihres Lebens: Während Anni Friesinger am Montag erstmals nach ihrem Infekt wieder das Eis betreten konnte, sind die anderen deutschen Eisschnelllauf-Asse rechtzeitig vor der Weltmeisterschaft in Salt Lake City in Fahrt gekommen.

"Es ging locker-fluffig"

Sprint-As Jenny Wolf zählt zu den heißen WM-Medaillenanwärterinnen. Die Germanistik-Studentin aus Berlin sicherte sich nach dem 500-Meter-Weltcup und den damit verbundenen 14.000 Dollar auch die Trophäe über die nichtolympischen 100 Meter und durfte dafür noch einmal ein Preisgeld von 4000 Dollar einstreichen. Bei ihrem insgesamt elften Weltcupsieg verbesserte die 28-Jährige in 10,28 Sekunden den Weltrekord der Russin Swetlana Schurowa um 3/100 Sekunden. "Es ging locker-fluffig. Jetzt fahre ich hoffnungsvoll nach Utah", sagte Wolf.

Nach der besten Weltcup-Saison ihrer Laufbahn darf Team-Olympiasiegerin Daniela Anschütz-Thoms von ihrer ersten Einzel-Medaille bei Welt-Titelkämpfen träumen. Im letzten Weltcuprennen des Winters lief die 32-jährige Erfurterin in Calgary so schnell wie nie zuvor die 3000 Meter und drückte als Zweite in 3:58,59 Minuten ihre persönliche Bestzeit gleich um 1,85 Sekunden.

Langstrecken-Gesamt-Weltcup an Sablikova

Damit musste sie nur Shooting-Star Martina Sablikova ziehen lassen, die in Jahresweltbestzeit von 3:57,02 ihre goldenen WM-Ambitionen unterstrich. Die Europameisterin aus Tschechien holte sich damit zum ersten Mal auch den Gesamt-Weltcup auf den langen Strecken. Daniela Anschütz-Thoms erkämpfte mit Platz zwei im Gesamt-Klassement die beste Weltcup-Platzierung ihrer Karriere.

"Ich wollte erstmals unter vier Minuten bleiben. Dass ich nun so weit drunter blieb, macht mir viel Mut für die WM. Ich denke, dass ich in der Form meines Lebens bin", meinte die Thüringerin strahlend. "Jetzt ist auf beiden langen Strecken eine WM-Medaille drin. Nach diesem Rennen würde ich sagen, dass meine Chancen über 3000 Meter sogar größer sind", fügte sie hinzu.

Pechstein strebt zwei WM-Medaillen an

Claudia Pechstein stand ihrer Gefährtin aus dem goldenen Olympia-Team von Turin nur wenig nach und kam mit dem Mini-Rückstand von 0,17 Sekunden zu Anschütz-Thoms auf Platz vier. Im Klassement rutschte die Rekord-Olympionikin auf den dritten Platz ab. Dennoch wies die 35-jährige Berlinerin nach, dass sie gedenkt, nicht nur über 5000 Meter, sondern auch über 3000 Meter in die WM-Medaillenvergabe einzugreifen. "Die Form geht spürbar aufwärts. Jetzt will ich in Salt Lake zwei Medaillen. Auch Gold habe ich nicht abgeschrieben: Ich komme immer näher an Sablikova ran", meinte sie selbstbewusst.

Da auch die Berlinerin Lucille Opitz über 1500 und 3000 Meter persönliche Bestzeiten lief, darf man davon ausgehen, dass die deutschen Damen auch ohne Friesinger in der Team-Verfolgung ein gewichtiges Wort mitreden werden. "Das Ziel lautet ganz klar Medaille", betonte Daniela Anschütz. "Sorgenkind" Anni Friesinger absolvierte am Montag in der Olympia-Stadt von 2002 das erste Test-Training nach ihrem Infekt. "Wir müssen nun sehen, wie sie das verkraftet. Im Moment kann man noch gar nichts sagen", meinte ihr Coach Gianni Romme, der aber hofft, dass sein Schützling die WM-Rennen bestreiten kann.

Nicht zufrieden waren Tobias Schneider, obwohl ihm in 1:45,82 eine persönliche Bestzeit über 1500 Meter gelang. "Ich habe beim Bahnwechsel viel verloren. Schade, ich wollte deutschen Rekord laufen", meinte der Berliner, der nur auf Platz 17 einkam. 1000-Meter-Olympiasieger Shani Davis (USA) drückte in 1:42,32 seinen eigenen Weltrekord um 0,36 Sekunden, so dass der Abstand der Deutschen auf die Weltspitze wieder größer geworden ist. "Wir konzentrieren uns jetzt voll auf das Team-Rennen. Vielleicht ist eine WM-Medaille drin", hofft Schneider. (tso/dpa)

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